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StartseiteCampus & KarriereUngeahnte Möglichkeiten11.09.2008

Ungeahnte Möglichkeiten

Uni Göttingen auf Reformkurs

Die Universität Göttingen ist die einzige Volluniversität in Deutschland, die seit mehr als fünf Jahren von einer Stiftung geführt wird. Das heißt, sie kann Professoren unabhängig vom Land berufen und sich ihre Studierenden selbst auswählen. Und - viel entscheidender noch: Sie kann frei über ihr Kapital verfügen. Seit knapp einem Jahr ist die Georgia Augusta auch Exzellenzuniversität und wird bis 2012 mit zusätzlichen Geldern gefördert.

Von Elke Drewes

Studieren an einer Elite-Universität bringt viele Vorteile.  (AP)
Studieren an einer Elite-Universität bringt viele Vorteile. (AP)

Ein Kiosk auf dem Göttinger Campus verkauft T-Shirts mit dem Wappen der Georgia Augusta. Manche Studenten tragen diese Shirts mit ziemlichem Selbstbewusstsein.

"Weil ich mich mit der Uni identifiziere. Ich bin stolz, dass ich hier studieren kann.

An einer Eliteuni zu studieren ist ein gutes Gefühl, weil man dann vielleicht mehr Chancen hat auf dem Arbeitsmarkt. Alle sind immer ganz nett und unterstützen einen.

Eliteuni ist eine große Ehre. Ich bin selber hier Promotionsstudent und hoffe, dass wir dem Anspruch gerecht werden und hier künftig Eliteforschung betreiben und gute Studenten in die Wirtschaft schicken."

Ein wenig ist er also auch in den grauen Hörsaalhallen wieder zu spüren. Der sogenannte "Göttingen Spirit": Das sind die Offenheit und das Zusammengehörigkeitsgefühl, das bis 1933 an der Göttinger Universität geherrscht haben soll. Damals war Göttingen ein Forschungszentrum von Weltrang - und das will es mit den Geldern aus der Exzellenzinitiative wieder werden. So steht es jedenfalls sinngemäß im prämierten Zukunftskonzept der Universität.
15 junge Spitzenforscherforscher hat die Universität schon nach Göttingen gelockt, zehn davon Frauen. Eine von ihnen ist die Mathematikerin Hannah Markwig.
Die 27-Jährige ist sogar aus den USA zurück gekehrt: für eine Juniorprofessur am Courant-Zentrum für Mathematik. Das ist eines von fünf neuen Forschungszentren, die im Rahmen der Exzellenzinitiative eingerichtet wurden.

"Die Position, die ich hier bekommen habe, könnte ich an keiner amerikanischen Universität besser bekommen. Was für mich sehr schön ist, ist: dass ich Leute einstellen kann, also dass ich einen Postdoc einstellen kann, der mit mir zusammen arbeitet. Das ist schon toll, dann kann man mit vereinter Kraft an seinen Sachen forschen."

Mit vereinter Kraft forschen, das sollen künftig auch die Geistes- und Sozialwissenschaftler in dem Lichtenberg-Kolleg - einer weiterer wichtigen Säule des prämierten Zukunftskonzeptes, sagt Markus Hoppe. Er ist als Vizepräsident zuständig für die Finanzen und die Philosophische Fakultät.

Sein Arbeitszimmer in der historischen Aula ist - ganz im Geiste der Antike- mit Gipsstatuen von Perseus und Andromedar geschmückt:

"Das, was den Standort Göttingen und den Spirit auszeichnet ist die Offenheit der Wissenschaftler aufeinander zu zu gehen und gemeinsam interdisziplinäre Konzepte zu entwickeln, die in ihrer Vielfalt einzigartig sind, nicht nur an der Universität, auch an den außeruniversitären Einrichtungen."

Davon hat Göttingen einiges zu bieten: allein fünf Max Planck Institute, das Laserlabor und das Deutsche Primatenzentrum, um nur einige zu nennen. Da die Universität in puncto Gehalt nicht mit amerikanischen Eliteuniversitäten konkurrieren kann, wirbt sie mit ihrem exzellenten Umfeld.

Und mit ihrer Autonomie als Stiftungsuniversität. Die Georgia Augusta kann Professoren unabhängig vom Landesministerium berufen. Das spare viel Zeit und sei ein Wettbewerbsvorteil, sagt Vizepräsident Hoppe.
Auch wählt sich die Stiftungsuniversität ihre Studierenden selbst aus. Die müssen in einem Motivationsschreiben begründen, warum sie sich für einen bestimmten Studiengang einschreiben wollen.

"Wir wollen natürlich Studierende haben, die ehrgeizig ihr Studium absolvieren, möglichst in der Regelstudienzeit und Motivation ist ein wichtiger Gesichtspunkt, um diesem Ziel nahe zu kommen."

Autonomie in der Entscheidung--- das betrifft auch das Stiftungskapital der Universität. Noch steuert das Land Niedersachsen mit 320 Millionen Euro pro Jahr für Universität und Humanmedizin den Löwenanteil bei.

Aber als Stiftungsuniversität hat die Göttinger Georgia Augusta bessere Möglichkeiten, Sponsoren zu werben, so Vizepräsident Hoppe. Neben Zuwendungen aus der regionalen Wirtschaft hofft er langfristig auch die Ehemaligen, die sogenannten Alumni, als Unterstützer zu gewinnen.

Ende September richtet die Universität Göttingen eine 3-tägige internationale Alumni-Feier aus: mit rund 500 Ehemaligen aus der ganzen Welt und prominenten Gastrednern wie zum Beispiel dem ehemaligen Bundeskanzler und Gerhard Schröder. Vizepräsident Markus Hoppe:

"Die Alumni Arbeit machen wir verstärkt, um Mitglieder emotional an die Universität zu binden, dann kann auch später einmal eine finanzielle Zuwendung sehr willkommen sein."

Bis aber die Göttinger Georgia Augusta über ein Stiftungskapital von zweieinhalb Milliarden Euro verfügt - so wie ihre amerikanischen Vorbilder Harvard und Stanford - ist es noch ein weiter Weg.

"Die Hoffung ist immer da, aber man muss die Kirche im Dorf lassen. Die Verhältnisse in den USA und in Deutschland sind nicht vergleichbar, Zuwendungen im zwei- und dreistelligen Millionen Bereich, das wäre für deutsche Verhältnisse schon äußerst erfolgreich."

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