
Allein der Tschad habe 1,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen, sagte sie dem Nachrichtenportal T-online. Manche seien bis zu eintausend Kilometer gelaufen, fast alle auf dem Weg ausgeraubt, einigen sogar ihre Schuhe genommen worden. Viele erzählten von getöteten Familienmitgliedern und verschleppten Menschen, vor allem Männer und Jungen. Angesichts weltweit gekürzter humanitärer Hilfe sei es dem UNHCR mitunter nicht einmal mehr möglich, das Nötigste wie Trinkwasser und Zelte zu bieten. Mehr als 200.000 Menschen lebten in selbstgebauten Hütten aus Stöcken und Plastikplanen, und das bei dem Wassermangel in der Wüstenregion.
Es sei ungemein wichtig, die Länder rund um den Sudan angemessen zu unterstützen, meinte Thote. Europa dürfe sich nicht nur auf sich selbst, also auf das Ende der Flüchtlingsbewegungen, konzentrieren.
UNHCR warnt vor Folgen ungleicher Finanzierung humanitärer Krisen wegen Ukraine-Krieg
Angesichts des Ukraine-Kriegs problematisierte Kothe eine ungleiche Finanzierung von humanitären Krisen. Die Hilfe für die Ukraine sei wichtig. Es handele sich allerdings um die weltweit noch am besten finanzierte humanitäre Operation. Europa sei allerdings von einem Krisengürtel umgeben, was oft vergessen werde: die Sahelzone, der Mittlere Osten und die Ukraine. Überall gebe es Vertreibung. Mit rund zwölf Millionen Vertriebenen sei indes der Sudan die größte Vertreibungskrise der Welt. Thote forderte, den Sicherheitsbegriff deshalb zu erweitern. Nachbarschaft greife nicht mehr nur für das unmittelbare Umfeld. Die Distanzen nach Europa seien letztlich nicht so groß, wie sie zunächst erschienen.
Diese Nachricht wurde am 22.12.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
