Donnerstag, 01.10.2020
 
Seit 02:10 Uhr Zur Diskussion
StartseiteNachrichten vertieftArme Kinder in reichen Ländern28.10.2014

Unicef-BerichtArme Kinder in reichen Ländern

Kinder in Industriestaaten leiden massiv unter den Folgen der Finanzkrise. Laut einer Studie des Hilfswerks Unicef sind seit 2008 mindestens 2,6 Millionen Kinder unter die Armutsgrenze gerutscht. In Deutschland ging die Kinderarmut der Studie zufolge zurück - zumindest etwas.

Kinder und Jugendliche essen in der Kinderküche in Hildesheim. (dpa / picture-alliance / Jochen Lübke)
Durch die weltweite Finanzkrise geraten immer mehr Kinder in Industrieländern in Armut. (dpa / picture-alliance / Jochen Lübke)
Weiterführende Informationen

Jedes siebte Kind ist arm (Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 25.09.2012)Jedes siebte Kind ist arm

Unicef-Report 2014: Ausgrenzung und Armut als größte Gefahr für Kinder (Deutschlandfunk, Informationen am Mittag, 25.06.2014)

Die Zahl der in Armut lebenden Kinder in Industrieländern sei auf 76,5 Millionen angestiegen, heißt es in der Studie "Kinder der Rezession". In vielen betroffenen Ländern sei das durchschnittliche Haushaltseinkommen stark zurückgegangen, erklärte Jeffrey O'Malley von Unicef. Darunter leide vor allem der Familiennachwuchs.

Für die Studie untersuchten Wissenschaftler die Situation von Kindern in insgesamt 41 Staaten der Europäischen Union und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OSZE). 

Armut direkt auf die Finanzkrise zurückzuführen

In 23 der 41 Länder sei der Anstieg der Kinderarmut direkt auf die Finanzkrise zurückzuführen, schreiben die Autoren der Studie. In 18 Staaten sei die Kinderarmut dagegen zurückgegangen, zum Teil sogar deutlich: Australien, Chile, Finnland, Norwegen, Polen und die Slowakei verzeichnen einen Rückgang um rund 30 Prozent. In Deutschland ging die Kinderarmut der Studie zufolge zwischen 2008 und 2012 hingegen nur um 1,3 Prozent zurück.

Die besonders von der Finanzkrise betroffenen Staaten haben den größten Anstieg von Kinderarmut zu verzeichnen. Das gilt für die südeuropäischen Länder Griechenland, Italien, Spanien und Kroatien, die drei Baltenstaaten Estland, Lettland und Litauen und für die von Rezession betroffenen Staaten Irland, Island und Luxemburg.

Vor allem Mittelmeer-Region betroffen

In Griechenland, das infolge der Finanzkrise mit internationaler Hilfe vor dem Staatsbankrott gerettet wurde, wurde das mittlere Einkommen von Haushalten mit Kindern bis 2012 auf das Niveau von 1998 zurückgeworfen. In Irland und Spanien wurde das Einkommen um zehn Jahre zurückgeworfen, ebenso in Luxemburg, einem der reichsten Länder Europas. 

Unicef zufolge wurden zu Beginn der Finanzkrise in einigen Ländern zunächst negative Auswirkungen für Kinder abgewehrt. Doch die seit 2010 in vielen Ländern eingeleiteten Haushaltskürzungen hätten die Situation verschlechtert, vor allem in der Mittelmeer-Region, kritisierte die Organisation. "Die Unicef-Untersuchung zeigt, dass der Umfang der sozialpolitischen Vorkehrungen ein entscheidender Faktor der Armutsvorbeugung war", erklärte O'Malley. "Alle Staaten brauchen starke soziale Netze, um Kinder in guten wie in schlechten Zeiten zu schützen." 

(tzi/dk)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk