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Unicef-Bericht
Flüchtlingskinder werden in Deutschland benachteiligt

Das Kinderhilfswerk Unicef prangert eine Benachteiligung von Flüchtlingskindern in Deutschland an. Anders als bei gleichaltrigen deutschen Kindern würden ihre Rechte auf Schutz, medizinische Versorgung und Bildung häufig nur eingeschränkt oder gar nicht gewahrt, kritisiert Unicef in einem neuen Bericht. Nicht jedes Flüchtlingskind werde gleich behandelt.

21.06.2016
    Ein Flüchtlingsjunge spielt im Kindergarten in der Zentralen Erstaufnahme (ZEA) Neuland in Hamburg Harburg mit gespendeten Spielsachen.
    Ein Flüchtlingsjunge spielt in einer Erstaufnahme-Einrichtung in Hamburg Harburg mit gespendeten Spielsachen. (picture alliance / dpa / Christian Charisius)
    Flüchtlingskinder in Deutschland leiden nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks Unicef unter einer zunehmenden Benachteiligung. Geflüchtete Kinder und Jugendliche lebten über immer längere Zeiträume in einem nicht kindgerechten Umfeld, erklärte die Organisation in einem in Köln veröffentlichten Bericht. Ihre Rechte auf Schutz, Teilhabe, gesundheitliche Versorgung und Bildung würden oft monatelang nur eingeschränkt oder gar nicht gewahrt.
    Unterschiede zwischen Herkunftsland
    "Gleichzeitig wächst auch innerhalb der Gruppe der Flüchtlingskinder die Ungleichbehandlung - je nach Herkunftsland und angenommener Bleibeperspektive", hieß es weiter. Der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider, sagte: "Alle Kinder haben die gleichen Rechte - ganz egal woher sie kommen, welcher Gemeinschaft sie angehören und welchen Aufenthaltsstatus sie haben." Flüchtlingskinder hätten oft Angst und brutale Gewalt erfahren. Sie bräuchten besonderen Schutz und besondere Fürsorge.
    Die bereits 2014 festgestellte starke Benachteiligung von Flüchtlingskindern und Defizite bei der Umsetzung ihrer Rechte in Deutschland hätten sich nochmals verschärft, erklärte das Hilfswerk. Anlass zur Sorge gebe vor allem der deutlich verlängerte Aufenthalt von Kindern und Jugendlichen in Not- und Erstaufnahmeeinrichtungen. Dort seien die sanitären Bedingungen und die gesundheitliche Versorgung einschließlich psychosozialer Hilfe oftmals unzureichend.
    Integrationschancen verschlechtern sich
    Privatsphäre und Rückzugsräume gebe es kaum. Vielerorts fehlten auch Schutzkonzepte und Maßnahmen zur Vorbeugung von Gewalt gegen Frauen und Kinder, ebenso wie strukturierte Spiel- und Lernangebote.
    Mit der langen Verweildauer in den Einrichtungen verzögere sich meist auch die Integration der Kinder in Schulen und Kindergärten, hieß es weiter. Zudem würden besonders schutzbedürftige Personen wie Kinder und Jugendliche, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen oder schwangere Frauen unter Geflüchteten nicht systematisch identifiziert. Auch im Asylverfahren werde das Kindeswohl nicht ausreichend berücksichtigt, kritisierte Unicef.
    (fwa/jasi)