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StartseiteHintergrund"Unsere besten Kunden sind die Taliban"16.10.2008

"Unsere besten Kunden sind die Taliban"

Eine ernüchternde Bilanz des offiziell erfolgreichen deutschen ISAF-Einsatzes

Gerade hat der Deutsche Bundestag die Verlängerung des ISAF-Mandats der Bundeswehr beschlossen, inklusive einer flexiblen Truppenaufstockung von bis zu 1000 zusätzlichen Soldaten. Die bisherigen Wiederaufbaubemühungen unter militärischer Absicherung aber zeigen wenig Wirkung - bilanziert das renommierte Institute for War and Peace Reporting.

Von Marc Thörner

ISAF-Soldaten der Bundeswehr patrouillieren  in der Nähe von Feisabad,  Nordafghanistan. (AP)
ISAF-Soldaten der Bundeswehr patrouillieren in der Nähe von Feisabad, Nordafghanistan. (AP)

"Sämtliche Nordprovinzen sind opiumfrei. Und das sind jene, in denen es bis dato eine Menge Rauschgift gab. Wie Badakshan - von jeher wurde dort Schlafmohn angebaut. Jetzt ist davon nichts mehr übrig. Das zeigt Ihnen, wie gut unsere Sicherheitskräfte arbeiten, das zeigt Ihnen das Ausmaß der Rechtssicherheit. Im Namen des afghanischen Innenministeriums danke ich der deutschen Polizei und der deutschen Regierung für ihre Hilfe."

Für Sumarai Bashiri, den Sprecher des afghanischen Innenministers, sind die bisherigen Konzepte gegen die Drogenwirtschaft genau die richtigen. Deshalb, so meint er, sei es wichtig den Kurs zu halten. Auch die Bundesregierung stellt in einem Informationsfilm, in dem sie ihr Afghanistan-Konzept vorstellt, die Anstrengungen heraus, die sie bei der Drogenbekämpfung an den Tag legt:

"Deutschland finanziert ein Straßentheater, das durchs ganze Land zieht und 10 000 Menschen erreicht. Prominente Schauspieler erzählen in drastischer Manier, welches Elend der Mohnanbau den Bauern eines kleinen Dorfes bringt."

"Im Westen und insbesondere im Süden, wo die Sicherheitslage weiter angespannt ist und Aufständische und Drogenbarone - oft Hand in Hand! - ihr Unwesen treiben, hat der (Mohn)anbau noch zugenommen."

... heißt es in der Broschüre 'Frieden und Entwicklung in Afghanistan - Sicherheit für uns', die vom Bundespresseamt herausgegeben wurde. Und weiter:

"Die Provinzen des Nordens und des Zentrums sind weit weniger vom Opiumanbau betroffen, teilweise inzwischen sogar opiumfrei."

Der Opiumanbau in Nordafghanistan ist also weitgehend gestoppt. So der Sprecher des afghanischen Innenministers und auch die deutsche Regierung. Was sie nicht sagen, was indes ein junger, afghanischer Journalist im Auftrag seines Arbeitgebers, der renommierten und unabhängigen Nachrichtenagentur "Institute for War and Peace Reporting" recherchiert hat: Das Gebiet, das dem deutschen Regionalkommando untersteht, hat sich inzwischen zur größten Drehscheibe des Opium- und Waffenschmuggels entwickelt. Und das gilt insbesondere für Badakshan - laut afghanischem Innenministerium ist das die Provinz, in der vorbildlich gegen die Drogen angegangen wurde.

Wichtigster Umschlagplatz für diesen Handel ist der Panj-Basar an der afghanisch-tadschikischen Grenze. Auf einer Insel im Panj-Fluss sind Mauern um ein etwa zwei Quadratkilometer großes Gelände gezogen. Das eine Tor bewachen afghanische, das andere tadschikische Grenzpolizisten. Dazwischen haben Händler ihre Waren ausgebreitet:

Bunte Teppiche, traditionelle und moderne Kleidung, seltenes Obst wie Mangofrüchte - all das ist hier zu sehen.
Zwischen den Kisten und Ständen schlendert Sayed Yaqub Ibrahimi hindurch, der junge Journalist vom "Institute for War and Peace Reporting" - so lange, bis er seinen Ansprechpartner erspäht hat: einen älteren afghanischen Händler, der nicht mit Teppichen und auch nicht mit Obst handelt. Sondern mit der Ware, die den Basar zur internationalen Anlaufstelle für die ganz besonderen Geschäfte macht:

"Wir tauschen Waffen gegen Heroin. Ein Kilo afghanisches Heroin gegen zehn moderne russische Kalaschnikow-Gewehre, das ist der aktuelle Preis. Die Waffen, die wir hier erhandeln, verkaufen wir anschließend an Abnehmer aus Südafghanistan, aus der Helmand-Provinz oder aus Kandahar, entweder gegen Bargeld oder gegen neues Heroin."

"Um wen genau handelt es sich bei den Käufern?" Fragt der Journalist Yaqub Ibrahimi den Kaufmann. Und berichtet, dass er diese Antwort bekam:

"Unsere besten Kunden sind die Taliban. Eigentlich liegt der Normalpreis bei zehn Gewehren für ein Kilo Heroin. Aber die Taliban geben uns ein Kilo Heroin für nur fünf oder sechs Gewehre. Auch Schmuggler kommen zu uns. Die Gewehre, die sie hier bekommen, bringen sie über die Grenze nach Pakistan, zum Landi Kotal Markt am Khyber-Pass in Pakistan. Dort verkaufen sie die Waffen an die al Kaida. Oder an andere radikale Organisationen in Palästina oder Kaschmir."

Mit Beginn der ISAF-Mission ist die afghanische Opiumwirtschaft im Aufschwung.
Afghanistans Anteil am weltweiten Heroinmarkt beläuft sich heute auf 90 Prozent. Der Anteil der Heroinwirtschaft am afghanischen Bruttosozialprodukt liegt bei mehr als 50 Prozent.
Angefangen hat der Kampf gegen das Rauschgift schon vor Jahren.

Ein Rückblick. Oktober 2006: In dem Jahr, in dem die Opiumernte im Norden alle Rekorde bricht, steht Karen Malzahn vor einer Karte. Im PRT, dem "Provinzwiederaufbauzentrum" von Mazar-e-Sharif, skizziert die Diplomatin vom US-Außenministerium das Programm, das die afghanische Regierung und die zivilmilitärischen Aufbauhelfer gemeinsam verfolgen:

"Wir arbeiten an einem Programm zur Entwicklung alternativer Lebensgrundlagen. Wir versuchen, die Bauern zu überzeugen, dass es keine gute Idee ist, Opium anzubauen und dass es viele andere Möglichkeiten gibt, seien es neue Arbeitsplätze, sei es die Aussaat anderer Produkte, sei es ein verbessertes Straßennetz, mit dem man schneller andere Produkte zu einem Markt befördern kann. Um die Bevölkerung aufzuklären, ist es außerordentlich wichtig, mit den örtlichen Stammesältesten oder Mullahs zusammenzuarbeiten."

Wird es gelingen, den Bauern den Opiumanbau auszureden? Die Diplomatin zeigt sich optimistisch und begründet, warum sie an den Erfolg der Unternehmung glaubt:

"... vor allem deshalb, weil die einfachen Bauern dadurch sowieso nicht reich werden. Den Löwenanteil des Geldes schöpfen die Zwischenhändler und die Schmuggler ab."

Um der Kampagne zu durchschlagendem Erfolg zu verhelfen, will das PRT von Mazar-e-Sharif vor allem auf einen Partner setzen: den örtlichen Gouverneur.

"Gouverneur Ata hat sich sowohl in der Presse, wie auch in den lokalen Ältesten-Räten dafür eingesetzt, in diesem Jahr kein Opium anzubauen. Er tut sein Bestes, eine Provinz aufzubauen, in der die Dinge funktionieren."

Doch wer ist dieser Mohammed Ata Nur, der als Gouverneur seit 2004 die Geschicke im Norden bestimmt?
In einer Studie über das Aufbaukonzept im afghanischen Norden schreibt die österreichische Landesverteidigungsakademie, ein "think tank" des Verteidigungsministeriums:

"Als Mazar-i Sharif 2004 einen Polizeikommandanten aus Kandahar zugeteilt bekam, der den Warlord Nur Ata Mohammad des Drogenschmuggels beschuldigte, ließ dieser das Haus des Polizeichefs belagern. Das PRT betätigte sich als Mediator und konnte einen Konsens erreichen, der sowohl die Interessen der Streitparteien als auch die Kabuls wahrte: Der 'fremde' Polizeichef blieb und hielt sich für ein Jahr, Ata wurde Gouverneur der Provinz Balkh und legte seine Ansprüche auf den Militärkommandanten der Provinz zurück."

Seitdem er mit dem Posten des Gouverneurs abgefunden wurde, steht Atas Miliz Gewehr bei Fuß und belagert keine Häuser mehr. Sein Auftreten und sein Erscheinungsbild hat er inzwischen verändert. Von einem, der des Drogenhandels verschrien war, ist er aufgestiegen zum engagierten Drogenfahnder. Aber in der Einbindung von Milizenführern wie Ata liege ein Kernproblem, so meinen die österreichischen Militäranalytiker.

"Die (deutsch geführten) Provinzwiederaufbauzentren versuchten von Anfang an, bei den lokalen Warlords Akzeptanz durch Diplomatie zu erreichen. Daher müssen sie sich oft als 'Geiseln' der Warlords bezeichnen lassen. Sie werden von den Warlords geduldet, solange diese in aller Ruhe die Erträge aus dem Drogenanbau abschöpfen können. Bis jetzt wurde kein Ausweg aus dieser 'Akzeptanzfalle' gefunden."

Drogenbekämpfung also mithilfe derjenigen, die vom Drogenhandel profitieren? Der junge afghanische Journalist Yaqoub Ibrahimi vom "Institute for War and Peace Reporting" bestätigt diese Analyse.

Für den Händler auf dem Panj-Markt gehört die Zusammenarbeit mit
Behördenvertretern zum Alltag.

"Ich war früher selbst ein Warlord. Aus dieser Zeit habe ich noch Verbindungen. Wir verfügen über Freunde in den örtlichen Behörden, auch in der afghanischen Regierung. Vom Gewinn bekommt jeder seinen Teil ab. Beim Tauschgeschäft von Heroin gegen Waffen ist eine unglaubliche Menge Geld zu machen. Besonders, wenn die arabischen Zwischenhändler auf unserem Markt auftauchen. Dann schnellen die Preise in die Höhe. Ich kenne Leute, die sich von den Erträgen in Dubai oder anderen arabischen Ländern Luxuspaläste gebaut haben."

Laut einer Untersuchung des 'Afghanistan Studies Forum', einer international zusammengesetzten Studiengruppe mit Renommee, zieht sich die Drogenkorruption von den Provinzen bis hinauf in Regierungskreise.

"Der ehemalige Innenminister Ali Jalali berichtete bereits vor zwei Jahren der New York Times, dass 13 Gouverneure und die Brüder von Präsident Karzai in Korruption und Drogenhandel verstrickt seien. Als Karzai von einem Journalisten auf die möglichen Drogengeschäfte seiner Brüder angesprochen wurde, wies er das verärgert zurück und nannte den Ex-Innenminister einen korrupten Lügner."

Auf ihrer jüngsten NATO-Tagung im Oktober haben die USA und Großbritannien jetzt erklärt, militärisch gegen Drogenbarone vorgehen, sie angreifen und ihre Labors vernichten zu wollen. Deutschland verwahrte sich dagegen und beharrte auf seiner bisherigen Position. Die da heißt: Auch weiter sollen deutsche Soldaten afghanischen Sicherheitskräften bei der Drogenbekämpfung nur Hilfestellung leisten. Aus dem Hintergrund - und nur dann, wenn afghanische Stellen sie dazu auffordern. Ein Sanitätsoffizier der Bundeswehr in Mazar-e-Sharif erklärt, warum er sich ein offensives Vorgehen nicht vorstellen kann:

"Wir haben `ne etwas andere Doktrin, wir versuchen hier wirklich Aufbauarbeit zu leisten, wir versuchen uns natürlich weitgehend, was bisher auch gelungen ist, aus Kämpfen rauszuhalten. Der beste Schutz ist, dass wir hier sehr beliebt sind und ich hoffe, dass das auch `ne Weile noch so bleibt und dass wir uns aus diesen Sachen weitestgehend raushalten können."

Yaqub Ibrahimi vom "Institute for War and Peace Reporting" wirft der deutschen Regierung Untätigkeit vor:
Einerseits verhelfe sie den afghanischen Gouverneuren - und mit ihnen auch Warlords - zur Macht. Sobald die Provinzgewaltigen ihre so gewonnene Stellung aber missbrauchten, wiesen die Deutschen jedoch Verantwortung zurück.
Nach der Rückkehr von seiner Recherche über die Drogen- und Waffenschmuggler von Badakshan sitzt Ibrahimi im Gebäude seiner Nachrichtenagentur und bilanziert:

"Leider glaubt die internationale Gemeinschaft immer noch, die Taliban wären die Hauptfeinde der Demokratisierung in Afghanistan; westliche Politiker scheinen sich über die Rolle der Warlords nicht im klaren zu sein. Sie sind in Nordafghanistan weitaus gefährlicher als die Taliban. Und weil die westlichen Politiker nichts gegen sie zu sagen wagen, werden sie mit jedem Tag noch mächtiger. Genau diese alten Mudschaheddin-Führer sind es, die heute zur Drogenmafia von Nordafghanistan aufgestiegen sind."

Auch Niels Annen, Mitglied im SPD-Parteivorstand und im Auswärtigen Ausschuss des deutschen Bundestages, ist gerade von einer Recherche-Reise durch Afghanistan zurückgekommen. Wenn auch mit der entgegengesetzten Schlussfolgerung. Zu einer pragmatischen Haltung sieht er keine Alternative. Und das bedeutet für den Parlamentarier auch: nötigenfalls Zusammenarbeit mit den Warlords, dort wo sie die Ansprechpartner seien. Der Bundeswehr sei es per definitionem nicht möglich, selbst gegen Missstände vorzugehen:

"Unsere Ziele sind klar und die basieren auf einem Mandat der Vereinten Nationen und auf der Zustimmung der afghanischen Regierung, für ein stabiles Umfeld zu sorgen. Das andere Szenario würde ja bedeuten, man versucht, einen Zustand herzustellen, wie die Briten ihn mit Afghanistan ja für eine lange Periode hergestellt hatten, nämlich genau so eine Semi-Souveränität."

Dieser Argumentation mag der afghanische Journalist Yaqub Ibrahimi nicht folgen.
Entweder, so meint er, entweder schickt Deutschland seine Armee als Helfer des dortigen Sicherheitsapparates nach Afghanistan, dann muss es Verantwortung übernehmen. Oder es
möchte diese Verantwortung von vorneherein nicht übernehmen. Dann sollte es auch seine Armee zu Hause lassen. Aber militärisch einen Staat zu stützen, ohne sich dann für dessen Verfehlungen ebenfalls verantwortlich machen zu lassen - das sei der afghanischen Bevölkerung nicht zu vermitteln.

"Sie kontrollieren doch den Norden. Sie sind es doch, die hinter dem afghanischen Sicherheitssystem stehen. Die Deutschen führen doch das Regionalkommando Nord mit neun Provinzen von Badakshan bis Fariab. Alles, was ich recherchiert habe, spielt sich unter den Augen und der Kontrolle der Deutschen ab. Sie unterhalten eine Riesenbasis in Nordafghanistan, ihre Patrouillen kommen bis in abgelegene Gegenden. Sie wissen alles. Ich kann die deutschen Politiker nur bitten: Werden Sie endlich Ihrer Aufgabe gerecht, den Norden Afghanistan sicherer zu machen."

"Ich sehe eine gute Sicherheitslage im Norden, eine gute Unterstützung für Recht und Gesetz, eine gute Unterstützung für unsere Sicherheitskräfte, andernfalls hätten wir diese Provinzen nicht opiumfrei machen können."

Während Sumarai Bashiri, der Sprecher des Innenministers, die Gouverneure in den Nordprovinzen lobt, gehen die gegen unabhängige Journalisten und Kritiker wie Yaqub Ibrahimi vor. Seit Monaten erhält er Drohungen: "Entweder er stelle seine Berichterstattung über den Drogenhandel und andere Menschenrechtsvergehen der Provinzmachthaber ein", heißt es, "oder er werde eine unliebsame Überraschung erleben!"
Bereits im Oktober 2007 schlug der afghanische Staatssicherheitsdienst in Mazar-e-Sharif zu. Ibrahimis Bruder Pervez, der an der dortigen Universität Journalismus studierte, wurde verhaftet, angeklagt und wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt. Sein Delikt: Der 23-jährige Student hatte den Artikel eines iranischen Autors aus dem Internet heruntergeladen, ausgedruckt und zwecks Diskussion im Seminar verteilt. In dem Artikel wurde der Prophet Mohammed wegen seiner Haltung gegenüber Frauen kritisiert. Seit einem Jahr nun sitzt Pervez im Gefängnis und wartet vergeblich auf die Wiederaufnahme eines Berufungsverfahrens.

"Es gibt einflussreiche Seilschaften und Figuren in Nordafghanistan. Diese Leute können keinen unabhängigen Journalismus ertragen, sie setzen unabhängige Journalisten unter Druck, sie wollen ihre Verbrechen von damals unter den Teppich kehren. Ich habe verschiedene Drohungen bekommen. Per Telefon. Und dann haben Warlords ihre bewaffneten Milizionäre in mein Büro und mein Haus geschickt und mich auffordern lassen, mit meinen Artikeln gegen Warlords Schluss zu machen. Dieser Druck geht tagtäglich weiter und auch die Verhaftung meines Bruders ist ein Teil dieser Repressalien."

"Es steht mir nicht an, diesen Fall zu kommentieren. Ich kann nur soviel sagen: Wir stimmen völlig mit den Handlungen der Provinzregierung und deren Repräsentanten im Norden überein, seien es die Gouverneure oder die Polizeichefs. Wir haben mit ihnen keine Probleme, sie setzen die Anweisungen der Zentralregierung, insbesondere des Innenministeriums, um. Sie tun das entschlossen, und sie haben dabei unsere volle Unterstützung."

Handelt es sich also um politische Justiz?
Niels Annen, für die SPD im Auswärtigen Ausschuss des deutschen Bundestages verweist auf jahrhundertealte afghanische Traditionen, auf die "andere" afghanische Gedankenwelt, auf den Islam; auf die Scharia ...

"Manchmal wird überlesen, dass in der afghanischen Verfassung steht: es ist eine islamische Republik und alles, was dort vom Gesetz her nicht geregelt ist, orientiert sich nach den Vorgaben der Scharia. Das ist nachzulesen, das hat jeder gewusst und deshalb sollte der eine oder andere jetzt nicht so überrascht tun."

Und so werden alle Beteiligten wohl fortfahren, das zu tun, was sie bis jetzt getan haben. Deutschland wird weiter Straßentheater in Afghanistan finanzieren und die Erfolge bei der Drogenbekämpfung herausstellen.

"Am Ende erscheint "Koksha", die personifizierte Droge und will zeigen, wie mächtig sie ist. Sie habe Macht über Menschen, ja sogar Regierungen. Doch am Ende halten die Bauern zusammen, überwältigen gemeinsam die Droge."

Die Drogenschmuggler werden vom deutschen Regionalkommando aus, im Norden Afghanistans, weiter ihr Heroin in die ganze Welt schmuggeln; die Taliban werden hier weiter Heroin gegen Waffen eintauschen; Bewaffnete werden weiter das Büro des Journalisten Yaqub Ibrahimi heimsuchen. Sein Bruder wird weiter wegen Gotteslästerung im Gefängnis sitzen. Und Niels Annen wird weiter über die "andere" afghanische Gedankenwelt sprechen und sich für die Zusammenarbeit mit den afghanischen Provinzmachthabern aussprechen.

"Weil die örtlichen Ansprechpartner, auch der Gouverneur beispielsweise von Mazar-e-Sharif, der Provinz Balkh, jemand ist, der sicherlich ein zuverlässiger Gesprächspartner für die deutsche Politik insgesamt ist, der auch in seiner Provinz für afghanische Verhältnisse für Ruhe und Ordnung sorgt, aber auch ein Mudschaheddin-Führer, ein Warlord, der sicher nicht nur eine weiße Weste hat. Also westeuropäische Maßstäbe darf man in Afghanistan sicherlich nicht anwenden ... Aber mit diesem Problem sind Sie in Afghanistan überall konfrontiert ..."

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