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StartseiteSport am WochenendeRattenrennen in der 3. Liga07.07.2019

Unterhaching und der BörsengangRattenrennen in der 3. Liga

Mehr als 20 Jahre nach Borussia Dortmund plant die SpVgg Unterhaching als zweiter Fußballverein einen Börsengang. "Was spannend sein könnte, ist natürlich die Spieler konkret mit ins Boot zu holen als Investoren", sagte der Sportökonom Daniel Weimar dazu im Deutschlandfunk.

Daniel Weimar im Gespräch mit Jessica Sturmberg

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Das Logo der SpVgg Unterhaching auf einer Eckfahne (www.imago-images.de)
Das Insolvenzrisiko ist am höchsten in der dritten Fußball-Bundesliga. (www.imago-images.de)
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In der Abwägung ob ein Börsengang sinnvoll ist, erklärte Sportökonom Daniel Weimar, dass einerseits Partizipationsmodelle denkbar sind, etwa "die Spieler konkret mit ins Boot zu holen als Investoren, so dass die einen Anreiz haben, dem Club sportlich verbunden zu bleiben." Andererseits binde Eigenkapital durch die Verwaltung langfristig Ressourcen in der vom Verein ausgegliederten Kapitalgesellschaft.

Zudem müsse auf die Fristenkongruenz geschaut werden, die bedeuten, dass langfristig generierte Mittel auch in langfristige Investitionen wie Stadien gesteckt werden sollten. Spielerkäufe seien dagegen kurz- bis mittelfristige Investitionen. Allerdings sei strukturell das Problem der dritten Liga, dass es sich mittlerweile zu einem "Rattenrennen" ausgewachsen habe. Viele Investoren würden in diverse Traditionsclubs investieren, und sich hierbei "in Stellung bringen für das Fallen der 50:1-Regel". Diese gewährleistet bislang, dass Investoren in der Regel nicht die Mehrheit an einem Verein einnehmen können.

Insolvenzrisiko in der 3. Liga am höchsten

Das erhöhe zusätzlich den Druck auf alle andere Vereine. Das hohe finanzielle Risiko in der Dritten Liga sei sogar wissenschaftlich belegt: "In einer Studie über Insolvenzen im deutschen Fußball haben wir auch gesehen, dass das Insolvenzrisiko in der Dritten Liga am höchsten ist." Auf- und Abstiege führten zu ad hoc veränderten Finanzsituationen in den Vereinen, weil zum Beispiel bei einem Abstieg aus der Zweiten Liga die Einnahmen aus den Fernsehrechten rapide sinken würden, "wobei die Kosten für Spielbetrieb nahezu konstant bleiben." Kleinere Vereine wären im Vorteil im Vergleich zu Traditionsvereinen wie dem 1. FC Kaiserslautern, Alemannia Aachen oder 1860 München, weil sie nicht die Fixkosten hätten mit bereits vorhandenen Strukturen mit beispielweise Jugendleistungszentren von Traditionsvereinen.  

Der DFB könne aus Sicht von Sportökonom Weimar wenig dagegen tun, weil "auch wenn der Verband die Anforderungen an die Nachwuchs-Leistungszentren oder an die Stadion senken würde", würde das wohl wenig ändern. Denn "es würde so sein, dass man Kapital freisetzt, weil Anforderungen sinken, dann wird eins passieren: das freigewordene Kapital wird wieder in die Spieler investiert […] und somit bleibt das Finanzierungsproblem immer bestehen." Einziger Ausweg wären geschlossene Ligen nach amerikanischem Vorbild, weil so mehr Planungssicherheit für die Vereine herrsche, weil sie nicht absteigen könnten.      

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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