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StartseiteCampus & KarriereSchulstart ist ein "bundesweiter Flickenteppich"23.04.2020

Unterricht in Corona-ZeitenSchulstart ist ein "bundesweiter Flickenteppich"

Trotz Coronakrise startet in Deutschland an vielen Schulen wieder der Unterricht. Zwar gibt es einen von Bund und Ländern vereinbarten Rahmen zur Rückkehr ins Klassenzimmer, bundesweit einheitliche Regelungen gebe es aber keine, erklärte Matthis Jungblut aus der Dlf-Bildungsredaktion.

Matthis Jungblut im Gespräch mit Sebastian Wellendorf

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Ein leeres Klassenzimmer mit grünen Stühlen und einer Tafel, auf der steht: "Welcome Back From Corona Lockdown"- (imago images/Michael Weber)
Unterschiedliche Termine für Abschlussprüfungen und Ferienbeginn sorgen für einen uneinheitlichen Umgang mit dem Unterricht in der Coronakrise (imago images/Michael Weber)
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  • Für wen beginnt heute die Schule?

Neben den Abiturienten beginnt auch für andere Abschlussklassen in Nordrhein-Westfalen wieder der Unterricht. Interessant dabei sei, so Jungblut: Für Schüler der Abschlussklassen an Hauptschulen, Realschulen und Förderschulen, aber auch an den Berufsschulen und den Zehner-Klassen an Gesamtschulen gilt eine Präsenzpflicht. Die haben die Abiturienten in Nordrhein-Westfalen nicht.

In der öffentlichen Diskussion hat sich viel um Nordrhein-Westfalen gedreht, wenn man die Sache aber bundesweit betrachtet, war Sachsen in Sachen Schulöffnung noch etwas früher dran: Da gingen am Montag die Prüfungsvorbereitungen für die Abiturienten los. Gestern folgten dann die anderen Abschlussjahrgänge.

Und auch in Sachsen-Anhalt beginnen die Abschlussklassen heute (24. April) mit dem Unterricht. In Bayern hingegen, so Jungblut, beginnt der Unterricht erst wieder am 11. Mai. Der Großteil der Länder liege dazwischen und öffne die Schulen wieder ab dem 27. April.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Alle Beiträge zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Generell gilt aber: Die Schulöffnungen in dieser und in der nächsten Woche beziehen sich nur auf die Abschlussklassen. Alle anderen Schüler sollen dann ab dem 4. Mai wieder zum Unterricht kommen. 

Warum konnten sich die Bundesländer nicht auf eine gemeinsame Linie für die Abschlussklassen einigen?

Das liegt in erster Linie an den unterschiedlichen Abitur-Terminen und den Sommerferien, die ja in allen Bundesländern unterschiedlich beginnen. Viele Länder wie Berlin, Niedersachsen und Baden-Württemberg haben schon in dieser Woche mit den Abiturprüfungen begonnen. In Bayern ist der erste Termin aber erst am 20. Mai. Auch bei den Ferien ist Bayern in diesem Jahr sehr spät dran – da geht es am 27. Juli los.

In Nordrhein-Westfalen beginnen die Ferien schon einen Monat früher – Ende Juni. Deswegen war hier der Druck etwas größer, die Abiturienten wieder in die Schule zu lassen.

Aber – und jetzt sieht man den föderalen Flickenteppich: Wenn man sich Baden-Württemberg anschaut, da starten die Sommerferien am 30. Juli – also sogar noch nach Bayern. Aber die Schule geht wieder am 4. Mai los. Also eine Woche früher als in Bayern. Man sieht also: Welches Bundesland in welcher Form wiederbeginnt ist ziemlich unübersichtlich, nicht immer ganz logisch nachzuvollziehen und offenbar auch eine politische Sache. Es bewegen sich zwar alle Bundesländer im Rahmen der Vereinbarungen, aber, wie wir ja heute gehört haben: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat schon kritisiert, dass einige Bundesländer sehr früh lockern – und das gilt eben auch für die Schulen.

  (dpa/Wolfgang Kumm)Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek (CDU) (dpa/Wolfgang Kumm)Bundesbildungsministerin Karliczek (CDU) - "Kombination aus Präsenz- und Onlineunterricht schaffen"
Für die Online-Beschulung von Schülerinnen und Schülern habe man 100 Millionen Euro aus dem Digitalpakt zur Verfügung gestellt, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) im Dlf.

Welche Position vertreten Schülerinnen und Schüler?

Es gibt mittlerweile einen größeren Protest gegen den Schulstart. Unter dem Hashtag Schulboykott. Wir haben es ja gerade in dem Beitrag gehört, dass die Schulen und Lehrer auf sich alleine gestellt sind und müssen kreativ werden – was Bereitstellung von Masken, Desinfektionsmittel und so weiter angeht. Da wird also mangelnde Unterstützung seitens der Politik kritisiert.

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Ein weiterer Kritikpunkt vieler Schüler ist: Warum sind im öffentlichen Leben Zusammenkünfte von mehr als drei Leute verboten, aber in einem Klassenraum können 15 Schüler sitzen. Fridays for Future hat zum Beispiel für morgen zum Schulboykott aufgerufen. Damit soll dann gegen die Klimakrise und die Schulpläne der nordrhein-westfälischen Landesregierung gleichzeitig gekämpft werden.

Ein anderer Kritikpunkt: Was passiert jetzt mit dem Abitur? Die Landesschülervertretung in Nordrhein-Westfalen fordert zum Beispiel die Möglichkeit zum "Durchschnittsabitur" – also, dass man eine Note aus den bisher geleisteten Prüfungen berechnet. Mit der Begründung: Kein Schüler dürfe wegen des Unterrichtsausfalls und des sich verändernden Schulbetriebs einen Nachteil erleiden. Ähnlich wie die Frage nach der automatischen Versetzung – über die ja auch in den vergangenen Tagen diskutiert wurde.

Aber gerade diese Forderung nach dem Durchschnittsabitur ist ja schon ein paar Wochen auf dem Tisch. Sie wird übrigens längst nicht von allen Landesschülervertretungen geteilt. Man darf da also nicht den Eindruck gewinnen, die Schülerinnen und Schüler sprechen da mit einer Stimme. Die Forderung aber gibt es – nur um ehrlich zu sein: Bislang deutet doch sehr wenig darauf hin, dass die Politik – ob in NRW oder sonst irgendwo – diesen Vorschlag umsetzt.

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