Seit 1981 gräbt Tim White jedes Jahr aufs Neue in Äthiopien. Die geologischen Schichten in Aramis, rund 230 Kilometer nordöstlich von Addis Abeba, weisen ein Alter von rund 4,4 Millionen Jahren auf. Wenn es Fossilien der frühen Menschen aus dieser Zeit gibt, dann dort. Aber es bedurfte elf Jahre, ehe der Paläoanthropologe von der Universität Berkeley in Kalifornien seinen ersten wichtigen Fund vermelden konnte. 1992 entdeckt sein Team einen Zahn und Armknochen eines bis dahin unbekannten menschlichen Vorfahren. Tim White gab ihm den Namen Ardipithecus ramidus, was soviel heißt wie "Wurzel eines am Boden lebenden Affen." In den darauffolgenden Jahren kamen immer mehr Fossilien ans Tageslicht, darunter auch Reste eines Skeletts. Die detaillierte Analyse der Funde dauerte mehrere Jahre, bis sie heute nun endlich vorgestellt werden konnten.
"Nun, Ardipithecus wird nun zum ersten wirklichen Gesicht in der Geschichte der Evolution des Menschen werden. Bislang wussten wir nicht, wie Urmenschen vor den Australopithecinen, zu denen auch die berühmte Lucy gehört, wirklich ausgesehen haben. Jetzt haben wir mit einem Schlag ein wichtiges Kapitel der Menschheitsgeschichte detailliert beleuchtet. Wir wissen nicht nur, wie diese frühen Menschen ausgesehen haben, sondern auch, wie die Umgebung dort aussah, welche Tiere und Pflanzen es gab. Mit diesen Funden haben wir uns nun sehr nahe an die Stelle herangetastet, an der sich die Vorfahren von heutigen Menschen und Schimpansen getrennt haben und jeder seinen eigenen Weg gegangen ist."
In der Regel stoßen Forscher wie Tim White nur auf winzige fragmentierte Fossilien, mit Glück finden sie auch mal einen Zahn oder Teile des Schädels eines Frühmenschen. Die Entdeckungen eines Skeletts, darunter Hand- und Fußknochen, wichtige Teile des Beckens sowie des Gesichtsschädels ermöglichen erstmals ein Gesamtbild dieses frühen Menschen.
"Ardi ist der Spitzname des Skeletts, von dem wir rund 130 Knochenfragmente entdeckt haben. Dabei handelt es sich um ein weibliches Individuum, das zu Lebzeiten ungefähr 120 Zentimeter groß und 50 Kilogramm schwer gewesen sein dürfte. Ardi konnte zwar schon aufrecht gehen, war aber noch gut an das Leben in Bäumen angepasst. Das Hirnvolumen war nur so groß wie das von Schimpansen. Das alles sind großartige Daten aus einer bisher unbekannten Zeit der menschlichen Evolution."
Anhand der Fußknochen und des Beckens konnte das Team von Tim White detailliert die Fortbewegungsmöglichkeiten rekonstruieren. Die Forscher vermuteten zwar schon, dass dieser Hominide aufrecht gehen konnte, aber niemand konnte beweisen, ob und wie weit fortgeschritten ein permanenter aufrechter Gang vor 4,4 Millionen Jahren existierte.
"Ihr aufrechter Gang war viel primitiver als der von Lucy. Ardi hatte noch flache Füße und einen abgespreizten großen Zeh. Es war also noch kein permanenter aufrechter Gang und das Laufen auf zwei Beinen war vermutlich noch sehr wackelig. Wenn sie ihren Gang heute sehen könnten, würden sie sich direkt fragen: Was stimmt da nicht?"
Der energiesparende und grazile aufrechte Gang entwickelte sich erst später. Erstaunlich sei auch, so Tim White, dass Ardipithecus ein wirklicher Mix aus sogenannten ursprünglichen und modernen Merkmalen ist. Das bedeutet, dass wesentliche "menschliche" Merkmale zwar noch fehlen, viele "äffische" aber nicht - mehr beziehungsweise gar nicht erst vorhanden waren. So zeigen diese Funde auch, dass die an das Klettern in Bäumen optimal angepassten Hände und Füße von Schimpansen erst sehr spät und rasant ihre Spezialisierung entwickelt haben müssen. Ob Ardipithecus tatsächlich als direkter Vorfahre heutiger Menschen in Frage kommt sei immer schwer zu beantworten.
"Das wissen wir noch nicht. Die Möglichkeit, dass auch andere Spezies in unserer direkten Ahnenlinie stehen, können wir nie ausschließen. Erstaunlich ist aber, dass wir aus dieser Zeit vor 4,4 Millionen Jahren sehr viele Individuen gefunden haben, insgesamt 37. Und alle sind zur selben Zeit am selben Ort in Äthiopien herumgelaufen und sie gehören alle zur gleichen Menschenart: Ardipithecus ramidus."
Vermutlich hat sich aus dieser Form irgendwann die Gattung Australopithecus entwickelt zu der auch die berühmte Lucy gehört und daraus ist dann vor rund zwei Millionen Jahren unsere Gattung Homo hervorgegangen. Spekulationen über solche Ahnenlinien seien momentan aber eher zweitrangig, sagt Tim White zum Abschluss. Viel wichtiger sei der große Kenntnisgewinn aus Aramis, das in den vergangen Jahren als Eldorado für Paläoanthropologen erwiesen hat.
"Als wir 1992 mit unserer Arbeit in Aramis begannen, wussten wir nichts über die Zeit vor 4,4 Millionen Jahren. 17 Jahre später kennen wir sämtliche Details: Flora, Fauna und Einzelheiten über die Hominiden, die damals dort gelebt haben. Und gerade weil wir dort so viel gefunden haben, haben wir immer länger und intensiver dort geforscht. Aber nur weil wir jetzt die Daten dieses Mammutprojekts publizieren, heißt das nicht, dass wir fertig sind. Im Januar werden wir weiter ausgraben und überall auf der Welt arbeiten Kollegen in ihren Labors an unseren Funden, die alle aus diesem einmaligen Gebiet in dem wunderbaren Land Äthiopien stammen."
"Nun, Ardipithecus wird nun zum ersten wirklichen Gesicht in der Geschichte der Evolution des Menschen werden. Bislang wussten wir nicht, wie Urmenschen vor den Australopithecinen, zu denen auch die berühmte Lucy gehört, wirklich ausgesehen haben. Jetzt haben wir mit einem Schlag ein wichtiges Kapitel der Menschheitsgeschichte detailliert beleuchtet. Wir wissen nicht nur, wie diese frühen Menschen ausgesehen haben, sondern auch, wie die Umgebung dort aussah, welche Tiere und Pflanzen es gab. Mit diesen Funden haben wir uns nun sehr nahe an die Stelle herangetastet, an der sich die Vorfahren von heutigen Menschen und Schimpansen getrennt haben und jeder seinen eigenen Weg gegangen ist."
In der Regel stoßen Forscher wie Tim White nur auf winzige fragmentierte Fossilien, mit Glück finden sie auch mal einen Zahn oder Teile des Schädels eines Frühmenschen. Die Entdeckungen eines Skeletts, darunter Hand- und Fußknochen, wichtige Teile des Beckens sowie des Gesichtsschädels ermöglichen erstmals ein Gesamtbild dieses frühen Menschen.
"Ardi ist der Spitzname des Skeletts, von dem wir rund 130 Knochenfragmente entdeckt haben. Dabei handelt es sich um ein weibliches Individuum, das zu Lebzeiten ungefähr 120 Zentimeter groß und 50 Kilogramm schwer gewesen sein dürfte. Ardi konnte zwar schon aufrecht gehen, war aber noch gut an das Leben in Bäumen angepasst. Das Hirnvolumen war nur so groß wie das von Schimpansen. Das alles sind großartige Daten aus einer bisher unbekannten Zeit der menschlichen Evolution."
Anhand der Fußknochen und des Beckens konnte das Team von Tim White detailliert die Fortbewegungsmöglichkeiten rekonstruieren. Die Forscher vermuteten zwar schon, dass dieser Hominide aufrecht gehen konnte, aber niemand konnte beweisen, ob und wie weit fortgeschritten ein permanenter aufrechter Gang vor 4,4 Millionen Jahren existierte.
"Ihr aufrechter Gang war viel primitiver als der von Lucy. Ardi hatte noch flache Füße und einen abgespreizten großen Zeh. Es war also noch kein permanenter aufrechter Gang und das Laufen auf zwei Beinen war vermutlich noch sehr wackelig. Wenn sie ihren Gang heute sehen könnten, würden sie sich direkt fragen: Was stimmt da nicht?"
Der energiesparende und grazile aufrechte Gang entwickelte sich erst später. Erstaunlich sei auch, so Tim White, dass Ardipithecus ein wirklicher Mix aus sogenannten ursprünglichen und modernen Merkmalen ist. Das bedeutet, dass wesentliche "menschliche" Merkmale zwar noch fehlen, viele "äffische" aber nicht - mehr beziehungsweise gar nicht erst vorhanden waren. So zeigen diese Funde auch, dass die an das Klettern in Bäumen optimal angepassten Hände und Füße von Schimpansen erst sehr spät und rasant ihre Spezialisierung entwickelt haben müssen. Ob Ardipithecus tatsächlich als direkter Vorfahre heutiger Menschen in Frage kommt sei immer schwer zu beantworten.
"Das wissen wir noch nicht. Die Möglichkeit, dass auch andere Spezies in unserer direkten Ahnenlinie stehen, können wir nie ausschließen. Erstaunlich ist aber, dass wir aus dieser Zeit vor 4,4 Millionen Jahren sehr viele Individuen gefunden haben, insgesamt 37. Und alle sind zur selben Zeit am selben Ort in Äthiopien herumgelaufen und sie gehören alle zur gleichen Menschenart: Ardipithecus ramidus."
Vermutlich hat sich aus dieser Form irgendwann die Gattung Australopithecus entwickelt zu der auch die berühmte Lucy gehört und daraus ist dann vor rund zwei Millionen Jahren unsere Gattung Homo hervorgegangen. Spekulationen über solche Ahnenlinien seien momentan aber eher zweitrangig, sagt Tim White zum Abschluss. Viel wichtiger sei der große Kenntnisgewinn aus Aramis, das in den vergangen Jahren als Eldorado für Paläoanthropologen erwiesen hat.
"Als wir 1992 mit unserer Arbeit in Aramis begannen, wussten wir nichts über die Zeit vor 4,4 Millionen Jahren. 17 Jahre später kennen wir sämtliche Details: Flora, Fauna und Einzelheiten über die Hominiden, die damals dort gelebt haben. Und gerade weil wir dort so viel gefunden haben, haben wir immer länger und intensiver dort geforscht. Aber nur weil wir jetzt die Daten dieses Mammutprojekts publizieren, heißt das nicht, dass wir fertig sind. Im Januar werden wir weiter ausgraben und überall auf der Welt arbeiten Kollegen in ihren Labors an unseren Funden, die alle aus diesem einmaligen Gebiet in dem wunderbaren Land Äthiopien stammen."