"Interview der Woche"
US-Beauftragte für Holocaust kritisiert Geschichtsverzerrung

Die Sondergesandte der US-amerikanischen Regierung für Holocaustfragen, Ellen Germain, sieht in der Verzerrung und Verfälschung der Geschichtsdarstellung über die Shoah eine immense Herausforderung. Im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks nannte sie als Beispiel mit künstlicher Intelligenz generierte Fotos und Videos, die Konzentrationslager wie Ferienanlagen aussehen ließen.

    Ein Zaun und ein Wachturm sind an der Gedenkstätte eines Konzentrationslagers zu sehen
    Blick auf die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau (picture alliance / Sven Hoppe)
    Germain erklärte, so werde etwa behauptet, dass die Shoah "gar nicht so schlimm" gewesen sei. Man müsse solchen "Geschichtsrevisionismus" bekämpfen. Ihrer Meinung nach gibt es Tendenzen, die historische Darstellung des Holocaust umzuschreiben, die Verantwortung dafür herunterzuspielen und die Verbrechen des Holocaust auf andere abzuwälzen.

    Befreiung von Konzentrationslagern "amerikanische Spitzenleistung"

    Mit Blick auf das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945, vor 81 Jahren, sagte Germain, die Befreiung Europas und vieler Konzentrationslager sei aus US-Sicht ein "Beispiel für eine amerikanische Spitzenleistung". Mit der Befreiung von Dachau, Mauthausen und anderen Konzentrationslagern hätten die Vereinigten Staaten "das Beste" gezeigt, "was wir als Amerikaner und als Menschen sind", so Germain. Die Sicht auf den Gedenktag am 8. Mai habe sich in den USA auch in der zweiten Amtszeit von Präsident Trump nicht verändert.
    Ihre Aufgabe als US-Sondergesandte für Holocaustfragen sei es, für Holocaust-Überlebende und deren Erben "ein gewisses Maß an Gerechtigkeit zu erreichen". Dazu gehöre auch, sich für die Rückgabe und Entschädigung des Eigentums von Juden einzusetzen, das während des Holocaust enteignet worden sei. Zudem gehe es ihr um "korrekte Gedenk- und Aufklärungsarbeit zum Holocaust" – gegen die Verzerrung und Leugnung der Shoah.

    "Holocaust Education" nicht gescheitert

    Das Konzept der "Holocaust Education", also der Aufklärung über die Shoah, sei trotz des weltweit wachsenden Antisemitismus nicht gescheitert, betonte Germain. Man brauche aber neue Ansätze, vor allem um junge Menschen zu erreichen. Diese bezögen Nachrichten vor allem aus sozialen Medien. Man müsse ihnen den Holocaust deshalb "über Tiktok-Videos, Instagram und Snapchat näherbringen".
    Das ganze Interview der Woche können Sie am Sonntag ab 11:05 Uhr im Deutschlandfunk hören.
    Diese Nachricht wurde am 09.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.