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StartseiteCampus & KarriereTrumps Pläne einer "patriotischen Erziehung" 25.09.2020

US-BildungssystemTrumps Pläne einer "patriotischen Erziehung"

Die Black-Lives Matter-Proteste seien Ergebnis von jahrzehntelanger Indoktrination an den amerikanischen Schulen und Universitäten - so sieht es US-Präsident Donald Trump. Nun will er Abhilfe schaffen und für "patriotische Erziehung" im amerikanischen Bildungssystem sorgen. Von vielen Seiten gibt es Kritik.

Von Thilo Kößler

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Donald Trump nach seiner Rede im National Archives Museum in Washington, D.C. Sein Vize Mike Pence applaudiert (imago images / Zuma Press)
Trump will das "Netz an Lügen" in den amerikanischen Schulen und Klassenzimmern beseitigen (imago images / Zuma Press)
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Es war ein symbolischer Tag - der amerikanische Verfassungstag - und ein symbolischer Ort: Das Nationalarchiv, in dem die amerikanische Nation ihre Erinnerung aufbewahrt. Für Trump der richtige Rahmen, um dem öffentlichen Diskurs über Polizeigewalt und strukturellen Rassismus, über die historische Aufarbeitung der Sklaverei und die Zeit der Rassentrennung seine Sicht der Dinge entgegenzuhalten. Seine Mission sei es, das Erbe des amerikanischen Gründungsmythos hochzuhalten, sagte Trump.

"Großartige Wahrheit" über das Land näherbringen

Deshalb werde er, Trump, dafür sorgen, dass das "Netz an Lügen" in den amerikanischen Schulen und Klassenzimmern beseitigt wird, um den Kindern die "großartige Wahrheit" über das Land näherzubringen.

Donald Trump sieht in dem Anliegen, neben der Geschichte der Weißen auch die Geschichte der Schwarzen in den USA zu würdigen und die dunkle Vergangenheit aufzuarbeiten, den Versuch einer radikalen Bewegung, das "geschätzte und kostbare historische Erbe" der USA zu zerstören.

Das Bild zeigt die amerikanische Flagge, Dossier zur US-Wahl 2020  (picture alliance / Wolfram Steinberg) (picture alliance / Wolfram Steinberg)

Professoren sollen ein "proamerikanisches Curriculum" auflegen 

Donald Trump interpretiert die Proteste der Black-Lives Matter-Bewegung als linkes Aufbegehren - und als Ergebnis von jahrzehntelanger Indoktrination an den amerikanischen Schulen und Universitäten. Donald Trump will deshalb Abhilfe schaffen: Er will für "patriotische Erziehung" im amerikanischen Bildungssystem sorgen.

Dafür hat er eine Kommission ins Leben gerufen, die er Kommission 1776 nannte, nach dem Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Professoren verschiedener Universitäten sollen ein "proamerikanisches Curriculum" auflegen, kündigte Trump an, mit dem die Wahrheit über die amerikanische Geschichte vermittelt werden solle.

Der ehemaligen Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen, Susan Rice, stockte der Atem, als sie die Rede hörte: Sie habe sich an Mao Tse Tung erinnert gefühlt, erklärte sie in einem Fernsehinterview.

Der Politologe Claus Leggewie  (picture alliance) (picture alliance)Trumps patriotische Motive für Geschichtsunterricht-Reform
Trump plant ein Gremium für patriotische Bildung. Politologe Claus Leggewie warnte im Dlf: Es gehe um eine Ausrichtung der Gefühle "auf einen weißen Nationalismus, der autoritär und völkisch ist".

Kein Einfluss, aber Zeichen setzen

Zwar kann der Präsident nicht auf das Bildungssystem und dessen Inhalte Einfluss nehmen - das ist Sache der einzelnen Bundesstaaten. Doch er kann Zeichen setzen - wenn er den staatlichen Institutionen zum Beispiel untersagt, weiterhin Anti-Rassismus-Kurse anzubieten. Und er kann den Ton setzen im gesellschaftlichen Diskurs über den tief verwurzelten strukturellen Rassismus.

Donald Trump erwähnte die 246-jährige Geschichte der Sklaverei ebenso wenig wie die Rassentrennung und den Kampf um Bürgerrechte. Die Rolle dieses dunklen Kapitels in der amerikanischen Geschichte derart herunterzuspielen und die Afroamerikaner insgesamt auf diese Weise auszugrenzen, leiste der gesellschaftlichen Spaltung der USA gefährlich Vorschub, sagt Kevin Gannon. Der Historiker an der Grand View Universität in Des Moines/Iowa, sieht in der Rede Trumps den Versuch, die US-Geschichte "weißzuwaschen", wie er sagt.

Donald Trump stelle in Abrede, dass es auch nur eine Spur von strukturellem Rassismus in den USA gebe - das sei alarmierend, so Kevin Gannon.

Gedankengut eines aggressiven, fast schon militanten Rassismus

Die Rede Donald Trumps müsse aber auch als Botschaft an seine weißen Wähler verstanden werden. Die Programmatik sei durchsetzt von der Ideologie der White Supremacists, der Verfechter der These von der Überlegenheit der Weißen. Trump schüre damit das Gedankengut eines aggressiven, fast schon militanten Rassismus in den Vereinigten Staaten.

Mit seiner Initiative der "patriotischen Erziehung" versuche Donald Trump nun, diese Ideologie offensiv in die Schulen und Universitäten zu tragen. Jeder, der das für gefährlich halte, müsse sich mit aller Kraft dagegen zur Wehr setzen. 

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