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Startseite@mediasresEigener Sender, eigene Wahrheit11.04.2018

US-FernsehenEigener Sender, eigene Wahrheit

Mit einem eigenen TV-Sender kann man auch das eigene Bild prägen - diese Erkenntnis kommt in den USA immer mehr umstrittenen Organisationen, die auf der Suche nach guter Eigen-PR sind. Der Start der Fernsehsender von Scientology und der Waffenlobby NRA könnte da erst der Anfang gewesen sein.

Von Katharina Wilhelm

Das Bild zeigt ein Gebäude von Scientology in Los Angeles / USA. (picture-alliance / dpa / EPA / Paul Buck)
Ein Gebäude von Scientology in Los Angeles (picture-alliance / dpa / EPA / Paul Buck)
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Wer in das Programm von Scientology TV schaltet, gerät in eine Art Endlosschleife. Es beginnt mit dieser Begrüßung von Scientology-Chef David Miscavage: "I am David Miscavige and this is the Scientology Network".

Er steht hell ausgeleuchtet in einer seiner Kirchen. Die Produktion wirkt teuer, auf Hochglanz getrimmt. Dann erklärt der oberste Scientologe auch, was das hier eigentlich soll:

"Lassen sie uns das klarstellen: Wir sind nicht hier um sie zu überzeugen, zu konvertieren, zu predigen. Wir zeigen ihnen nur, wer wir sind."

Schwärmerische Lebensberichte bei Scientology TV

Viele Menschen seien an Scientology interessiert, doch was man über Scientology höre, das stimme oft nicht, so Miscavige. Deswegen sei es an der Zeit gewesen, diese Geschichte selbst zu erzählen. Darauf folgen Lebensberichte von Scientology Mitgliedern, die davon schwärmen, dass die Organisation ihr Leben verändert habe. Und natürlich dreht sich auch eine Dokumentation um das Leben des Gründers, Ron L. Hubbard - einer für Scientologen fast mythischen Figur, der als besonders talentiert, intelligent und begabt dargestellt wird.

"Er ist der jüngste Elite-Pfadfinder der Vereinigten Staaten, war einer der besten Segelflieger des Landes, ein tollkühner Kunstflieger und Erforscher der Luftfahrtgeschichte."

Dann wiederholt sich die Endlosschleife. Große Namen wie Tom Cruise oder John Travolta, die ebenfalls Mitglieder sind, tauchen bisher noch nicht auf.

Die Medienoffensive ist kaum verwunderlich, denn Scientology steht unter Druck. Unter anderem hatte die Schauspielerin und ehemalige Anhängerin Leah Remini die Organisation in einer Dokumentation des sexuellen und psychischen Missbrauchs beschuldigt. In Deutschland gilt Scientology als verfassungsfeindlich.

Seine eigene Wahrheit zu erzählen, weil sie sonst nicht verbreitet würde - das ist die Idee, die hinter dem eigenen TV-Kanal steckt. Scientology ist nicht die einzige Organisation, die so verfährt.

NRA TV – für bewaffnete Kräfte in der Schule

Auch die Waffenlobby NRA hat begonnen, über einen eigenen Kanal zu senden. Es gibt Sendungen für Liebhaber historischer Waffen, aber es geht auch um aktuelle Politik. Die NRA versteht sich als Gegenbewegung zu der ihrer Meinung nach linksgerichteten Berichterstattung der sogenannten "Mainstream-Medien".

Beispielsweise wir bei NRA TV wird sehr kritisch über den "March For Our Lives" berichtet - die Protestbewegung von Schülerinnen und Schülern aus Parkland in Florida, die das dortige Schulmassaker überlebten und nun für strengere Waffengesetze auf die Straße gehen.

"Was wäre gewesen, wenn wir schon vor fünf Jahren bewaffnete Kräfte in jede Schule in den USA gesteckt hätten?", fragt NRA TV beispielsweise. Die Antwort gibt sich der Moderator selbst: Es wäre alles sicherer, Schulschießereien könne man verhindern, wenn nur jeder Lehrer eine Waffe hätte.

Die Argumente der Waffenlobby würden - so die Meinung, die bei NRA TV transportiert wird - nicht repräsentiert in den Zeitungen, Radiosendern oder im Fernsehen in den Vereinigten Staaten.

Eine große PR-Maschinerie

Um TV Sender wie Scientology TV oder NRA TV zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Medienlandschaft der USA. Die ist geprägt von wenigen privatwirtschaftlichen Konzernen, denen viele Sender gehören. Das heißt aber auch weniger Meinungsvielfalt.

Die TV Sender spalten sich eher in linke und rechte Extreme - MSNBC gegen Fox News. Der öffentliche Rundfunk, frei von kommerziellen Interessen, wurde in den USA erst spät etabliert und stützt sich vor allem auf Spenden. Ihm kommt eine sehr viel kleinere Bedeutung zu als in Deutschland.

Das Ziel von Scientology TV ist allerdings auch nicht, zu informieren - außer, über sich selbst. Es ist eine große PR-Maschinerie. Mehrere Millionen Dollar hatte die Organisation in eine eigene Produktionsfirma gesteckt. Wie erfolgreich Scientology TV sein wird, bleibt abzuwarten. Über die Zuschauerzahlen ist bisher noch nichts bekannt.

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