Samstag, 20. August 2022

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US-Popstar Taylor Swift
Fernab der Erregungsmaschine Pop

Ohne große Vorankündigung hat Taylor Swift ihr Album „Folklore“ veröffentlicht. Zwar gebe es keine schnellen Power-Pophymnen, meint unsere Kritikerin. Doch das Album profitiere von einer neuen Unaufgeregtheit und sanften Tönen.

Elissa Hiersemann in Gespräch mit Raphael Smarzoch | 24.07.2020

Die Musikerin Taylor Swift: Miss Americana
Die Musikerin Taylor Swift: Miss Americana (dpa / Everett Collection / Netflix)
Ungewohnt sei beim neuen Album von Taylor Swift nicht nur, dass der Medienrummel im Vorfeld ausgeblieben sei. Taylor Swift hatte ihr achtes Studio-Album nur einen Tag vor Veröffentlichung angekündigt. Neu sei auch, dass es keine temporeichen Power-Pophymnen gebe, sagte die Kritikerin Elissa Hiersemann in Deutschlandfunk. "Wenn man so will, fährt sie auf ‚Folklore‘ mit angezogener Handbremse." Die 16 Songs seien eher Balladen. Swift schlage sanfte Töne an.
Den roten Faden in musikalischer Hinsicht bietet das Klavier. "Es scheint sprichwörtlich ihr Rettungsanker in der Corona-Pandemie zu sein", so Hiersemann. "Es gibt ein Video zum neuen Album, da treibt sie in rauer See und mit ihr ein Klavier, an dem sie sich festhält". Die 30-jährige Swift hatte zuvor bekannt gegeben, dass das Album unter dem Eindruck des Lockdowns entstanden sei.
Textlich bewege sich Taylor Swift zwischen Fakt und Fiktion, so die Kritikerin Elissa Hiersemann. "Es gibt einen Song namens ‚Exile‘ zusammen mit dem Musiker Bon Iver, der sich vordergründig um einen Seitensprung dreht." Man könne den Songtext aber auch so interpretieren, als fühle sich Swift von ihrem Heimatland, den USA, enttäuscht und hintergangen. Sie singt: "You’re not my homeland anymore".
Insgesamt sei das Album "Folklore" eine gelungene Überraschung. "Dieses Album ist im besten Sinne unaufgeregt." Es sei Album fern ab der großen Erregungsmaschinerie des Popzirkus.