Dienstag, 16. August 2022

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US-Republikaner
Diskutieren mit Donald

Der Mann ist ein Phänomen - mit dem man irgendwie umgehen muss: Donald Trump. Bei der ersten TV-Debatte der US-Republikaner nach den Anschlägen von Paris und San Bernardino saß der umstrittene Geschäftsmann wieder genussvoll vor den Kameras. Die anderen Kandidaten versuchten, sich an ihm abzuarbeiten. Und das wird so langsam Zeit: Die Vorwahlen rücken näher.

Von Marcus Pindur | 16.12.2015

    Zu sehen ist ein Fernsehstudio in Las Vegas und mehrere Kandidaten der US-Republikaner an Stehpulten.
    Die Fernsehdebatte der US-Republikaner drehte sich diesmal um Sicherheit und Außenpolitik. (picture-alliance / dpa / Ruth Fremson)
    Donald Trump genoss – wie immer – seinen Auftritt. Um Außen- und Sicherheitspolitik sollte es gehen bei der republikanischen Vorwahldebatte in Las Vegas. Trump hatte bereits im Vorfeld eine ebenso einfache wie diskriminierende Lösung vorgeschlagen. Muslimen müsste generell die Einreise in die USA verweigert werden. Es gehe nicht darum die USA zu isolieren, und es gehe nicht um Religion, sondern um Sicherheit.
    Dann kommt Trump wieder auf den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko zu sprechen, und jeder weiß, wie Donald Trump die Sicherheitsprobleme der USA lösen will. Bei der republikanischen Basis kommt der Immobilienmilliardär mit seinem fremdenfeindlichen Populismus gut an. Der jüngsten Washington Post / ABC-Umfrage zufolge sind 60 Prozent der Republikaner für ein Einreiseverbot gegen Muslime. In der amerikanischen Gesamtbevölkerung ist es allerdings genau umgekehrt: 60 Prozent der Befragten lehnen diesen Kurs ab.
    "Er ist ein Chaoten-Kandidat"
    Doch Trump führt seit Monaten die Umfragen an. Und so müssen sich die anderen Kandidaten an Trump abarbeiten. Jeb Bush ist in den Umfragen abgeschlagen – trotz der ca. 100 Mio Dollar, die seine Kampagne bereits ausgegeben hat. Er musste angreifen. Ohne die Kooperation mit Muslimen und arabischen Ländern sei es nicht möglich, den sogenannten Islamischen Staat zu besiegen, so Bush. Deshalb sei der Vorschlag Trumps, Muslime auszusperren, einfach verrückt.
    "Donald ist vielleicht gut darin, Einzeiler in die Welt zu setzen, aber er ist ein Chaoten-Kandidat und er wäre ein Chaoten-Präsident. Er wäre nicht der Oberste Kommandeur, den wir brauchen, um unser Land sicher zu bewahren."
    Einer der Tea-Party-Lieblinge, der Senator Ted Cruz, will Trump beerben. Er will dessen Wähler abfischen, falls Trump scheitert. Das bedeutete, dass Cruz sich bei seinen Angriffen auf Trump zurückhielt. Er verstehe Trump ja, aber man müsse lediglich die Aufnahme muslimische Flüchtlinge aus Ländern mit IS-Präsenz für drei Jahre aussetzen, so Cruz, der sich gewissermaßen als Trump-light anbot.
    "Die Bodentruppen müssen aus sunnitischen Arabern bestehen"
    Als Kandidat, der eine Brücke zwischen den konservativen und den moderaten Republikanern bauen könnte, gilt mittlerweile der Senator Marco Rubio, mit 44 Jahren der jüngste im Rennen. Er hatte den Vorschlag Trumps als nicht verfassungsgemäß und kontraproduktiv gegeißelt. Man brauche im Kampf gegen den IS die Kooperation sunnitischer Muslime.
    "Die Bodentruppen müssen aus sunnitischen Arabern bestehen. Und wir müssen mehr amerikanische Truppen am Boden stationieren, die ihnen beim Kampf helfen und die Luftschläge besser koordinieren."
    Die Themen Sicherheit und Außenpolitik sind mit den Anschlägen von Paris und San Bernardino bei den republikanischen Wählern weit nach oben gerutscht. Ein Grund, warum der in außenpolitischen Fragen oft überfragte ehemalige Neurochirurg Ben Carson in den Umfragen verloren hat.
    Dem libertären Senator Rand Paul und dem Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, werden allenfalls Achtungserfolge zugetraut. Der Stern der ehemaligen Hewlett-Packard-Managerin Carly Fiorina ist gesunken, die Kampagne des ehemaligen Gouverneurs von Ohio, John Kasich ist nie richtig in den Tritt gekommen.
    Eine völlig ungewöhnliche Vorwahlsaison
    Die Langlebigkeit des Phänomens Trump erstaunt alle politischen Beobachter. Sie ist der Beleg für die Wut eines Teiles der republikanischen Wählerschaft auf ihr eigenes Parteiestablishment. Besonders weiße, männliche Wähler ohne Collegeabschluß fühlen sich im Stich gelassen – eine soziologische Gruppe, die besonders unter den Ausläufern der Wirtschafts- und Finanzkrise in den USA gelitten hat und noch leidet.
    Moderate Republikaner befürchten, dass Trump oder Cruz die Nominierung gewinnen könnten, wenn sich der gemäßigte Flügel der Partei nicht recht bald um einen der ihren schart. Denn in der Präsidentschaftswahl im November nächsten Jahres, so ihre Einschätzung, hätten weder Trump noch Cruz gegen die wahrscheinliche Spitzenkandidatin der Demokraten, Hillary Clinton eine Chance. In einer völlig ungewöhnlichen Vorwahlsaison könnten allerdings auf Republikaner wie Demokraten noch einige Überraschungen zukommen.