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StartseiteKultur heuteDer Maler und die japanische Kunst26.03.2018

Van-Gogh-Ausstellung in AmsterdamDer Maler und die japanische Kunst

Dass sich Van Gogh von japanischer Kunst beeinflussen ließ, ist seit langem bekannt. Eine Ausstellung in Amsterdam untersucht dieses Verhältnis jetzt neu - und schießt dabei manchmal über das Ziel hinaus.

Stefan Koldehoff im Gespräch mit Mascha Drost

Mehrere Personen betrachten im Van-Gogh-Museum bei der Vorbesichtignung der Ausstellung "Van Gogh & Japan" einige Bilder. (dpa-Bildfunk / Jeroen Jumelet)
Die Ausstellung "Van Gogh & Japan" im Amsterdamer Van Gogh Museum (dpa-Bildfunk / Jeroen Jumelet)

Die zartrosa blühenden Obstbäume, der strahlend blaue Himmel, die großen Farbflächen der Felder: Als Vincent van Gogh im Februar 1888 in die Provence kam, fühlte er sich, als wäre er in Japan. In den Jahren, die er zuvor in Paris verbracht hatte, hatte er dort vor allem die flächigen, stark konturierten japanischen Farbholzschnitte kennengelernt. Hunderte von ihnen kaufte er für wenig Geld, um damit sein Zimmer zu dekorieren. Gleichzeitig las er Romane über das fernöstliche Land, das für ihn Ende des 19. Jahrhunderts unerreichbar war.

Wie sich der Maler im südfranzösischen Arles sein eigenes Japan herbeisehnte und herbeimalte, zeigt nun eine Ausstellung im Van Gogh Museum in Amsterdam. "Man spürt die Farbe anders", schrieb er seinem Bruder Theo von dort. Das Thema sei nicht wirklich neu, sagte DLF-Kunstkritiker Stefan Koldehoff dazu. Ausstellungen zum Thema habe es immer wieder gegeben - gerade in Japan selbst. In der aktuellen Präsentation mit rund 60 Gemälden und Zeichnungen sieht er aber einen gelungenen Versuch, neue Fragen zu stellen und andere zu beantworten. Erfreulicherweise habe man sich in Amsterdam nicht auf den direkten Vergleich von Motiven beschränkt, sondern herauszufinden versucht, welche grundsätzliche Inspiration van Gogh aus seinem selbstgemachten Japan-Bild gezogen habe.

Leuchtende Farbflächen, starke Konturen

Bilder mit sehr hohem Horizont etwa, die Konzentration auf den Boden oder filigrane Zeichnungen von Pflanzen oder Insekten, die holzschnittartige Darstellung von Landschaften sowie das helle Licht oder die durch starke Konturen voneinander abgesetzten Farbflächen sind solche formalen Übernahmen aus japanischen Vorbildern. Gelegentlich, so Koldehoff, schieße die Ausstellung allerdings über ihr Ziel hinaus: "Nicht jede diagonale Bildaufteilung muss in japanischer Kunst begründet sein, nicht jeder blaue Arbeitsanzug und jeder gelbe Hut dort sein Vorbild haben. So etwas trugen die provenzalischen Bauern auch." Reizvoll sei die Ausstellung, die noch bis zum 24. Juni zu sehen ist, auch, weil sie zahlreiche selten ausgeliehene Werke aus privaten Sammlungen zeige.

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