
Donald Trump verspricht ein großes Geschäft mit dem Öl in Venezuela: „Unsere großen Ölkonzerne werden viele Milliarden investieren und die marode Infrastruktur reparieren. Dann werden wir Geld machen.“
Doch Experten zweifeln daran. Denn Venezuelas Ölindustrie liegt am Boden. Auch mit milliardenschweren Investitionen kann das südamerikanische Land vor 2030 nicht wieder zu einem großen Exporteur werden, heißt es. Zudem gebe es überhaupt keine große Nachfrage nach dem besonders schwefelhaltigen Öl aus Venezuela.
Statt um ein Geschäft könnte es Trump auch um Geopolitik gehen. Denn das Öl in Venezuela verschafft den USA ein Druckmittel gegen China.
Wieviel Öl liegt in Venezuela?
Venezuela hat die größten Ölreserven der Welt. Über 300 Milliarden Barrel sollen es sein, ein Barrel entspricht 159 Litern. Etwa 17 Prozent der weltweiten Ölreserven liegen in Venezuela.
Trotz der enormen Reserven ist die Ölproduktion mit rund einer Million Barrel pro Tag recht niedrig – vor 20 Jahren wurden noch fast drei Millionen Barrel Öl pro Tag in Venezuela gefördert. Verantwortlich für den Rückgang sind US-Sanktionen, aber auch Missmanagement. Für das Regime des entführten Diktators Nicolás Maduro ist der Export des Öls trotzdem die wichtigste Einnahmequelle.
Wie leicht wird das Öl in Venezuela zu Geld?
Öl ist nicht gleich Öl. Bei einem Großteil der Vorkommen in Venezuela handelt es sich um Schweröl. Das ist zum einen vergleichsweise schwer erreichbar, weil es im Becken des Flusses Orinoco liegt. Zudem ist Schweröl sehr dicht, eigentlich ist es eher Schlamm. Deshalb ist die Förderung aufwendig und damit auch teuer. Ebenso ist der Transport vergleichsweise schwierig, der Schlamm muss dazu vermischt werden, zum Beispiel mit leichterem Öl.
Um die Ölförderung in Venezuela zu steigern, bräuchte es daher massive Investitionen. Schätzungen gehen davon aus, dass für eine Verdoppelung der Produktion auf zwei Millionen Barrel pro Jahr bis Anfang der 2030er-Jahre Investitionen von 115 Milliarden US-Dollar nötig wären. Das ist dreimal so viel, wie die Ölkonzerne Exxon Mobil und Chevron im Jahr 2025 insgesamt investiert haben.
Das Öl aus Venezuela muss stark behandelt werden, um daraus hochwertiges Benzin oder Diesel herzustellen. Das Schweröl kann ansonsten im Straßenbau als Bitumen eingesetzt werden oder in der Schifffahrt als Treibstoff. Durch Umweltauflagen in der internationalen Schifffahrt ist der Einsatz von Schweröl in den vergangenen Jahren aber weniger attraktiv geworden. „Von daher sehe ich erst einmal keine große Renaissance von Schweröl“, sagt Sönke Diesener vom Naturschutzbund Deutschland.
Wird die US-Ölindustrie vom Öl in Venezuela profitieren?
Wie sich gute Geschäfte mit dem Öl aus Venezuela machen lassen, dazu gehen die Einschätzungen auseinander. An der Börse hat der US-Angriff auf Venezuela Hoffnungen geweckt. Die Aktien von Chevron, dem einzigen großen US-Konzern, der derzeit noch in Venezuela tätig ist, stiegen um fünf Prozent. Aktien von Raffineriebetreibern legten um drei bis neun Prozent zu.
Donald Trump hatte kurz nach dem Angriff auf Venezuela erklärt, dass er "vorher und nachher" mit allen US-Ölkonzernen über Investitionspläne beraten habe. Nach Informationen von Reuters stimmt das aber nicht. Die Nachrichtenagentur berichtete am 5. Januar unter Berufung auf Insiderquellen, dass weder Vertreter von Exxon Mobil, noch von ConocoPhillips oder Chevron Gespräche geführt hätten.
Donald Trump sagt, dass die Raffinerien im Süden der USA das Öl verarbeiten könnten, es gibt aber Zweifel, wie stark die Unternehmen daran interessiert sind. Ein Bericht der „Zeit“ weist darauf hin, dass die US-Raffinerien von Importen aus Venezuela sehr profitieren würden. Denn für optimale Erträge können sie das schwere Öl aus Venezuela mit den heimischen Schieferölen mischen. Die Menge an Öl, die aus Venezuela in die USA geliefert wurde, ist über die vergangenen Jahrzehnte stark gesunken, insbesondere auch wegen US-Sanktionen.
Die Ölreserven in Venezuela sind für die US-Konzerne auch ein Risiko. Der Ölpreis lag zuletzt bei um die 60 Dollar pro Barrel, etwa 20 Prozent niedriger als Anfang 2025. Für die US-amerikanische Öl-Industrie ist das durchaus ein Problem, weil sie vergleichsweise teuer produziert. Andere Staaten wie etwa Saudi-Arabien können auch bei deutlich geringeren Preisen noch gut produzieren.
Trump könnte mehr die US-Haushalte als die Konzerne im Blick haben. Sein Ziel könnte sein, über einen niedrigen Ölpreis die Krise der hohen Lebenshaltungskosten in den USA in den Griff zu bekommen. Trumps Ziele könnten aber auch stärker geopolitisch sein.
Wie könnte Trump das Öl strategisch gegen China nutzen?
Niedrige Ölpreise machen den Umstieg auf fossilfreie Technologien weniger reizvoll. Und genau den will Donald Trump ausbremsen. Der US-Präsident sieht sein Land dabei auch in einem Kampf gegen China. Peking setzt voll auf den Export fossilfreier oder -armer Technologien, insbesondere im Bereich Autos, Batterietechnik und Erneuerbare Energien. China würde von einer weltweiten „grünen“ Transformation wirtschaftlich enorm profitieren und seinen Einfluss weltweit weiter ausbauen.
Indem Donald Trump den Ölpreis durch ein Überangebot niedrig hält, könnte er Chinas wachsenden Einfluss durch die technologische Transformation ausbremsen. Damit würde er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Klimaschutzbemühungen sabotieren und Chinas Macht eindämmen. Das Öl könnte für Trump also primär ein geopolitischer Machtfaktor sein.
pto












