
Der US-amerikanische Angriff erfolgte in den frühen Morgenstunden des 3. Januar 2026. Venezuelas Hauptstadt Caracas wurde in der Nacht von mehreren Explosionen erschüttert. Neben Präsident Nicolás Maduro wurde auch dessen Ehefrau bei der Militäraktion festgenommen und in die Vereinigten Staaten gebracht. Unklar ist nun, wie es in Venezuela weitergeht und wer die Macht in dem südamerikanischen Land hat beziehungsweise übernehmen wird. Die Lage ist unübersichtlich. Das Oberste Gericht Venezuelas hat inzwischen die bisherige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zur Interims-Staatschefin ernannt.
Dem Militärschlag gegen den venezolanischen Staatschef gingen monatelange Spannungen zwischen den beiden Ländern voraus. US-Truppen hatten über 30 Boote in der Karibik angegriffen und zerstört. Mehr als 115 Menschen wurden dabei nach offiziellen Angaben getötet. Die US-Regierung bezeichnete die Militäreinsätze als Kampf gegen Drogenschmuggel und erhöhte den Druck auf Venezuelas Machthaber Maduro immer weiter. Dieser kontrolliere Drogenbanden, behauptete US-Präsident Trump.
Maduro soll nun der Prozess vor einem Bundesgericht in New York gemacht werden. Bereits im März 2020 war er in den USA wegen "Drogen-Terrorismus" angeklagt worden, Washington hatte eine hohe Belohnung für seine Ergreifung ausgesetzt.
Das US-Vorgehen und das Völkerrecht
Für den Völkerrechtler Kai Ambos ist das US-amerikanische Vorgehen nicht von internationalen Normen gedeckt: „Es ist völkerrechtswidrig, weil es eigentlich nur zwei Rechtfertigungsgründe für die Anwendung militärischer Gewalt gibt", sagte er dem WDR. Der eine Grund sei die Selbstverteidigung: "Da hätte also Venezuela die USA angreifen müssen, was ja offensichtlich nicht der Fall ist." Die andere Möglichkeit sei eine Autorisierung durch den UN-Sicherheitsrat, die es ebenfalls nicht gegeben habe: „Wir haben nicht mal eine Autorisierung durch den amerikanischen Kongress."

Sabine Kurtenbach, Präsidentin des Leibniz-Instituts für Globale und Regionale Studien im Hamburg, bezeichnet das Vorgehen der USA ebenfalls als „sehr umstritten beziehungsweise vom Völkerrecht nicht gedeckt“. Allerdings werde das Völkerrecht von „allen Seiten“ immer nur dann angeführt, wenn es einem gerade "in den Kram" passe, so Kurtenbach. Das Maduro-Regime habe schwere Menschenrechtsverletzungen begangen und auf diese Weise ebenfalls internationales Recht verletzt: „Von daher nehmen sich die einen und die anderen da nicht sonderlich viel.“
Auch in den USA wird eine Debatte über die Rechtmäßigkeit des Angriffs geführt. Der demokratische Senator von Arizona, Ruben Gallego, schrieb auf Social Media: „Dieser Krieg ist illegal. Es ist beschämend, dass wir uns vom Weltpolizisten zum Weltmobber entwickelt haben. Es gibt keinen Grund, warum wir mit Venezuela im Krieg sein sollten.“ Aus Europa kam ebenfalls viel Kritik von Politikern am Vorgehen der USA in Venezuela. Die deutsche Bundesregierung äußerte sich eher zurückhaltend.
Die Vorgeschichte der Eskalation
Historisch betrachtet hatten die USA und Venezuela eigentlich gute Beziehungen, vor allem durch das gemeinsame Ölgeschäft. 1998 kam es jedoch zum Bruch, als Hugo Chávez zum Präsidenten gewählt wurde. Chávez war ein Ex-Militär, der an einem Putschversuch beteiligt war, im Gefängnis saß und sich danach zur Stimme der Armen aufschwang. 2013 starb Chávez. Maduro, der bis dahin Vizepräsident war, übernahm. Zuletzt herrschte Maduro in Venezuela als Diktator. Das Militär stand hinter ihm.
US-Präsident Trump rechtfertigt die militärischen Operationen mit dem Kampf gegen den Terrorismus und hatte behauptet, Maduro stehe an der Spitze eines Drogenkartells. Experten bezweifeln das. Sie weisen darauf hin, dass Venezuela keine große Rolle im Drogenhandel spielt. Dort werde kein Koka angebaut und es würden auch lediglich rund fünf Prozent des Kokains aus Kolumbien über Venezuela geschmuggelt, sagt der Politikwissenschaftler Tobias Lambert. Wenn es Trump um Drogenhandel ginge, müsste er andere Ziele priorisieren.
Auch andere Experten vermuten, dass es der US-Regierung nicht um Drogen, sondern eher um den Sturz Maduros und das Erdöl in Venezuela ging und geht. Trump hatte Venezuela in der Vergangenheit beschuldigt, Öl, Land und andere Vermögenswerte gestohlen zu haben. Damit spielte der US-Präsident auf die Verstaatlichung von Ölfeldern in Venezuela Anfang der 2000er-Jahre an. Auch US-amerikanische Unternehmen waren damals betroffen. Schon in seiner ersten Amtszeit habe Trump den Sturz Maduros anvisiert, betont der Politikwissenschaftler Lambert.
Die aktuelle US-Intervention erinnert an das Vorgehen der Vereinigten Staaten in Panama. 1990 hatten US-Streitkräfte den dortigen Staatschef Manuel Noriega in die USA gebracht. Noriega wurde wegen Drogenhandels zu einer langen Haftstrafe verurteilt.
Wie geht es nun weiter in Venezuela?
Dies ist nach Auffassung der Politikwissenschaftlerin Sabine Kurtenbach offen. „Wir wissen nicht, ob der Kernblock des Regimes nach wie vor stabil ist oder ob jetzt mit dem Fehlen Maduros hier ein Machtvakuum entsteht, um das es dann Auseinandersetzungen gibt.“ Dies werde die entscheidende Frage für die nächsten Tage sein, so die Präsidentin des Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien.
Kurtenbach hat Zweifel, ob es zu einem Wechsel in dem Land kommen kann. „Erzwungener Übergang mit Militärintervention“ sei eine „schwierige Geschichte“, die in vielen Fällen nicht zum Erfolg führe. Die Einschätzung der Lateinamerika-Expertin: „Die Opposition hat sich in den vergangenen 13 Jahren auch dadurch ausgezeichnet, dass sie intern komplett zerstritten war, sobald eine klitzekleine Perspektive von Machtwechsel kam.“
Zuletzt trat die rechtsgerichtete Politikerin María Corina Machado, die im vergangenen Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war, als Führungsfigur der Opposition in Venezuela auf. Machado war nach Maduros umstrittener Wiederwahl 2024 im Land untergetaucht. Sie fordert nun die Einsetzung des Oppositionspolitikers Edmundo González Urrutia als Maduro-Nachfolger. Er habe die Präsidentenwahl gewonnen und sollte sein verfassungsmäßiges Amt nun unverzüglich antreten, teilte Machado mit.
Doch noch ist das alte Regime nicht gefallen. Entscheidend wird sein, wie sich das Militär, Milizen und andere bisherige Getreue von Maduro verhalten. Trump kündigte an, die USA wollten Venezuela vorerst selbst führen: "Wir werden das Land so lange führen, bis wir einen sicheren, ordnungsgemäßen und umsichtigen Übergang gewährleisten können." Wie dies genau laufen soll und ob zeitnah weitere Militäraktionen folgen könnten, blieb offen.
tei















