Dienstag, 09. August 2022

Verfassungsschutz
Sorge über Anwerbung deutscher Kämpfer

Der Verfassungsschutz stellt eine wachsende Anziehungskraft von Dschihadisten-Gruppen auf deutsche Bürger fest. Mehr als 400 Deutsche sollen bereits nach Syrien gereist sein – vermutlich, um sich Gruppen wie dem Islamischen Staat anzuschließen. Die Behörde spricht von einem "hohen Gefährdungspotenzial".

17.09.2014

    Unterstützer der Terrorgruppe IS während einer Demonstration in Syrien.
    Unterstützer der Terrorgruppe IS während einer Demonstration in Syrien. (afp / Karam Al-Masri)
    Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sagte, "die Sicherheitsbehörden können das Problem alleine nicht lösen". Er appellierte an die gesamte Gesellschaft, die Radikalisierung deutscher Bürger frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Dies gelte insbesondere für das Umfeld junger deutscher Dschihadisten.
    Verfassungshüter sehen Gefahr durch Rückkehrer
    Dem Verfassungsschutz zufolge haben bereits mehr als 400 Deutsche die Reise nach Syrien angetreten. Etwa 130 von ihnen seien inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt. Erkenntnisse über konkrete Pläne für Anschläge in Deutschland lägen bislang zwar nicht vor. Trotzdem schreiben die Verfassungshütern möglichen Rückkehrern ein "hohes Gefährdungspotenzial" zu.
    Die Behörde teilte mit, dass das Internet eine wichtige Rolle bei der Rekrutierung deutscher Dschihadisten spiele. Islamisten nutzten vor allem Facebook, aber auch zunehmend Smartphone-Apps wie Instagram und WhatsApp. Dadurch werde der interaktive Charakter der Kommunikation in einer virtuellen Dschihad-Gemeinschaft verstärkt.
    Maaßen: Dschihad-Romantik im Internet schafft Vertrautheit
    Maaßen wies darauf hin, dass es junge Dschihad-Sympathisanten stark emotionalisiere, wenn sie Kampfhandlungen über das Internet authentisch miterleben könnten. "Durch die dort verbreitete Dschihad-Romantik wird eine virtuelle Nähe und Vertrautheit geschaffen, die weitere Ausreisen in den Dschihad fördert", so Maaßen.
    Bereits gestern hatte sich auch die Bundesregierung besorgt gezeigt angesichts von Selbstmordattentätern in Syrien und im Irak. NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung hatten berichtet, dass neben fünf als gesichert erachteten Fällen zurzeit drei bis vier weitere geprüft werden.
    (tj/stfr)