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StartseiteHintergrundVerfeuert, verfemt, vergessen10.05.2008

Verfeuert, verfemt, vergessen

Vor 75 Jahren: Die Bücherverbrennung an deutschen Universitäten

An 22 deutschen Hochschulorten wurden am 10. Mai 1933 Scheiterhaufen entzündet. Die Bücherverbrennungen bildeten den Höhepunkt einer groß angelegten "Aktion wider den undeutschen Geist". Sie wurde nicht von der NSDAP oder dem Propagandaministerium organisiert, sondern kam auf Initiative von Studenten zustande.

Von Gode Japs

Umstehende betrachten einen Stapel brennender Bücher am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opern-Platz. (AP Archiv)
Umstehende betrachten einen Stapel brennender Bücher am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opern-Platz. (AP Archiv)
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" Wir befinden uns auf dem Opernplatz Unter den Linden Berlins. Die Deutsche Studentenschaft verbrennt zur Stunde auf einem riesigen Scheiterhaufen anlässlich der Aktion des Kampfausschusses wider den undeutschen Geist Schriften und Bücher der Unmoral und Zersetzung. "

Mittwoch, 10. Mai 1933. Kurz vor Mitternacht. Der Deutschlandsender berichtet live von der "Aktion wider den undeutschen Geist" aus Berlin, von der Bücherverbrennung. Aber nicht nur in der Reichshauptstadt, an insgesamt 22 deutschen Hochschulorten werden an diesem Abend Scheiterhaufen entzündet. Studenten, häufig in SS- und SA-Uniform oder im vollen Wichs ihrer Verbindungen, schaffen auf Lastwagen, in Autos oder Möbelwagen, auf Viehwagen oder Ochsenkarren Bücher herbei und werfen sie ins Feuer. Allein in Berlin landen etwa 20.000 Bände auf dem brennenden Holzstoß.

Herbert Gutjahr ist der Organisator der Berliner Bücherverbrennung. Er ist 23 Jahre alt und studiert seit 1930 Jura an der Friedrich Wilhelms-Universität - der heutigen Humboldt-Universität. Mit 21 Jahren wird er Mitglied der NSDAP und der SA. Seit zwei Jahren ist er nun Vorsitzender der Deutschen Studentenschaft in Berlin-Brandenburg. Es regnet in Strömen, als Gutjahr auf dem Opernplatz, dem heutigen Bebelplatz, in die Mikrofone ruft:

" Deutsche Studenten, wir haben unser Handeln gegen den undeutschen Geist gerichtet. Übergebt alles Undeutsche dem Feuer. "

An diesem 10. Mai 1933 ist Herbert Gutjahr der erste unter den Berliner Studenten, der Bücher auf den Scheiterhaufen schleudert. Er brüllt den vielen tausend Menschen, die sich als Schaulustige und Claqueure um den brennenden Holzstoß versammelt haben, seinen "Feuerspruch" entgegen:

" Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebensauffassung. Ich übergebe dem Feuer die Schriften von Karl Marx und Kautsky. "

Acht weitere Studenten halten die Werke besonders missliebiger und von den Nazis angefeindeter Autoren in ihren Händen. Sie treten nacheinander an das Mikrofon, um einen der insgesamt neun Feuersprüche zu zelebrieren. Hier drei Beispiele:

" Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe dem Feuer die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner. "

" Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe dem Feuer die Schriften der Schulen Sigmund Freuds.

Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, für Erziehung des Volkes im Geiste der Wehrhaftigkeit! Ich übergebe dem Feuer die Schriften des Erich Maria Remarque. "

15 Autoren werden namentlich gebrandmarkt. Unter ihnen auch der Pädagoge, Psychologe und Pazifist Friedrich Wilhelm Förster, oder der damals berühmte Biograf Emil Ludwig; der Stadtplaner, Architekturkritiker und linksliberale Schriftsteller Werner Hegemann, der langjährige Chefredakteur des Berliner Tageblatts, Theodor Wolff, genauso wie sein Kollege von der Vossischen Zeitung, Georg Bernhard. Nicht zu vergessen: die Schriftsteller und Journalisten Alfred Kerr, Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky, der drei Jahre später den Friedensnobelpreis erhalten wird.

Einer der fünfzehn lautstark erwähnten Dichter ist dabei - bei der Bücherverbrennung in Berlin. Er ist der Einzige, der miterlebt, wie seine eigenen Bücher verfeuert werden. Es ist Erich Kästner. In seinem Buch "Bei Durchsicht meiner Bücher" schreibt er später rückblickend:

"Ich stand vor der Universität, eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, den Blüten der Nation, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen. Begräbniswetter hing über der Stadt. Der Kopf einer zerschlagenen Büste Magnus Hirschfelds stak auf einer langen Stange, die, hoch über der stummen Menschenmenge, hin und her schwankte. Es war widerlich."

Erich Kästner spricht am 10. Mai 1958 auf dem PEN-Kongress in Hamburg über das Bücherschafott in Deutschland. In einer sehr nachdenklichen, streckenweise bissigen, von bitterer Ironie getragenen Rede schildert er, was ihm beim Anblick der lodernden Bücher durch den Kopf gegangen ist:

" Hier vollzieht sich Politik. Und hier ereignet sich Geschichte. Die Flammen dieser politischen Brandstiftung würden sich nicht löschen lassen. Sie würden weiterzüngeln, um sich fressen, auflodern und Deutschland, wenn nicht ganz Europa, in verbrannte Erde verwandeln. "

An anderer Stelle sagt der Autor zahlreicher scharfsinniger Kinderbücher sowie unzähliger humoristischer und zeitkritischer Gedichte, sagt Erich Kästner:

" Ich habe Gefährlicheres erlebt, Tödlicheres, aber Gemeineres nicht. Etwas Unausdenkbares war geschehen: Ein Doktor der Philosophie hatte die deutschen Studenten aufgefordert, höchstselbst den deutschen Geist zu verbrennen. Es war Mord und Selbstmord in einem. Das geistige Deutschland brachte sich und den deutschen Geist um. "

"Ein Doktor der Philosophie", damit ist Reichspropagandaminister Dr. phil. Joseph Goebbels gemeint - der politisch ranghöchste Germanist in Deutschland. Er hält auf dem Berliner Opernplatz die Hauptansprache - ein Versuch, die Studentenschaft enger an sich zu binden, wie Historiker später herausgefunden haben wollen. Der Augenzeuge Kästner allerdings spricht von "schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners". Hier eine Probe der Goebbels-Rhetorik:

" Ein Revolutionär muss alles können: Er muss ebenso groß sein im Niederreißen der Unwerte wie im Aufbauen der Werte! Wenn Ihr Studenten Euch das Recht nehmt, den geistigen Unflat in die Flammen hineinzuwerfen, dann müsst Ihr auch die Pflicht auf Euch nehmen, an die Stelle dieses Unrates einem wirklichen deutschen Geist die Gasse freizumachen. (...) Und deshalb tut Ihr gut daran, um diese mitternächtliche Stunde den Ungeist der Vergangenheit den Flammen anzuvertrauen. Das ist eine starke, große und symbolische Handlung. "

Das sehen 1933 nicht alle Deutschen so. Viele gehen über die Bücherverbrennungen hinweg. Bleiben gleichgültig. Merken nicht, dass das Volk der "Dichter und Denker" sein Nachdenken - bis auf wenige Ausnahmen - aufgegeben hat. Ein Phänomen, das der damalige Bundespräsident Johannes Rau im Mai 2003 in einer Gedenkrede thematisiert:

" Wenn wir uns mit der Kunst und Kultur des nationalsozialistischen Deutschlands beschäftigen, dann fällt es schwer nachzuvollziehen, dass die Vernichtung von Kunstwerken, dass das Verbrennen von Büchern, so viele Menschen gleichgültig gelassen hat. "

Nicht gleichgültig, sondern mit Begeisterung und Engagement nehmen die meisten Studenten teil an der von Arnold Zweig so genannten "Hexenverbrennung der Bücher". Sie sind hoch motiviert - genauso wie viele Professoren, Dekane und Rektoren. Kritik und Aufschrei? Fehlanzeige - es gibt keinen Protest an den Hochschulen. Nicht von den Studenten und so gut wie keinen von den Professoren. Volker Weidermann, Autor des kürzlich erschienenen Buches "Das Buch der verbrannten Bücher", meint dazu:

" Das sind die Momente, die man nicht glauben kann. Man forscht und forscht, guckt an den Universitäten und Bibliothekaren. Es muss doch irgendwo jemand gegeben haben, der sagt: Nein, das mach' ich nicht mit! Oder: Was für ein Wahnsinn?! Das ist so ein Moment, den kann ich nicht glauben. Man ist da tatsächlich erschüttert. Die neue Regierung war vier Monate im Amt und man konnte auf allen öffentlichen Plätzen in deutschen Universitätsstädten Bücher verbrennen und sagen: Die gehören ab sofort nicht mehr dazu. Und niemand protestierte. "

Auch im Ausland wird - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht protestiert. Das Echo der internationalen Presse auf die Bücherverbrennungen ist eher bescheiden. Wenn überhaupt, dann eher sachlich und kühl-distanziert. Hier und da Empörung. Auch Warnungen und Abscheubekundungen. Man zeigte sich befremdet. Doch die Gleichgültigkeit überwog.

Aber es steht außer Frage: Die Bücherverbrennungen bilden den Höhepunkt der groß angelegten "Aktion wider den undeutschen Geist". Sie wird - anders als lange vermutet - nicht von der NSDAP oder vom Reichspropagandaministerium organisiert, sondern sie kommt auf Initiative der Studenten zustande. Die Tübinger Publizistin Inge Jens vor 25 Jahren im Deutschlandfunk:

" Deutsche Studenten bemühten sich, den Nationalsozialisten zu zeigen, dass Verlass auf sie sei. Goebbels zeigte zwar Sympathie, gab Anstöße und begleitete die Vorgänge. Aber er trat erst relativ spät auf den Plan. Dann allerdings, als die Scheiterhaufen brannten, spielte er den Möchtegern-Protagonisten überall im Lande die Melodie vor, nach der sie künftig zu tanzen hatten. "

Die Idee zur Durchführung der "Aktion wider den undeutschen Geist" stammt eindeutig von der organisierten "Deutschen Studentenschaft". Sie gilt schon während der Weimarer Republik als ausgesprochen reaktionär, chauvinistisch und nationalistisch. Seit dem Sommer 1931 ist ihr "Führer" - ganz offiziell und nach demokratischer Wahl - ein Mitglied des Nationalsozialistischen Studentenbundes.

Vorsitzender der Deutschen Studentenschaft im Frühjahr 1933 und damit auch Hauptverantwortlicher für die zentrale Vorbereitung und Durchführung der Bücherverbrennungen ist der damals 25jährige Gerhard Krüger. Er zählt nach 1945 zu den "Ewig-Gestrigen" und beteiligt sich an zahlreichen Gründungen rechtsextremer Gruppierungen und Parteien.

Krüger plant Ende März/Anfang April 33 - parallel zur Einrichtung des Propagandaministeriums von Josef Goebbels - auch für die Studenten ein "Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft." Amtschef wird Hans Karl Leistritz. Er kommt aus dem "Akademischen Turnbund" und tritt - 24jährig - erst 1933 der NSDAP bei. Seine große Bewährungsprobe ist die Organisation der "Aktion wider den undeutschen Geist". Der spätere "Reichsschulungsredner" Leistritz verschickt sein erstes Rundschreiben als Propaganda-Chef der Studenten am 6. April 1933. Dort heißt es:

"Die erste Maßnahme des Propagandaamtes, die die gesamte Studentenschaft und die gesamte deutsche Öffentlichkeit erfassen soll, findet als vierwöchige Gesamtaktion statt. Näheres über den Inhalt wird noch bekannt gegeben."


Der Zeitplan steht. Zwei Tage später wird die Katze aus dem Sack gelassen. Die erste reichsweite Aktion der Deutschen Studentenschaft hat zum Ziel:

"Öffentliche Verbrennung jüdischen zersetzenden Schrifttums durch die Studentenschaften der Hochschulen aus Anlass der schamlosen Hetze des Weltjudentums gegen Deutschland."

Die "vierwöchige Gesamtaktion gegen den jüdischen Zersetzungsgeist und für volksbewusstes Denken und Fühlen im deutschen Schrifttum" läuft am 12. und 13. April an. Es werden reichsweit "12 Thesen wider den undeutschen Geist" plakatiert. In roten Lettern werden die Positionen und Ziele der Studenten klar benannt. Die erste These zum Beispiel lautet:

"Sprache und Schrifttum wurzeln im Volke".

Durch die vierte These wird das antisemitische Leitmotiv der Aktion herausgestellt:

"Unser gefährlichster Widersacher ist der Jude."

Die These fünf etwa gipfelt in dem Wahnwitz:

"Der Deutsche, der deutsch schreibt, aber undeutsch denkt, ist ein Verräter."

Und in These 7 wird das eigentliche, über die Bücherverbrennung hinausgehende Ziel der Studenten-Aktion deutlich:

"Der undeutsche Geist wird aus öffentlichen Büchereien ausgemerzt".

Die Thesen klingen so abstrus, dass sie vielerorts ins Lächerliche gezogen oder als alberne Übertreibungen heruntergespielt und verharmlost werden. Doch es bleibt ernst. Am 19. April wird nachgelegt: Studenten werden dazu aufgerufen, diejenigen Hochschullehrer zu boykottieren, "die Juden sind oder kommunistischen Organisationen bzw. dem Reichsbanner u.ä. angehört haben". Fast alle Universitäten machen mit. Lehrkörper, Dekane und Rektoren unterstützen die Aktionen.

Eine Woche später beginnt die Phase des "Aufklärungsfeldzuges". Die Studenten sollen jetzt das "zersetzende Schrifttum" öffentlich sammeln. Universitäts- und Institutsbibliotheken werden nach "verbrennungswürdiger" Literatur durchforstet. Öffentliche Büchereien außerhalb der Hochschulen werden "gefilzt". Auch Buchhandlungen geraten in den Blick der Eiferer.

Dabei hilft eine Schwarze Liste, die der 29jährige Bibliothekar Wolfgang Herrmann den Studenten zur Verfügung stellt. Es ist die Urliste aller Listen, nach denen die Scheiterhaufen bedient werden. Volker Weidermann hat für sein "Buch der verbrannten Bücher" auch über Wolfgang Herrmann recherchiert:

" Es gibt wirklich einen Bibliothekar, der diese Liste erstellt hat, die die Grundlage für die Bücherverbrennung war. Ein Mann - Nazi wohl, Nationalsozialist durchaus, aber mit einem sehr eigenwilligen Kopf - der auch Hitlers "Mein Kampf" durchaus nicht für so geeignet für die neue Bewegung hielt oder zumindest nicht für originell genug für die Zeit, die jetzt kommen sollte. Und diese Geschichte dieses Mannes hat mich besonders interessiert. Und der wurde auch kurz danach abserviert, war dann nicht mehr linientreu genug. Das fiel dann auch den Nazis auf und ist dann später in Königsberg auch gestorben. "

131 Autoren der "schönen Literatur" werden von Herrmann aufgezählt, unter ihnen 37 fremdsprachige Schriftsteller. Hinzu kommt etwa eine gleich große Anzahl von Sachbuchautoren. Die Liste liest sich wie eine Art "Who is who" all jener Intellektuellen, die schon vor und während der Weimarer Republik von rechts stehenden Kreisen verteufelt werden: Angepöbelt als Vertreter der "jüdischen Asphalt-Journaille", der "Schmutz- und Schundliteratur". Sie werden beschimpft als "Geschichtsverfälscher" und "Gesinnungslumpen", als Repräsentanten des "politischen Verrats" und der "dünkelhaften Verhunzung der deutschen Sprache."

Der Hass gegen Linke und Juden reicht bis in die bürgerliche Mitte. Er wird viel früher gesät - nicht erst mit der Machtergreifung des NS-Regimes. So warnt dann auch Inge Jens davor, die Autorenhatz im Mai 33 als spontanen Akt anzusehen, der wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommen sei:

" Nein, es gibt keinen Zweifel: Der 10. Mai 1933, an dem die junge Mannschaft auszurotten begann, was ihrer Vorstellung von einer deutschen Revolution zuwider lief, war in der Republik von Weimar gründlich vorbereitet worden. "

Und bestens organisiert: Nach der Plakat- und Bücher-Sammelaktion kommt der dritte Schritt, die eigentliche "Hinrichtung des Ungeistes", der "Verbrennungsakt". Dazu teilt das "Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft" knapp, aber unmissverständlich mit:

"An allen Hochschulen wird am 10. Mai 1933 das zersetzende Schrifttum den Flammen überantwortet."

Der "Verbrennungsakt" ist zwar ein Höhepunkt, aber längst nicht das Ende der Autorenverfolgung. Für viele Schriftsteller, Wissenschaftler und Journalisten beginnen jetzt erst Schreibverbote, Flucht oder Verjagung aus dem eigenen Land. Einige werden verhaftet, misshandelt und ermordet, wie Erich Mühsam, der publizierende Anarchist und Lyriker. Viele, wie Anna Seghers und Else Lasker-Schüler, flüchten aus Deutschland und gehen ins Exil. Einige, wie Kurt Tucholsky und Walter Benjamin, treibt die Erfahrung von Verfolgung und Exil in den Selbstmord. Die meisten leiden in der Fremde unter materieller und geistiger Armut, unter psychischer Belastung und Vereinsamung. Johannes Rau vor fünf Jahren in Berlin:

" Das lag nicht allein an schwierigen Lebensbedingungen in einem fremden Land. Das lag auch an der Erfahrung, gewaltsam aus dem eigenen Vaterland und aus der eigenen Muttersprache vertrieben worden zu sein. "

Einer der Vorvorgänger von Johannes Rau, der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, gehört 1933 auch zu den verfemten Autoren. Zwei seiner Bücher zählen in den Augen der Nazis zu dem "zersetzenden Schrifttum". Heuss in seiner ersten Amtszeit nach 1949:

" Die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 auf öffentlichen Plätzen sollte die Reinigung der deutschen Literatur von undeutschem Geist einleiten. Ach, es war ein peinliches, die Welt verblüffendes oder erschreckendes Theater. "

Auch nach 1945 interessiert sich kaum jemand für dieses "Theater" - weder für die vor zwölf Jahren verfeuerten Bücher, noch für die verfemten Autoren. Man will nichts von ihnen wissen. Man ignoriert sie vielerorts. Viele bleiben vergessen - auch heute noch.

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