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StartseiteCampus & KarriereGrundschulverband: Frühere Einschulung in Deutschland unwahrscheinlich18.06.2018

Vergleich mit FrankreichGrundschulverband: Frühere Einschulung in Deutschland unwahrscheinlich

Maseri Lassek, Vorsitzende des Grundschulverbandes, hält ein Herabsetzen des Einschulungsalters auf drei Jahre, wie es in Frankreich geplant ist, hierzulande für unwahrscheinlich. Nicht nur die systemischen Voraussetzungen seien verschieden, auch die Schwerpunkte in den Kitas würden anders gesetzt, sagte sie im Dlf.

Maresi Lassek im Gespräch mit Michael Böddeker

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Kinder sitzen am 18.04.2016 in einer Kindertagesstätte in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) mit einer Erzieherin an einem Tisch. (dpa / picture-alliance / Monika Skolimowska)
In Frankreich liege der Auftrag ganz klar auf der Vorbereitung auf das schulische Lernen, in Deutschland hingegen auf der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes, sagte Maresi Lassek im Dlf (dpa / picture-alliance / Monika Skolimowska)
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Französisches Bildungssystem Schulpflicht mit drei Jahren

Michael Böddeker:Soweit der Bericht der aus Frankreich. Und jetzt blicken wir noch nach Deutschland: Hier gibt es keine Vorschulpflicht wie bald in Frankreich, aber viele Kinder besuchen natürlich eine Kita oder einen Kindergarten. Allerdings ist das, was vor der Schule passiert, in Deutschland oft sehr anders als in Frankreich. Darüber sprechen wir jetzt mit Maresi Lassek, sie ist Vorsitzende des Grundschulverbands. Guten Tag!

Maresi Lassek: Guten Tag, Herr Böddeker!

Böddeker: Wir haben gerade gehört, wie es an Vorschulen in Frankreich zugeht, wie dort gelernt wird, demnächst sogar verpflichtend. Wenn Sie sich die Kinder anschauen, die in die erste Klasse in der Grundschule kommen, würden Sie sich sowas auch für Deutschland wünschen?

Lassek: Wünschen – das würde ich so infrage stellen. Man muss einfach schauen, wir haben in Deutschland und Frankreich sehr unterschiedliche systemische Voraussetzungen. Wir haben in Frankreich die Situation, dass alle Einrichtungen dem Erziehungsministerium unterstehen, in Deutschland haben wir circa ein Drittel der Einrichtungen im Kita-Bereich in öffentlicher Trägerschaft, sprich Kommunen, während der übrige Teil in freier Trägerschaft mit sehr vielen unterschiedlichen Trägern ist, was dann letztendlich auch Einfluss nimmt auf pädagogische Ansätze und Konzepte im Kindergartenbereich.

Böddeker: Also schon rein organisatorisch ist einiges anders hier in Deutschland, aber bei dem, was dann in der Kita oder in der Vorschule passiert, wo sehen Sie da so die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich?

Lassek: Die größten Unterschiede sehe ich in der Situation, dass in Frankreich ganz klar der Auftrag besteht, auf schulisches Lernen vorzubereiten – dezidiert. Also, es wird ja von Rechnen, auch von Schreiben, Lesen, und so weiter gesprochen. Wir haben in Deutschland im Elementarbereich ganz deutlich den Schwerpunkt auf der Persönlichkeitsentwicklung, auf der individuellen Entwicklung des Kindes. Dazu gehören einfach Dinge wie zuhören können, Regeln einhalten können, auch eine gewisse Zeitspanne eigene Bedürfnisse zurückstellen, auch den Bewegungsdrang kontrollieren zu können, mit anderen Kindern gemeinsam etwas zu tun. Ich denke, trotz aller Unterschiedlichkeit, können wir sicher sagen, dass das wesentliche Linien in der Elementarerziehung sind.

"Wir müssen – bezogen auf Sprachförderung – auf  aufeinanderfolgende Konzepte besser achten"

Böddeker: Und sind das für Sie auch so die wichtigsten Dinge, die Kinder mitbringen müssen, wenn sie dann in die Grundschule kommen?

!Lassek:!! Ganz sicher gehört dazu natürlich die Sprachentwicklung und das hat sich in den letzten Jahren besonders in den Ballungsräumen deutlich verändert, dass die Fähigkeit, die deutsche Sprache zu beherrschen durch den höheren Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund sich verändert hat. Aber auch durch viele Kinder, die aus deutschstämmigen Familien kommen, aber einfach in ihren sprachlichen Möglichkeiten durch die familiären Bedingungen nicht gut genug gefördert sind. Und da legen die Kitas sehr viel Wert, aber da müssen die Schulen auch ganz klar feststellen, die Voraussetzungen haben sich sehr  verändert.

Wir müssen – bezogen auf Sprachförderung – auf aufeinanderfolgende Konzepte besser achten und die auch entwickeln – also was passiert im Elementarbereich, was in der Grundschule, aber auch was in den weiterführenden Schulen, bezogen auf Sprachförderung.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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