Sonntag, 21. April 2024

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Verhältnis zwischen Macht und Sport
Sommerspiele gegen UN

Der Sport habe sich zum Handlanger von Regimen und Wirtschaftsinteressen gemacht. Dieser Ansicht ist der Sportjournalist Thomas Kistner von der „Süddeutschen Zeitung“. Beispiele dafür seien der Umgang mit Russland und seiner Doping-Problematik oder die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 nach Katar.

Thomas Kistner im Gespräch mit Marina Schweizer | 26.12.2016
    Der Journalist Thomas Kistner
    Der Journalist Thomas Kistner (imago stock & people)
    Der Sport habe sich nicht nur zum Handlanger gemacht. Es sei ihm auch gelungen, eine Art eigene Autokratie zu werden, so Kistner. Er habe ein Volk, das über die ganze Erde geht und versuche nun ein Staat im Staate zu werden – zum Beispiel über den Versuch, einen Platz bei den Vereinten Nationen (UN) zu bekommen. Das seien ganz gefährliche Entwicklungen.
    "Verlogene Inszenierung"
    Im Sport gebe es ein gewaltiges Strukturproblem. Einerseits sei keine unabhängige Kontrolle vorhanden, andererseits gebe es viele fragwürdige Funktionäre.

    Kistner’s Ansicht nach finden im Umgang mit dem staatlich organisierten Dopingsystem in Russland klare Begünstigungen statt. Das beträfe vor allem die beiden großen Weltsportverbände FIFA und IOC. Man versuche die Probleme zu vertuschen und der russischen Führung nicht zu schaden: "Beim normalen Sportbetrachter ist angekommen, dass es hier um eine ganz verlogene Inszenierung geht. Es hat eine Talfahrt eingesetzt, die mehr und mehr dazu führen wird, dass man auch im breiten Sportpublikum ein Gefühl dafür entwickelt, dass der Sport schon lange in die falschen Hände geraten ist."
    "Ich prophezeie: die Spiele 2024 finden in Los Angeles statt."
    Die Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten sei ein Schub für die dunklen Seiten des Sports. "Die Potentaten des Sports seien mit den Autokraten der Welt immer wesentlich besser zurechtgekommen", so Kistner. Speziell auf den künftigen US-Präsidenten bezogen, zeichne sich nach Ansicht des Sportjournalisten jetzt schon ab, wie das Verhältnis zwischen Trump und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) aussehen werde: "Ich wage zu prophezeien, dass Los Angeles die Sommerspiele 2024 bekommen wird. Im Umkehrschluss bekommt das IOC bei den Vereinten Nationen mehr Beachtung." Diese Deals seien klassisch für den Sport.

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