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StartseiteUmwelt und VerbraucherSenioren im Straßenverkehr besonders gefährdet11.12.2018

Verkehrssicherheitsrat warntSenioren im Straßenverkehr besonders gefährdet

Jeder zweite Fußgänger, der im Straßenverkehr getötet werde, sei älter als 65 Jahre, sagte Torsten Buchmann vom Verkehrssicherheitsrat im Dlf. Wer ältere Menschen am Straßenrand sehe, solle das Tempo drosseln und möglichst Blickkontakt herstellen. Auch Senioren könnten etwas für ihre Sicherheit tun.

Torsten Buchmann im Gespräch mit Stefan Römermann

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Eine Seniorin mit Gehbehinderung allein unterwegs (imago stock&people)
Ältere Fußgänger sollten sich durch hellere Kleidung im Straßenverkehr besser sichtbar machen, rät Buchmann (imago stock&people)
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Stefan Römermann: Opa mit Hut am Lenkrad – da muss man vorsichtig sein. Das ist das Klischee. Es ist ganz schön alt und es ist vor allem ganz schön abgegriffen. Nicht nur, weil viele moderne Senioren inzwischen natürlich auch gerne aus modischen Gründen auf den Hut verzichten. Warum Senioren im Straßenverkehr nicht besonders gefährlich, sondern vor allem besonders gefährdet sind, darüber wollen wir jetzt reden. Denn der Verkehrssicherheitsrat startet in diesen Tagen eine Aktionswoche für mehr Sicherheit im Straßenverkehr für ältere Menschen. Darüber spreche ich jetzt mit Torsten Buchmann vom Verkehrssicherheitsrat. – Herr Buchmann, lassen Sie uns zuerst noch mal mit diesem Klischee vom Sonntagsfahrer aufräumen. Sind Senioren am Lenkrad tatsächlich so gefährlich?

Torsten Buchmann: Nein, keinesfalls. Da trügt die öffentliche Wahrnehmung oft über die statistischen Zahlen des Bundesamtes hinweg. Schaut man da genauer rein, kann man feststellen, dass etwa nur 13 Prozent aller Unfallbeteiligten überhaupt älter als 65 Jahre sind, und das bei einem Bevölkerungsanteil von etwa knapp 21 Prozent. Wir haben hier eigentlich eine unterproportionale Unfallbeteiligung, aber eine überproportionale Gefährdung, denn jeder dritte im Straßenverkehr getötete ist älter als 65 Jahre.

Römermann: Senioren bauen seltener Unfälle, sagen Sie, aber sie sind häufiger an Unfällen beteiligt. Sie sind häufiger das Unfallopfer.

Buchmann: Genauso ist es, ja. Ganz deutlich wird das, wenn man sich die Unfallzahlen bei den Fußgängern und Radfahrern anschaut - und darauf fokussiert ja auch etwas unsere Kampagne beziehungsweise unsere Aktionswoche. Denn hier ist etwa jeder zweite zu Fuß gehende, der getötet wird, älter als 65 Jahre.

Römermann: Woran liegt das?

Buchmann: Woran liegt das? Ich glaube, dass ältere Menschen vielleicht manchmal etwas unsicherer sein können, wenn sie sich im Verkehrsraum bewegen. Das heißt, sie können möglicherweise nicht mehr ganz so schnell unterwegs sein, oder sie haben Probleme mit dem Hören und Sehen. Kommt alles zusammen und etwas Unachtsamkeit hinzu, da kann es schneller zu einem Unfall kommen.

Tempo drosseln und aufmerksam fahren

Römermann: Wenn ich an eine Straßenkreuzung komme und ältere Menschen sehe, sollte ich dann besonders vorsichtig sein? Was können Sie Menschen auf den Weg geben, die beispielsweise mit dem Auto, Fahrrad oder so unterwegs sind und auf ältere Menschen treffen?

Buchmann: Unser Ziel ist es, einfach dafür zu sensibilisieren, dass man, wenn man ältere Menschen am Straßenrand sieht, einfach das Tempo drosselt und aufmerksam ist, dass man darauf achtet, vielleicht auch versucht, einen Blickkontakt herzustellen mit dem Menschen, der dort die Straße überqueren möchte, um einfach abschätzen oder besser einschätzen zu können und ein bisschen nonverbal zu kommunizieren, was derjenige vielleicht vorhaben könnte.

Römermann: Auf der anderen Seite: Was können die Senioren selber tun? Worauf sollten sie vielleicht achten oder was sollten sie lassen?

Buchmann: Den Senioren raten wir gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit, sich auf jeden Fall sichtbar zu machen. Das heißt, zu hellerer Kleidung und insbesondere zu Kleidung oder zu Zubehör mit retroreflektierenden Elementen und Materialien. Damit wird man einfach aus größerer Distanz leichter gesehen und wahrgenommen und kann dann als Autofahrer auch schneller reagieren. Darüber hinaus empfehlen wir, Ampeln, Zebrastreifen oder Mittelinseln zu nutzen, wenn man die Straße überquert, denn das sind sichere Stellen und die werden auch vom Autofahrer erwartet, dass dort Fußgänger unterwegs sind.

Römermann: Sie haben es gerade schon gesagt. Relativ viele Unfälle enden tatsächlich tödlich. Warum sind denn die Unfallfolgen bei Senioren so stark?

Buchmann: Das liegt zum einen oft an der körperlichen Konstitution der älteren Menschen und insbesondere an ihrer Regenerationsfähigkeit. Das heißt, schwere Verletzungen brauchen einfach länger, bis sie wieder ausheilen, und im Vergleich zu einem 25-Jährigen ist die Zeit viel, viel länger, die man braucht, um wieder gesund und fit zu werden. Das ist bei älteren Menschen einfach ein ganz natürlicher Prozess, der uns alle irgendwann treffen kann.

"Besondere Unfallhäufigkeit zwischen 16 und 17 Uhr"

Römermann: In welchen Zeiten muss man denn besonders aufpassen, damit man Unfälle vermeiden kann? Es passieren ja offenbar zu bestimmten Uhrzeiten besonders viele Unfälle.

Buchmann: Genau. Wir haben eine besondere Unfallhäufigkeit zwischen 16 und 17 Uhr bei den Fußgängern. Gerade in dieser Jahreszeit ist es dunkel. Deswegen raten wir auch zu der hellen Kleidung. Aber man kann jetzt nicht sagen, dass nur diese Zeit die wichtigste ist. Auch ältere Menschen sind vorwiegend in der frühen Nachmittagszeit unterwegs. Da ist es zwar noch heller, aber auch hier haben wir Unfallschwerpunkte bei älteren Menschen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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