Samstag, 16.01.2021
 
StartseiteUmwelt und VerbraucherVernachlässigtes Naturerbe in Ostdeutschland15.12.2010

Vernachlässigtes Naturerbe in Ostdeutschland

Biotopverbund Grünes Band

Das Grüne Band ist ein Biotopverbund von rund 1400 Kilometern Länge in den neuen Bundesländern. Obwohl in den vergangenen 20 Jahren große Flächen des Naturerbes gesichert wurden, ist der B.U.N.D. nicht zufrieden damit, was für das "lebendige Denkmal" seit der deutschen Wiedervereinigung getan wird.

Von Dieter Nürnberger

Das Grüne Band am ehemaligen Kolonnenweg bei Teistungen, an der Grenze zwischen Niedersachsen und Thüringen. (AP)
Das Grüne Band am ehemaligen Kolonnenweg bei Teistungen, an der Grenze zwischen Niedersachsen und Thüringen. (AP)

Kritik und auch Anerkennung der Arbeit der verschiedenen Bundesregierungen der vergangenen 20 Jahre hielten sich heute Vormittag in etwa die Waage. Es gab somit auch erst einmal Lob, dass die Bundesregierungen generell die Kernsubstanz des Grünen Bandes geschaffen haben. 70 Prozent der Flächen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die ja von Stacheldraht und Mauern geprägt war, seien inzwischen unter Schutz gestellt. Und nun gehe es eben darum, die noch vorhandenen Lücken zu schließen und auch die noch ausstehenden Flächen langfristig im Sinne des Naturschutzes und auch eines Biotopverbundes zu schützen. Der BUND sieht hier also durchaus auch eine Erfolgsgeschichte. Es sei am ehemaligen Grenzstreifen etwas Einzigartiges entstanden, sagt Ulrike Mehl, die stellvertretende Bundesvorsitzende des Umweltverbandes:

"Heute umfasst dieser Streifen viele Lebensraumtypen: Über 1.200 Arten, die auf der roten Liste stehen. Das sind somit Arten, die in irgendeiner Form auch gefährdet sind, aber auch viele Arten, die nicht gefährdet sind. Das ist ein seltenes Pfund, was wir da haben – zur Erhaltung von Arten, aber auch von Lebensräumen, die ja besonders stark bedroht sind.2"

Diese Lebensräume sind vielfältig: Es fallen Moore darunter, natürlich auch Wälder, Bergwiesen und Fließgewässer, Grünland usw.
Die Kritik, die heute als Forderung an die Bundes- und auch Landesregierungen formuliert wurde, betrifft vor allem die noch zu leistenden Schritte, damit aus dem derzeitigem Flickwerk einmal eine Art Gesamtbiotop werden kann, sagt Kai Frobel, er ist der Projektleiter des BUND für das Grüne Band.

""Die größten Lücken im Grünen Band wurden Anfang der neunziger Jahre gerissen. Und zwar durch die Landwirtschaft, die einfach die Flächen unter den Pflug genommen hat. Je besser der Boden, desto dreister war die Landnahme – damals oft auch illegal. Wir fordern deshalb den Lückenschluss am Grünen Band. Und da hilft es, dass die Bundesregierung ihren Flächenpool im Grünen Band – das ist rund die Hälfte aller Flächen – jetzt mit der Zweckbestimmung Naturschutz den Ländern übergeben hat. Neben dem Lückenschluss ist aber auch wichtig, dass es einen bundesweit zusammenhängenden Schutz dieses 1.400 Kilometer langen Streifens gibt. Und da gibt es seit 2009 die Möglichkeit, eine neue Schutzkategorie - das nationale Naturmonument – auszuweisen. Das passt hervorragend für das Grüne Band."

Diese neue Schutzkategorie Nationales Naturmonument verbindet erstmals nicht nur naturschutzrechtliche Aspekte, sondern auch kulturhistorische. Die derzeitige Bundesregierung hat dies bei der Reform des Bundesnaturschutzgesetzes 2009 auch so formuliert.
Die Länder sind nun also auch im Zugzwang und eine recht harsche Kritik wurde heute zudem an der Bodenverwertungs- und Verwaltungs GmbH, kurz BVVG, laut. Das ist eine Nachfolgeorganisation der Treuhand, die noch heute bundeseigene Fläche veräußert – und leider würden immer noch rund 1.000 Hektar des Grünen Bandes auf dem Grundstücksmarkt angeboten. Das müsse sofort gestoppt werden, sagt Kai Frobel.

"Es kann nicht sein, dass der Bund auf der einen Seite hier Millionen für den Erhalt der Flächen investiert, auf der anderen Seite aber eine bundeseigene GmbH im selben Gebiet Flächen auf dem Privatmarkt verscherbelt. Das muss gestoppt werden."

Der BUND gab auch bekannt, dass er weiterhin, je nach finanziellen Möglichkeiten, selbst Flächen kaufen wolle, um eben den Gesamtbiotopverband möglich zu machen. Rund 550 Hektar habe man bereits erworben – aber ganz klar – das Hauptaugenmerk des Umweltverbandes zielte bei der heutigen Bilanz eher in Richtung Politik.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk