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StartseiteMusikjournal"Ein im besten Sinne Fanatischer"11.03.2019

Verstorbener Dirigent Gielen"Ein im besten Sinne Fanatischer"

Ruhm und Glanz in der Öffentlichkeit - darauf habe der Dirigent Michael Gielen nicht viel gegeben, sagte der Musikjournalist Gerhard Koch im Dlf. Nicht immer sei er bei Orchestern beliebt gewesen, habe sich aber "mit seiner fast bulligen Durchsetzungskraft" behaupten können.

Gerhard Koch im Gespräch mit Raoul Mörchen

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Dirigent Michael Gielen und das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, (picture-alliance / dpa / imageBROKER / Thomas Frey)
Gielen habe sich nicht immer bei allen Musikern beliebt gemacht, so Musikkritiker Koch im Dlf (picture-alliance / dpa / imageBROKER / Thomas Frey)
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Der Dirigent habe mit der Uraufführung der Oper "Die Soldaten" von Bernd Alois Zimmermann, die als unaufführbar galt, für eine Sensation an der Oper Köln gesorgt. "Das war bestimmt in jeder Hinsicht eine Heldentat", so Gerhard Koch im Dlf. Es habe im Haus ungeheure Widerstände gegeben und auch Versuche, die Aufführung zu torpedieren.

"Bei Gielen kam dazu, dass er erstens den unglaublichen kompositorischen Durchblick hatte und diese Überzeugtheit von einem Werk. Und dann noch dieses unglaubliche Gehör und die dirigiertechnische Souveränität. Und er hatte eben diese unglaubliche, fast bullige Durchsetzungskraft." Er habe sich auch beim feindlich gesinnten Orchester behaupten können. "Er hat sich nicht immer beliebt gemacht bei den Musikern", aber letztendlich habe es einem guten Zweck gedient.

Eigene Ära an der Oper Frankfurt

Gielen habe nicht immer alles auf seine Person bezogen, den Ruhm eingefahren und in der Öffentlichkeit geglänzt. "Das alles lag ihm nicht. Er war wirklich ein sehr Sachlicher und im besten Sinne Fanatischer."

Er habe als Spezialist für Neue Musik gegolten, so Koch weiter. "Aber er hat immer Wert darauf gelegt, dass Tradition und Avantgarde zusammengehören und er war ja auch immer ein begeisterter Operndirigent. (…) Er war genau das Gegenteil eines Avantgarde-Dogmatikers."

"Gegenteil eines Avantgarde-Dogmatikers"

Gielens Zeit an der Frankfurter Oper (1977 bis 1987) sei eine eigene Ära gewesen. Sie wurde "geprägt durch so unglaubliche musikalische Integrität dieser Aufführungen" und durch die Entdeckung ganz neuartiger Musiktheater-Inszenierungskonzepte.

Die Lebensleistung des Dirigenten Michael Gielen bezeichnete Koch als eine Art "Dreizack". "Einerseits der emphatische und empathische Einsatz für die Avantgarde, dann die Entwicklung eines neuen Musiktheater-Stils (…) und dann eben die Idee, dass die Klassiker durch Rückgriff auf die Quellen zu revolutionieren seien."

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