Donnerstag, 29.10.2020
 
Seit 12:00 Uhr Nachrichten
StartseiteUmwelt und VerbraucherKunden warten ab beim E-Autokauf28.01.2020

Verzögerung bei PrämieKunden warten ab beim E-Autokauf

Im vergangenen Jahr ist der Absatz von E-Autos kräftig gewachsen. Doch weil das Wachstum immer noch zu langsam verläuft, will die Bundesregierung die Kaufprämie erhöhen. Nun sorgt ausgerechnet dieser Umstand jetzt dafür, dass momentan kaum jemand ein Elektroauto kaufen will.

Von Kai Rüsberg

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Die Ladestation für Elektroautos in Leipzig (www.imago-images.de)
Der Absatz von E-Autos ist zuletzt gestiegen, aber jetzt stockt der Verkauf (www.imago-images.de)
Mehr zum Thema

Elektromobilität Bundeskabinett beschließt neue Rohstoffstrategie

Wolf (VDA) "Wir brauchen eine Förderung unserer technischen Konzepte"

Strukturwandel in der Automobilindustrie Von Stellenabbau und neuen Motoren

Verkehrswende An Ideen fehlt es nicht

Noch lange nicht alle Kunden im Autohaus Rüschkamp in Dortmund erkundigen sich nach dem Kauf eines Elektroautos. Viele sind noch nie eins gefahren - andere wollen es demnächst kaufen:

"Also, Elektro kommt nicht infrage, weil man da so ein dünnes Netz hat; müsste ich dann also in der eigenen Garage machen. Das könnte man eventuell in Erwägung ziehen; es muss sich ja dann auch irgendwie amortisieren über gewisse Jahre, sodass ich das eher skeptisch sehe."

"Ich war erst skeptisch, aber das ist Fahrspaß pur. Immer zu gucken, wenn er nur noch einen Balken hat, ich muss zur Tankstelle, damit hätte ich wohl ein Problem, mit der Reichweite."

"Ich bin schon viele gefahren. Ja, ich habe noch kein eigenes, aber das kommt jetzt bald."

Einführungszeitpunkt der Prämie unklar

Für dieses Jahr haben nun auch große Hersteller wie VW oder Opel und Peugot neue, alltagstaugliche Elektromodelle angekündigt. Viele dieser Modelle sollen mit einer Batterieladung mehr als 300 Kilometer weit fahren können. Mit dem Schnellladeanschluss können sie in 30 Minuten 100 bis 200 Kilometer Reichweite nachladen - bei Kaufpreisen ab 30.000 Euro. Trotzdem: Kaufverträge für Elektroautos kann Händler Hendrik Rüschkamp zur Zeit kaum abschließen:

"Es kommen immer mehr, die ja auch die besser gewordene Technik kaufen möchten. Was die im Augenblick hindert ist ganz klar, die Aussage des Bund im Rahmen des Klimapaketes die Zulassungsprämie zu erhöhen, aber keiner weiß wann die kommt."

Tatsächlich hat das Bafa, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle - das ist die für die Umweltprämie zuständige Behörde - einen Verbraucherhinweis im Internet. Es sei unklar, wann die Prämie von 4.000 auf 6.000 Euro erhöht wird. Ausgerechnet die Förderung also, die eigentlich den Kauf von Elektroautos ankurbeln sollte, bewirkt so bei den Kunden zur Zeit für genau das Gegenteil, so Rüschkamp:

"Ganz genau, also wir hatten einige, die in der Kaufphase waren, aber die sagen alle: Nee, da warte ich erstmal bis dann doch die Entscheidung da ist auf die höhere Prämie."

Hersteller müssen bald mehr E-Autos verkaufen oder Strafe zahlen

Auf der anderen Seite haben die Hersteller Druck, in diesem Jahr deutlich mehr Elektroautos auf die Straße zu bringen, sagt Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg Essen.

"Bisher ist es so, dass das Angebot überschaubar war an den Elektroautos. Und der Druck die Elektroautos zu verkaufen, war eigentlich bei Herstellerseite nicht so besonders hoch. CO2-Vorgaben von der EU-Kommission, die konnte man mit Diesel und mit anderen Fahrzeugen erfüllen. Jetzt wird's ernst, denn ab 2020 Uhr gelten 95 Gramm CO2 pro Kilometer und da kommt man ohne Elektroautos nicht aus."

Deswegen erwarten Experten in diesem Jahr erstmals deutliche Rabatte auf den Kauf von Elektro­autos. Schon jetzt gibt es für das weltweit am meisten verkaufte Elektroauto, den Nissan Leaf, Rabatte bis zu 30 Prozent auf den Listenpreis. Und auch der eGolf wird für Gewerbekunden als Auslaufmodell mit sehr günstigen Leasingraten angeboten.

Wenig Angebot gib es weiterhin bei elektrischen Lieferfahrzeugen. Tischlermeister Carsten Grimberg aus Bochum hat einen Elektro-Kleintransporter getestet. Ihm reichte aber am Ende die Reichweite nicht aus.

"Es war für uns eine Überlegung, weil wir in die Innenstädte nicht mehr reinkommen und wegen der Abgasnormen und man muss an die Umwelt denken. Unsere Baustellen sind hauptsächlich in Innenstadtbereichen und da können wir unsere Kunden nicht mehr erreichen."

Vorbehalte auch bei Händlern und Werkstätten

Als ein weiter Grund für den noch schleppenden Verkauf von Elektroautos gelten manche Betriebe der Branche selbst. Nicht jeder Autohändler und -verkäufer ist ein Freund der Elektromobilität. Besonders nicht, wenn die Marke gar kein Auto liefern kann. Auch Werkstattchef Klaus Schwarz aus Bochum hat Vorbehalte:

"Was ich von Elektroautos halte, ist so ein zweigleisiges Dingen. Ein Elektroauto hat nur ein Fünftel der Ersatzteile. Die ganzen Zulieferer der Autoindustrie würden dann wegfallen, Arbeitsplätze, Werkstätten würden nicht mehr so viele Mitarbeiter brauchen."

Inzwischen haben sich Branchenvertreter an die Bundesregierung mit dem Ziel gewandt, sie solle dafür sorgen, dass die Umweltprämie nun schnell zur Anwendung kommt. Von Seiten des Bundes gibt es aber zur Zeit keine konkrete Aussage, ab wann sie in Kraft tritt.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk