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StartseiteSport am Wochenende"Der größte Verlierer ist der Verein"06.02.2021

VfB Stuttgart Datenaffäre"Der größte Verlierer ist der Verein"

Zehntausende Mitgliederdaten soll der VfB Stuttgart weitergegeben haben, ohne die Mitglieder darüber zu informieren. Zu diesem Ergebnis kommt laut "Spiegel" die mit der Untersuchung beauftragte Kanzlei Esecon. "Der Vertrauensverlust ist immens", sagte Blogger und VfB-Fan Ron Merz im Dlf.

Ron Merz im Gespräch mit Astrid Rawohl

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Zerrissene VfB-Stuttgart-Flagge weht im Wind (Imago / Michael Weber)
Die Datenaffäre überschattet beim VfB Stuttgart derzeit das sportliche Geschehen. (Imago / Michael Weber)
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Von einem "Täuschungsversuch" und "Vertrauensbruch" spricht der noch nicht veröffentlichte Abschlussbericht, den die Esecon-Ermittler dem Bundesliga-Verein VfB Stuttgart vergangene Woche zugestellt haben und der dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" vorliegt. 

Darin seien die Ermittler zu dem Ergebnis gekommen, dass der VfB die Daten zehntausender Mitglieder ohne deren Einverständnis an einen externen Dienstleister weitergegeben habe - "sehr wahrscheinlich", so zitiert der "Spiegel" den Esecon-Bericht, um über Guerilla-Marketing subtil Einfluss zu nehmen.

Und das alles vor der Mitgliederversammlung 2017, bei der es um die umstrittene Ausgliederung des Profifußballs in eine Aktiengesellschaft ging, die letztlich auch beschlossen wurde.

Ron Merz wünscht sich eine Veröffentlichung des Esecon-Berichts: "Erstmal ist es natürlich für mich als Mitglied, aber auch als Fan und vielleicht sogar für die Fußball-Öffentlichkeit wichtig, dass dieser Bericht veröffentlicht wird", sagte Merz in der Sendung "Sport am Samstag", "und zwar sollte das auch so transparent wie möglich passieren."

Fans fordern Aufklärung

Ron Merz ist nicht nur VfB-Mitglied, sondern auch Blogger und verantwortlich für den VfB-Podcast "Nachspielzeit". Sollte der VfB Stuttgart die Datenaffäre nicht ordentlich aufarbeiten, könnte er sich allerdings durchaus vorstellen, "sich weiter vom VfB zu entfernen", so Merz. "Und von vielen Gesprächen weiß ich, dass ich mit der Meinung nicht alleine bin."

Über den Umgang mit der im September 2020 bekannt gewordenen Datenaffäre gibt es im Verein offenbar unterschiedliche Ansichten. Während VfB-Präsident Claus Vogt die Kanzlei Esecon mit der Untersuchung beauftragt hatte, sei diese Aufklärungsarbeit von mehreren Funktionsträgern im Verein behindert worden, zitiert der "Spiegel" aus dem Abschlussbericht. 

VfB-Präsident Claus Vogt (rechts) und Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger beim Achtelfinale im DFB-Pokal 2020/21. (Imago / Pressefoto Baumann)Uneinig: VfB-Präsident Claus Vogt (rechts) und Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger. (Imago / Pressefoto Baumann)

Auch die Profifußball-AG unter ihrem Vorsitzenden Thomas Hitzlsperger hätte "nachhaltig" Einfluss "auf die Untersuchung genommen." Hitzlsperger soll Mitglieder unter anderem darüber informiert haben, dass sie eine Befragung durch die Esecon-Ermittler verweigern könnten.

Streit um Präsidentschaftsamt

Seine Kandidatur um die VfB-Präsidentschaft für die Wahl auf der Mitgliederversammlung im März 2021 hat Hitzlsperger mittlerweile wieder zurückgezogen - auch nach massiver Fan-Kritik. Der Ex-Nationalspieler hatte den amtierenden Präsidenten Vogt in einem offenen Brief Ende 2020 scharf kritisiert.

Als einzigen Gewinner der andauernden Affäre sieht Ron Merz den Ankerinvestor Daimler. Der Autobauer profitierte von der Ausgliederung des Profifußballs in eine Aktiengesellschaft und ist bis heute der einzige Investor des VfB. Grundsätzlich habe Daimler "sehr viel Einfluss und nimmt sich den auch", sagte Merz. "Vielleicht ist das etwas in Bedrängnis geraten durch die neue Konstellation mit dem Präsidenten Vogt".

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