
Eine verantwortungsvolle Vermögensanlage an den weltweiten Aktienmärkten sei eine sinnvolle und überfällige Ergänzung, sagte der Finanz- und Verbraucherschutzexperte Hartmut Walz dem Deutschlandfunk. Zwar wiesen Aktien kurzfristige Kursrisiken auf. Jedoch glichen sich diese im Zeitablauf stets wieder aus. Bei einem Anlagehorizont, der weit über einem Jahrzehnt liege, könnten die Kursrisiken einer breit gestreuten Aktienanlage getrost vernachlässigt werden, sagte der Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Ludwigshafen. Deshalb wertete er die Idee, einen Teil der gesetzlichen Rente nicht nach dem Umlageverfahren, sondern durch Kapitaldeckung zu erwirtschaften, als "uneingeschränkt zu begrüßen". Das Risiko von Kursverlusten gut diversifizierter Aktienanlagen sinke mit steigendem Zeithorizont stark ab, bei Langfristanlagen sogar auf Null. Auch andere Ökonomen äußerten sich grundsätzlich positiv zur Einführung einer Kapitalrente.
Grüner Zuspruch und Kritik von links
Der Grünen-Vorsitzende Banaszak hat die geplante Abschaffung der Rente mit 63 ebenfalls befürwortet. In ihrer Pauschalität passe sie nicht mehr in die Zeit, sagte Banaszak im Deutschlandfunk. Die rentenpolitische Sprecherin der Linken, Vollath, verteidigte dagegen die abschlagsfreie Frühverrentung.Es müsse weiterhin möglich sein, nach 45 Beitragsjahren mit der Arbeit aufzuhören. Es sei eine Frage der Anerkennung von Lebensleistungen der Menschen.
Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Kampeter, sieht in einer Beendigung der Rente mit 63 eine Möglichkeit, dem Fachkräftemangel in Deutschland vorzubeugen. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es nicht die Mühseligen und Beladenen gewesen seien, die dieses Modell in Anspruch genommen hätten. Vielmehr seien den Betrieben viele Leistungsträger verloren gegangen.
Auch die Industriestaaten-Organisation OECD hat die von der Rentenkommission vorgelegten Reformen der gesetzlichen Altersvorsorge gelobt. Die in Paris ansässige Organisation empfahl aber, neben Selbstständigen und Abgeordneten auch Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung aufzunehmen. "Dies hätte es sicherlich für viele gesetzlich Versicherte aus Fairness-Gesichtspunkten einfacher gemacht, das große Reformpaket zu unterstützen", betonte Grundke. Auch würden die Anreize für einen Wechsel aus dem Staatsdienst in die private Wirtschaft verbessert. Derzeit sei der Verlust der Beamtenpension ein wichtiger Faktor, sich gegen solch einen Stellenwechsel zu entscheiden.
Experten warnen vor Risiko für Konsum und Jobs
Kritik an den Plänen der Rentenkommission kommt von gewerkschaftsnahen Ökonomen. Eine Anhebung der Rentenbeiträge zum Aufbau eines Kapitalstocks entziehe Kaufkraft und dürfte so den Konsum und das Wirtschaftswachstum dämpfen, heißt es in einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Eine Folge davon wären auch niedrigere Einnahmen für Staat und Sozialversicherungen. "Ein Fonds am Aktienmarkt muss erst einmal mühsam aufgefüllt werden, bevor man Erträge auszahlen kann", sagte der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Dullien. "Der jetzt gewählte Weg bedeutet, dass in den kommenden Jahrzehnten Erwerbstätige zunächst doppelt bezahlen müssen – einmal für die Rente der Älteren und einmal zum Aufbau des Kapitalstocks." Von 2028 an könnte der Kapitalstock nach dem Vorschlag der Kommission so nach Modellrechnungen von IMK und WSI in der Summe rund ein Prozent Wirtschaftswachstum und knapp 250.000 Jobs kosten. Positiv zu bewerten ist dagegen aus Sicht der Institute die Ausweitung der Versicherungspflicht auf Selbstständige.
Kapitalgedeckte Altersversorgung für "Eckrentner"
Nach den Vorschlägen der Rentenkommission soll zusätzlich zur bestehenden Umlagerente innerhalb der Rentenversicherung eine kapitalgedeckte Komponente eingeführt werden.Das Geld wird an der Börse angelegt und soll eine Zusatzversorgung für künftige Rentner erbringen. Kommissionsmitglied Bucher-Koenen erklärte, laut den Vorausberechnungen könnte ein sogenannter Eckrentner im Mittel nach 45 Jahren Ansparzeitraum in der Kapitalrente auf über 770 Euro mehr Rente monatlich kommen. Der Begriff ”Eckrentner” bezeichnet eine fiktive Person, die 45 Jahre lang durchschnittlich verdient und in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat. Damit hat sie 45 Entgeltpunkte erworben. Das Verhältnis der Rente dieser Vergleichsperson zum aktuellen Durchschnittseinkommen beziffert das Renenniveau.
Diese Nachricht wurde am 24.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.






