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Viele Wege führen nach Bologna

Das Ziel des so genannten Bologna-Prozesses: Bis zum Jahr 2010 müssen alle Hochschulen in Europa die Studienreform beendet haben und ihre Studienangebote international vergleichbarer machen: Sie müssen die Studiengänge modularisieren, die neuen Abschlüsse Bachelor und Master ebenso wie das ECTS-Kreditpunkte-System einführen. Doch mit der Umsetzung hapert es noch. Deshalb gibt es nun seit Juli eine zentral bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) angesiedelte Servicestelle, die nahezu alle offenen Fragen rund um den Bologna-Prozess beantwortet.

Von Antje Allroggen |
    Wenn ich mich jetzt informieren möchte, welche richtigen Informationen es dazu gibt oder was ich unbedingt noch berücksichtigen muss an Dokumenten, wo kann ich dann gucken?

    Es gibt zunächst mal den Rahmen von verbindlichen gesetzlichen Vorgaben. Da ist das Hochschulrahmengesetz, das seit einigen Jahren überhaupt die Bachelor/Master-Abschlüsse erlaubt.

    Ah ja, okay.

    Besuch bei der Servicestelle zum Bologna-Prozess bei der Hochschulrektorenkonferenz in Bonn: Eine Hochschulmitarbeiterin will sich über die Studienreform informieren. Ihre Universität hat in einigen Fächern bereits die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse eingeführt. Dennoch hat die Hochschule, was die weiteren strukturellen Änderungen anbetrifft, noch viele offene Fragen. Zum Beispiel zur Einführung des Kreditpunktesystems ECTS:

    Können Sie mir vielleicht noch etwas zu dem ECTS sagen?

    Ja, das ECTS ist ein standardisiertes Instrument, um Studienbestandteile zu gewichten. Es geht im Grunde darum, sich Rechenschaft darüber abzulegen, welchen Anteil eine Veranstaltung am gesamten Studium eines Jahres hat.

    Wir haben viele Einzelanfragen zu einzelnen Elementen, zum Beispiel zum ECTS oder auch zur Modularisierung. Wir haben viele Fragen zur aktuellen oder gültigen Beschlusslage , dass Leute Informationsmaterial anfordern. Da versuchen wir immer wieder auf der Basis der Informationen, die uns so vorliegen aus den Hochschulen, Auskunft zu geben.

    Andrea Frank leitet die Informationsstelle bei der HRK. Obwohl es die Einrichtung erst seit einigen Wochen gibt, haben schon etliche Hochschulangestellte den Beratungsdienst in Anspruch genommen. Grund dafür mag sein, dass die bisherigen Informationen über den Bologna-Prozess eher verwirrend, als erhellend waren, vermutet Jan Rathjen, Mitarbeiter der HRK-Servicestelle:

    Was ich mal hatte, war eine Person, die mit großem Engagement versucht hat, sich über den Bologna-Prozess zu informieren und dabei auf Websites gestoßen ist, die ich dann gar nicht mehr nachvollziehen konnte. Wo Informationen waren, die irgendwie sehr quer gegangen waren. Und in dieser Absurdität wird dann auch gleichzeitig das ganz wichtige Problem deutlich. Wie kann man das ganze auch effizienter gestalten, als dass sich jeder durch Bologna und verwandte Themen googelt, das war eine erhellende Sache in dem Moment.

    Die Fragen, die an die Servicestelle der HRK herangetreten werden, sind ein guter Spiegel dafür, wie weit die einzelnen Hochschulen und auch Fachdisziplinen sich bislang mit der Umsetzung des Bologna-Prozesses beschäftigt haben. Während einige Fächer ihr Studienangebot größtenteils umgestellt haben, ist die Skepsis in anderen Disziplinen noch groß, weiß Andrea Frank.

    Die Diskussion rankt sich sehr um die Frage: Was bedeutet der Bachelor in meinem Fach, und wenn ich den Absolventen produziere, kann ich den erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt platzieren. Was bedeutet das in der Chemie zum Beispiel für die Arbeitsmarktstruktur, wo sehr stark der promovierte Chemiker nachgefragt wird. Es gibt da eine ganze Reihe an Vorbehalten, die wir versuchen, ernst zu nehmen und aufzunehmen in die Diskussion, weil ignorieren wollen wir die ja nicht.

    Weil die Vermittelbarkeit der Absolventen beim Bologna-Prozess eine wichtige Rolle spielt, versucht die Servicestelle auch, einzelne Unternehmen von den Vorteilen der neuen Abschlüsse zu überzeugen, Hochschule und Wirtschaft in Veranstaltungen zusammen zu bringen. Um sich als Ansprechpartner für Bologna zu etablieren, bleibt der Servicestelle vielleicht nicht mehr viel Zeit. Bisher sollen nämlich nur ein Jahr lang Gelder für den Informationsdienst fließen. Christiane Ebel-Gabriel, Generalsekretärin der HRK.


    Das soll ein Anschub sein, die Hochschulen sollen den Prozess ja aus eigener Kraft gestalten, aber wir wollen Initialzündung setzen oder dazu beitragen, dass der Prozess in der Fläche doch einen entscheidenden Schub kriegt.

    Sie werden bald auch eine Website finden, Servicestelle Barcelona - äh, Servicestelle Bologna HRK - das ist wirklich das Anliegen der HRK, sich in diesem Feld als Dienstleister zu betätigen.

    Ja, super, herzlichen Dank.

    Bis bald.