Sonntag, 03. Juli 2022

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Vielfalt statt Einfalt produzieren

Wirtschaft und Politik wollen den Artenrückgang stoppen. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat dafür das Dialogforum "Unternehmen Biologische Vielfalt 2020" ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Wirtschaft und Umweltverbänden soll nach Lösungen gesucht werden.

Von Dieter Nürnberger | 05.03.2013

Zuallererst versucht die Wirtschaft zusammen mit Politik und Naturschutzverbänden einen bereits vorhandenen Dialog zu vertiefen, auszubauen. Aus diesem Dialog sollen dann auch Ideen und konkrete Ansätze entwickelt werden. Genau deshalb gab es heute Vormittag in Berlin die Auftaktveranstaltung für die neue Dialog- und Aktionsplattform "Unternehmen Biologische Vielfalt 2020".

Gleich zu Beginn der Veranstaltung machte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) darauf aufmerksam, dass der Verlust von biologischer Vielfalt - global und auch national - schon jetzt ein wesentliches Problem auch für die Wirtschaft darstelle. Denn die bezieht ja beispielsweise Rohstoffe und auch Ideen eben aus dieser biologischen Vielfalt.

"Neue Klebstoffe und auch neue Farben werden entwickelt, auch neue Oberflächenbeschichtungen. Vieles, was wir aus der belebten Natur entlehnen. Deshalb ist es wichtig, dass diese Natur auch in Zukunft vielfältig bleibt, dass sie nicht an Vielfalt verliert - das tut sie aber derzeit."

Somit ist der Anlass, die Idee dieses Dialogforums klar formuliert: Den Artenrückgang - national und auch global - zu stoppen.

Natur und Wirtschaft oder Natur und Industrie, das ist natürlich nicht immer ein harmonisches Verhältnis. Darauf zumindest macht auch Martin Wansleben, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, aufmerksam.

"Also wenn wir jetzt, um Vielfalt zu verteidigen, der Konzentration von Industrieansiedlungen das Wort reden, dann produzieren wir Einfalt und nicht Vielfalt. Der wechselseitige Dialog ist somit wichtig."

Wansleben setzt auf diesen Dialog mit der Politik und den Umweltgruppen, gesetzliche Lösungen, Verbote etc. seien nicht immer der beste Weg.

Dass sich eine nachhaltige Nutzung der Natur langfristig lohne, das betont der Bundesumweltminister, der in diesem Zusammenhang auf die gestiegene Erwartungshaltung der Konsumenten hinweist, die ja die Produkte vieler Firmen kaufen sollen.

"Wenn Sie über ein Unternehmen verfügen, das in diesem Bereich vorbildlich ist, dann hat das Auswirkungen auf die Kundenzufriedenheit, auch auf das Kaufverhalten der Kunden. Denn den Kunden ist es nicht egal, woher die Produkte kommen. Gerade in diesem Bereich haben wir Wachstumsraten, oftmals höher als in anderen Bereichen."

Auch Umweltgruppen suchen diesen Dialog mit der Wirtschaft, um Verbesserungen zum Erhalt der Biodiversität zu erreichen. Beispielsweise der Naturschutzbund Deutschland. Die Industrie, die Wirtschaft, sagt Till Hopf vom NABU, dürfe in diesem Dialog gar nicht außen vor gelassen werden, weil sie auch ein Mitverursacher des Problems seien.

"Gerade in Deutschland haben wir die Intensivierung der Landnutzung – das betrifft etwa die intensive Forstwirtschaft. Auch, was den Biomasseanbau für die erneuerbaren Energien angeht. Das sind Probleme, die wir haben. Wenn wir global schauen, dann betrifft es vor allem auch die Textilindustrie, besonders die Produktion von Baumwolle. Also alles, was mit dem Verbrauch von Ressourcen zu tun hat."

Es geht somit um die Unternehmensperspektive, es geht darum, die Wirtschaft auf neue Herausforderungen aufmerksam zu machen, zu sensibilisieren. Daraus könne in kleinen Schritten auch Konkretes entstehen, sagt NABU-Experte Till Hopf:

"Wir haben ja schon über Rohstoffe gesprochen: Da kann es sein, dass man schaut, woher die Produkte kommen. Woher kommt beispielsweise mein Obst? Da muss man den Dialog mit den Erzeugern suchen, damit der Pestizideinsatz reduziert wird, um die Artenvielfalt in den Anbaugebieten nicht zu sehr zu schädigen. Das wäre ein konkretes Beispiel. Es geht auch um kleine Schritte: etwa die Gestaltung von Betriebsgeländen. Da kann man viel machen, damit sogar Geld sparen. Indem seltener gemäht wird, indem heimische Gehölze ausgebracht werden. Das wären kleinere Beispiele."

Ob aus diesem Dialog dann allein schon effiziente Maßnahmen mit messbaren Erfolgen hervorgehen können, das muss abgewartet werden. Aber alle Beteiligten wollen, dass der Dialog zum besseren Schutz der Biodiversität weitergehen soll.