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Vielfalt zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Nicht nur beim Kampf gegen den Klimawandel will Europa eine Vorreiterrolle einnehmen, sondern auch beim Kampf gegen den Artenschwund. Das dreitägige Treffen der europäischen Naturschutzdirektoren in Potsdam hat vor allem das Ziel, den UN-Weltgipfel zur biologischen Vielfalt vorzubereiten, der in einem Jahr in Bonn stattfindet.

Von Claudia van Laak | 15.05.2007

Die Zahlen sind beängstigend: Weltweit verlieren wir jährlich 13 Millionen Hektar Wald. Die Karibischen Korallenriffe sind bereits zu 80 Prozent zerstört. Ein Viertel der Meeresfischbestände ist gefährdet, ein Drittel aller Mangroven wurde innerhalb der letzten 20 Jahre vernichtet. Staats- und Regierungschefs haben auf dem UN-Gipfel in Johannesburg beschlossen, diesen rapiden Verlust an biologischer Vielfalt bis zum Jahr 2010 wenigstens zu bremsen. Von diesem Ziel sind wir weit entfernt, konstatiert Jochen Flasbarth, Abteilungsleiter Naturschutz im Bundesumweltministerium:

"Die Wälder der Welt werden in rasantem Tempo abgeholzt, die Meere werden überfischt, also es ist offenkundig, wir haben sehr, sehr viel zu tun, sehr wenig Zeit, und Deutschland möchte diesen Prozess sehr energisch voranbringen."

Dazu dient die Potsdamer EU-Naturschutzdirektorenkonferenz, die unter anderem die 9. UN-Naturschutzkonferenz vorbereitet. An diesem Treffen in Bonn im nächsten Jahr nehmen alle Staaten teil, die sich zur UN-Konvention über die biologische Vielfalt bekannt haben:

"Wir wollen jetzt hier mit der EU-Kommission gemeinsam überlegen, nicht nur, wie können wir den internationalen Prozess beeinflussen, sondern auch, was können wir bei uns tun? Denn auch bei uns stehen die Dinge ja nicht zum Besten."

So kommt die Umsetzung des ehrgeizigen Natura-2000-Programms, also die Ausweisung großflächiger Schutzgebiete, nur sehr schleppend voran. Die Europäische Vogelschutzrichtlinie und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelten vielerorts als Instrument zur Verhinderung notwendiger Investitionen. Wirtschaftsvertreter möchten diese EU-Richtlinien gerne kippen. Wir nicht?, sagt Jochen Flasbarth vom Bundesumweltministerium:

"Unsere Position ist, dass wir in der Anwendung der Richtlinien einen gewissen Pragmatismus entwickeln, die Leute vor Ort, die betroffen sind, mit einbeziehen. Dann wird man sehen, dass diese Richtlinien im Allgemeinen nicht nur unproblematisch sind, sondern für die Region etwas Gutes liefern können."

Umweltschutzorganisationen wie der World Wildlife Found oder Greenpeace halten eine schnelle Ausweisung von großen Schutzgebieten für notwendig, um den Artenverlust zu bremsen. Besonders auf Hoher See gibt es kaum Schutzgebiete, kritisiert die Meeresbiologin Iris Menn von Greenpeace:

"Wir fordern, dass sich die Konferenz nächstes Jahr mit illegalem Holzeinschlag und illegalem Vertreiben von Fisch beschäftigt, dort Maßnahmen beschließt, wie man genau das verhindern kann und auch die Finanzierung von Schutzgebieten in den Wäldern und auf den Meeren ermöglicht."

Greenpeace-Mitarbeiterin Menn lobt die Bundesregierung für ihr Engagement bei der Ausweisung von Naturschutzgebieten, bemerkt aber gleichzeitig: Einige Schutzgebiete existieren nur auf dem Papier:

"Im Augenblick sind Schutzgebiete in Nord- und Ostsee außerhalb von zwölf Seemeilen vorgeschlagen bei der Europäischen Gemeinschaft in dem Netzwerk Natura 2000, doch es liegen keine Vorschriften, keine Managementpläne für diese Gebiete vor, so dass keine Nutzungen beschränkt sind. Das heißt, Fischerei, Sand- und Kiesabbau, Öl- und Gasförderung sind nach wie vor in diesen Gebieten erlaubt."

Es seien Schutzgebiete ohne echten Schutz, kritisiert Greenpeace die Bundesregierung.