
Schmidt-Chanasit sagte im Podcast "Unboxing News" von Deutschlandfunk Nova, das Hantavirus sei viel weniger ansteckend als zum Beispiel das Coronavirus. Für eine Infektion müssten Menschen über einen langen Zeitraum sehr engen Kontakt haben - eben wie auf dem Kreuzfahrtschiff. Dann allerdings sei die Fallsterblichkeit viel höher als beim Coronavirus. Laut dem Forscher vom Tropeninstitut Hamburg liegt sie bei der Andes-Variante des Hantavirus bei 30 bis 40 Prozent.
Wie sicher ist es, dass der Ausbruch auf den Andes-Stamm des Hantavirus zurückgeht?
Laut der südafrikanischen Regierung ist der Andes-Stamm bei einem Passagier, der nach Südafrika geflogen wurde, in Labortests "vorläufigen Ergebnissen zufolge" nachgewiesen worden. Nur beim Andes-Stamm ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung überhaupt möglich. Bei einem weiteren Passagier, der in die Schweiz gebracht wurde, gelang der Nachweis laut dem Uniklinikum Genf ebenfalls.
Der Andes-Stamm des Hantavirus ist vor allem in Südamerika verbreitet. Am Anfang löse es vor allem grippeähnliche Symptome oder Magenprobleme aus, sagt Katrin Kühn aus der Deutschlandfunk-Wissenschaftsredaktion. Es gebe keine Medikamente, die direkt gegen das Virus helfen. Atemwegsproblem würden mit Sauerstoffzufuhr gelindert.
Wie ist das Virus auf die "MV Hondius" gekommen?
Das ist nicht bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, der erste auf dem Schiff erkrankte Passagier habe sich vermutlich schon vor Beginn der Reise infiziert, die von Ushuaia in Argentinien zu den Kapverden vor der Küste Westafrikas führte. Zwischen dem 6. und 28. April seien dann immer mehr der knapp 150 Passagiere und Besatzungsmitglieder auf dem Schiff krank geworden. Sie litten laut WHO zunächst an Fieber und Magen-Darm-Problemen und entwickelten dann rasch Atemwegserkrankungen bis hin zu Lungenentzündung, akutem Atemnot und Schock.
Wie viele Todesopfer gibt es?
Drei Passagiere der "MV Hondius" sind an den Folgen der Hantavirus-Infektion gestorben. Weitere haben sich angesteckt und zeigen Symptome. Zwei schwer erkrankte Besatzungsmitglieder und eine Kontaktperson sind von Bord geholt worden und sollen laut WHO in den Niederlanden behandelt werden.
Wie wird das Hantavirus übertragen?
Hantaviren werden normalerweise von Nagetieren übertragen. Sie verbreiten sich über infizierte Ausscheidungen. Die Zeit zwischen dem Kontakt mit dem Virus und dem Auftreten erster Symptome kann bis zu acht Wochen betragen. Es gibt keinen spezifischen Impfstoff.
Wie häufig kommen Infektionen mit dem Andes-Stamm in Europa vor?
Laut Jonas Schmidt-Chanasit vom Tropeninstitut in Hamburg sind Fälle, in denen der Andes-Stamm des Hantavirus nach Europa "importiert" wurde, eine "absolute Rarität". Normalerweise infizierten sich Soldaten, Forstarbeiter oder Menschen, die in der Landwirtschaft tätig seien, weil sie eher Kontakt mit Nagetieren hätten.
Wie geht es weiter mit den Passagieren auf der MV Hondius?
Das Kreuzfahrtschiff liegt derzeit weiter vor Kap Verde. Die spanische Regierung hat erlaubt, dass die MV Hondius auf den Kanaren anlegen darf - gegen den Willen der kanarischen Regionalregierung, die Sicherheitsbedenken geltend macht. Wie lange die Passagiere in Quarantäne müssen, ist offen.
Die WHO stuft das Risiko für die breite Öffentlichkeit als gering ein. Reisebeschränkungen werden nicht empfohlen. Forscherinnen und Forscher aus mehreren Ländern arbeiten zusammen, um die Erregerart genetisch zu klären und die Ausbreitungskette besser zu verstehen.
Diese Nachricht wurde am 06.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
