Der vietnamesische Bildungsminister Prof. Nguyen Thien Nhan ist nach Berlin gereist, um vom europäischen Bildungssystem zu lernen: vom Bologna-Prozess, von den neuen Bachelor-Studiengängen - von den Bildungsstandards in der EU.
"Wir haben große Investitionen von Ausland. Zum Beispiel letztes Jahr, das war über sechs Milliarden US-Dollar Direktinvestitionen - und für solche Unternehmen in der Computer- oder in der Automobilindustrie sie brauchen qualifizierte Leute. Und im Moment sind wir noch nicht in der Lage, allen Bedarf der ausländischen Investoren zu befriedigen. Daher brauchen wir internationale Zusammenarbeit."
Vietnamese Nguyen hat einst Automatisierungstechnik in der DDR studiert. Seitdem, so der 55-Jährige, interessiere ihn das deutsche Hochschulsystem. Vor allem die Anerkennung deutscher Studienleistungen im Ausland sei für ihn spannend. Ähnlich das Interesse seiner asiatischen Kollegen, die etwa aus China, Japan und Korea angereist sind. Die Gastgeberin, Bundesbildungsministerin Annette Schavan, erklärt, Asien habe die Aus- und Weiterbildung als Zukunftsthema entdeckt:
"In asiatischen Ländern ist so stark wie vermutlich in kaum einer anderen Region der Welt bewusst, dass hier der Schlüssel für künftigen Wohlstand liegt, dass hier der Schlüssel für Armutsbekämpfung liegt. So erleben wir die Asiaten auch: Sie suchen den Kontakt mit Europa und sie wollen auch ihre Länder interessant machen für Studierende aus Europa. Denn bislang haben wir deutlich mehr asiatische Studierende in Deutschland als umgekehrt."
Nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes kommen jedes Jahr rund 60.000 asiatische Studierende nach Deutschland. Im Gegenzug gehen aber lediglich rund 6000 deutsche Studenten nach Asien. Susanne Burger, die zuständige Referatsleiterin im Bundesbildungsministerium, analysiert das Ungleichgewicht:
"Das liegt glaub ich einmal an dem traditionellen Bildungswillen der asiatischen Länder, ein enormer Wille vom Ausland zu lernen, ins Ausland zu gehen. Und ein anderes Problem könnte sein, dass, was in Asien angeboten wird, viel zu wenig bekannt ist in Europa. Wir wissen gar nicht, dass es viele englischsprachige Studiengänge gibt an den asiatischen Universitäten - und vielleicht sind die Europäer noch nicht mobil genug. Sie sollten aber viel mehr nach Asien gehen."
Weiterer Diskussionspunkt beim Ministertreffen: die Arbeitsmarktchancen der Hochschulabsolventen. Geklagt wird etwa, dass viele asiatische Akademiker, etwa aus Indien, in ihrer Ausbildung nur unzureichend auf den Praxiseinsatz vorbereitet werden. Das europäische Akkreditierungs-Modell stehe deshalb bei den Gästen hoch im Kurs, berichtet Annegret Kramp-Karrenbauer, die Präsidentin der deutschen Kultusministerkonferenz. Vor allem die Beteiligung von Sozialpartnern sorge für Gesprächsstoff:
"Also Sozialpartner bedeutet, die Arbeitgeber- und die Arbeitnehmerorganisationen sitzen gemeinsam mit den Hochschulen in den Akkreditierungsräten und schauen, welche - nach dem Bologna-Prozess - welche Bachelor- oder Master-Studiengänge mit welchen Inhalten anerkannt werden. Und das zeigt die hohe Verantwortung sowohl der Wirtschaftsseite als auch der Wissenschaftsseite für diese gemeinsamen Ausbildungen."
Das Bundesbildungsministerium ist überzeugt, dass das erste europäisch-asiatische Fachministertreffen ein Erfolg war. So hätten etwa viele Tagungsteilnehmer bilaterale Verträge für Austauschprogramme vorbereitet - auch wenn noch nichts unterschriftsreif sei. Die deutschen Probleme bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge - wie hoher Zeit- und Leistungsdruck - seien dagegen kein Thema gewesen, berichtet Referatsleiterin Susanne Burger. Die Asiaten interessierten sich eher für Bildungsstrukturen und Bildungsstandards als für Ausbildungszeiten.
"Man muss ja sehen: Wir haben den Bologna-Prozess, wie haben die Europäische Union. Das gibt es in Asien noch nicht. Und man hat deutlich gemerkt - ganz viele asiatische Staaten haben gestern angesprochen: Sie wollen überlegen, ob sie einen ähnlich innerasiatischen Prozess auch anstoßen. Und wenn das gelingt, kann ich nur sagen, das wäre natürlich ein großer Schritt nach vorne."
"Wir haben große Investitionen von Ausland. Zum Beispiel letztes Jahr, das war über sechs Milliarden US-Dollar Direktinvestitionen - und für solche Unternehmen in der Computer- oder in der Automobilindustrie sie brauchen qualifizierte Leute. Und im Moment sind wir noch nicht in der Lage, allen Bedarf der ausländischen Investoren zu befriedigen. Daher brauchen wir internationale Zusammenarbeit."
Vietnamese Nguyen hat einst Automatisierungstechnik in der DDR studiert. Seitdem, so der 55-Jährige, interessiere ihn das deutsche Hochschulsystem. Vor allem die Anerkennung deutscher Studienleistungen im Ausland sei für ihn spannend. Ähnlich das Interesse seiner asiatischen Kollegen, die etwa aus China, Japan und Korea angereist sind. Die Gastgeberin, Bundesbildungsministerin Annette Schavan, erklärt, Asien habe die Aus- und Weiterbildung als Zukunftsthema entdeckt:
"In asiatischen Ländern ist so stark wie vermutlich in kaum einer anderen Region der Welt bewusst, dass hier der Schlüssel für künftigen Wohlstand liegt, dass hier der Schlüssel für Armutsbekämpfung liegt. So erleben wir die Asiaten auch: Sie suchen den Kontakt mit Europa und sie wollen auch ihre Länder interessant machen für Studierende aus Europa. Denn bislang haben wir deutlich mehr asiatische Studierende in Deutschland als umgekehrt."
Nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes kommen jedes Jahr rund 60.000 asiatische Studierende nach Deutschland. Im Gegenzug gehen aber lediglich rund 6000 deutsche Studenten nach Asien. Susanne Burger, die zuständige Referatsleiterin im Bundesbildungsministerium, analysiert das Ungleichgewicht:
"Das liegt glaub ich einmal an dem traditionellen Bildungswillen der asiatischen Länder, ein enormer Wille vom Ausland zu lernen, ins Ausland zu gehen. Und ein anderes Problem könnte sein, dass, was in Asien angeboten wird, viel zu wenig bekannt ist in Europa. Wir wissen gar nicht, dass es viele englischsprachige Studiengänge gibt an den asiatischen Universitäten - und vielleicht sind die Europäer noch nicht mobil genug. Sie sollten aber viel mehr nach Asien gehen."
Weiterer Diskussionspunkt beim Ministertreffen: die Arbeitsmarktchancen der Hochschulabsolventen. Geklagt wird etwa, dass viele asiatische Akademiker, etwa aus Indien, in ihrer Ausbildung nur unzureichend auf den Praxiseinsatz vorbereitet werden. Das europäische Akkreditierungs-Modell stehe deshalb bei den Gästen hoch im Kurs, berichtet Annegret Kramp-Karrenbauer, die Präsidentin der deutschen Kultusministerkonferenz. Vor allem die Beteiligung von Sozialpartnern sorge für Gesprächsstoff:
"Also Sozialpartner bedeutet, die Arbeitgeber- und die Arbeitnehmerorganisationen sitzen gemeinsam mit den Hochschulen in den Akkreditierungsräten und schauen, welche - nach dem Bologna-Prozess - welche Bachelor- oder Master-Studiengänge mit welchen Inhalten anerkannt werden. Und das zeigt die hohe Verantwortung sowohl der Wirtschaftsseite als auch der Wissenschaftsseite für diese gemeinsamen Ausbildungen."
Das Bundesbildungsministerium ist überzeugt, dass das erste europäisch-asiatische Fachministertreffen ein Erfolg war. So hätten etwa viele Tagungsteilnehmer bilaterale Verträge für Austauschprogramme vorbereitet - auch wenn noch nichts unterschriftsreif sei. Die deutschen Probleme bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge - wie hoher Zeit- und Leistungsdruck - seien dagegen kein Thema gewesen, berichtet Referatsleiterin Susanne Burger. Die Asiaten interessierten sich eher für Bildungsstrukturen und Bildungsstandards als für Ausbildungszeiten.
"Man muss ja sehen: Wir haben den Bologna-Prozess, wie haben die Europäische Union. Das gibt es in Asien noch nicht. Und man hat deutlich gemerkt - ganz viele asiatische Staaten haben gestern angesprochen: Sie wollen überlegen, ob sie einen ähnlich innerasiatischen Prozess auch anstoßen. Und wenn das gelingt, kann ich nur sagen, das wäre natürlich ein großer Schritt nach vorne."