"Boiko Borissov ist ein interessantes Phänomen, ein Mediengenie, dem eine glänzende Zukunft vorausgesagt wird. Als Autodidakt ist er dennoch ein sehr erfolgreicher politischer Akteur und Führer. Er versteht es, mit den Medien umzugehen. Seine ganze Tätigkeit ist auf die Medien gerichtet","
erzählt Emil Tsenkow über den Bürgermeister der Stadt Sofia. Emil Tsenkow hat nicht nur die politischen Entwicklungen in Bulgarien miterlebt, sondern er hat sich damit wissenschaftlich befasst. Er ist Mitautor der Studie "Anti-Korruptionsreformen in Bulgarien". Seit mehr als zehn Jahren arbeitet er im Zentrum für Demokratieforschung und erforscht mit 50 weiteren Experten den Transformationsprozess. Die Experten richten ihr Augenmerk auf die Etablierung der Demokratie, auf die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und der politischen Korruption.
Bürgermeister Borissov, von dem Tsenkow sagt, er sei ein Autodidakt und Medienkenner, ist beliebt und zugleich berüchtigt. Seine Karriere begann Borissov als Leibwächter des kommunistischen Diktators Todor Schiwkow. Dann gründete er eine Sicherheitsfirma und wurde danach Staatssekretär im bulgarischen Innenministerium. Und bevor er vielleicht Präsident werden will, kandidiert er erst einmal erneut für den Posten des Bürgermeisters von Sofia. Der Korruptionsbekämpfer Emil Tsenkow bescheinigt ihm:
""Ich wüsste nicht, ob er heute in irgendwelche dunkle Geschäfte verwickelt ist. Dies widerspricht auch seinen weitergehenden Zielen. In den 90er Jahren war das ganze Geschäftsleben in Bulgarien korrumpiert, und es herrschte Organisierte Kriminalität. Als Chef einer Sicherheitsfirma hatte er gewiss entsprechende Kontakte. Viele seiner Kollegen wurden nach einer kriminellen Vergangenheit große kriminelle Bosse, andere wiederum Geschäftsleute, legale Millionäre."
Borissov leugnet die Bekanntschaft mit ihnen nicht. Aber heute stehe seine Partei GERB recht einsam da, nachdem sie bei der ersten Direktwahl zum Europaparlament gewonnen hatte, dicht gefolgt von den regierenden Sozialisten und der mitregierenden Türkenpartei DPS.
"Die Partei steht jetzt allein gegen alle. Keiner unterstützt uns bei den Kommunalwahlen. Alle sind gegen die Partei GERB. Das ist nur verständlich. Denn die Partei setzt sich ein für die Bekämpfung der Korruption, insbesondere gegen die Korruption unter den Abgeordneten in Lokalparlament, also Gemeindeparlament und der organisierten Kriminalität in Sofia."
Der Eingang zu Borissovs Büro wird von Leibwächtern bewacht. Es ist ein kleiner Raum. Auf der lackierten Oberfläche des Tisches glänzt ein Kalenderstapel, auf dem der Bürgermeister abgebildet ist.
Bojko Borissov sitzt nicht. Er liegt förmlich auf seinem Sessel und beantwortet Fragen. Seine blaue Jeanshose passt gut zu den beigen Lederschuhen. Die ebenfalls beige Jacke trägt er lässig. Er hat wenig Zeit und ist im Begriff zu gehen. Die Pausen beim Dolmetschen nutzt er für Handygespräche.
Im Unterschied zu anderen Parteien führe seine Partei GERB eine unübliche Wahlkampagne, erklärt Borissov:
"Man wird weder im Fernsehen, Radio noch in den Zeitungen Werbung von uns finden Es gibt auch keine großen Plakate von GERB. Und die großen Poster werden nicht wie üblich aufgeklebt auf den Straßen, sondern die werden nur persönlich ausgeteilt."
Die Partei benutze nicht die Möglichkeiten und die Finanzierung des privaten Businesssektors, um später nicht in Abhängigkeit zu geraten, so Borissov Deshalb stehe es auf den Postern: eine offene Regierung, garantiert von GERB. In Sofia wird GERB allein kandidieren. Unterstützt wird seine Partei von der Hanns-Seidel-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie durch die Mitgliedschaftsgelder.
Am Vorabend der Kommunalwahlen beunruhigen Emil Tsenkow die jüngsten Entwicklungen in der Parteienlandschaft Bulgariens:
""Es ist ein neues Phänomen. Es werden neue Parteien gegründet, die weder Ideologie noch eine breite Basis haben. Dahinter stecken wirtschaftliche Gruppierungen und manchmal sogar finanzkräftige Einzelpersonen","
so der Wissenschaftler. Ziel solcher Formierungen sei es, in die Gemeinderäte einzudringen, wo sie ein straffes Korruptionssystem aufbauen können. Während diese kleinen Parteien im Lande wie Pilze wüchsen, stürben die traditionellen Parteien, die in der Übergangsperiode entstanden seien.. Emil Tsenkow führt dies auf die Politikverdrossenheit im Lande zurück, auf die Armut in der Bevölkerung, die für Bestechungsgelder anfällig sei. Für nur zehn Leva, würden Stimmen gekauft, in London sei das der Preis einer U-Bahn-Fahrkarte.
erzählt Emil Tsenkow über den Bürgermeister der Stadt Sofia. Emil Tsenkow hat nicht nur die politischen Entwicklungen in Bulgarien miterlebt, sondern er hat sich damit wissenschaftlich befasst. Er ist Mitautor der Studie "Anti-Korruptionsreformen in Bulgarien". Seit mehr als zehn Jahren arbeitet er im Zentrum für Demokratieforschung und erforscht mit 50 weiteren Experten den Transformationsprozess. Die Experten richten ihr Augenmerk auf die Etablierung der Demokratie, auf die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und der politischen Korruption.
Bürgermeister Borissov, von dem Tsenkow sagt, er sei ein Autodidakt und Medienkenner, ist beliebt und zugleich berüchtigt. Seine Karriere begann Borissov als Leibwächter des kommunistischen Diktators Todor Schiwkow. Dann gründete er eine Sicherheitsfirma und wurde danach Staatssekretär im bulgarischen Innenministerium. Und bevor er vielleicht Präsident werden will, kandidiert er erst einmal erneut für den Posten des Bürgermeisters von Sofia. Der Korruptionsbekämpfer Emil Tsenkow bescheinigt ihm:
""Ich wüsste nicht, ob er heute in irgendwelche dunkle Geschäfte verwickelt ist. Dies widerspricht auch seinen weitergehenden Zielen. In den 90er Jahren war das ganze Geschäftsleben in Bulgarien korrumpiert, und es herrschte Organisierte Kriminalität. Als Chef einer Sicherheitsfirma hatte er gewiss entsprechende Kontakte. Viele seiner Kollegen wurden nach einer kriminellen Vergangenheit große kriminelle Bosse, andere wiederum Geschäftsleute, legale Millionäre."
Borissov leugnet die Bekanntschaft mit ihnen nicht. Aber heute stehe seine Partei GERB recht einsam da, nachdem sie bei der ersten Direktwahl zum Europaparlament gewonnen hatte, dicht gefolgt von den regierenden Sozialisten und der mitregierenden Türkenpartei DPS.
"Die Partei steht jetzt allein gegen alle. Keiner unterstützt uns bei den Kommunalwahlen. Alle sind gegen die Partei GERB. Das ist nur verständlich. Denn die Partei setzt sich ein für die Bekämpfung der Korruption, insbesondere gegen die Korruption unter den Abgeordneten in Lokalparlament, also Gemeindeparlament und der organisierten Kriminalität in Sofia."
Der Eingang zu Borissovs Büro wird von Leibwächtern bewacht. Es ist ein kleiner Raum. Auf der lackierten Oberfläche des Tisches glänzt ein Kalenderstapel, auf dem der Bürgermeister abgebildet ist.
Bojko Borissov sitzt nicht. Er liegt förmlich auf seinem Sessel und beantwortet Fragen. Seine blaue Jeanshose passt gut zu den beigen Lederschuhen. Die ebenfalls beige Jacke trägt er lässig. Er hat wenig Zeit und ist im Begriff zu gehen. Die Pausen beim Dolmetschen nutzt er für Handygespräche.
Im Unterschied zu anderen Parteien führe seine Partei GERB eine unübliche Wahlkampagne, erklärt Borissov:
"Man wird weder im Fernsehen, Radio noch in den Zeitungen Werbung von uns finden Es gibt auch keine großen Plakate von GERB. Und die großen Poster werden nicht wie üblich aufgeklebt auf den Straßen, sondern die werden nur persönlich ausgeteilt."
Die Partei benutze nicht die Möglichkeiten und die Finanzierung des privaten Businesssektors, um später nicht in Abhängigkeit zu geraten, so Borissov Deshalb stehe es auf den Postern: eine offene Regierung, garantiert von GERB. In Sofia wird GERB allein kandidieren. Unterstützt wird seine Partei von der Hanns-Seidel-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie durch die Mitgliedschaftsgelder.
Am Vorabend der Kommunalwahlen beunruhigen Emil Tsenkow die jüngsten Entwicklungen in der Parteienlandschaft Bulgariens:
""Es ist ein neues Phänomen. Es werden neue Parteien gegründet, die weder Ideologie noch eine breite Basis haben. Dahinter stecken wirtschaftliche Gruppierungen und manchmal sogar finanzkräftige Einzelpersonen","
so der Wissenschaftler. Ziel solcher Formierungen sei es, in die Gemeinderäte einzudringen, wo sie ein straffes Korruptionssystem aufbauen können. Während diese kleinen Parteien im Lande wie Pilze wüchsen, stürben die traditionellen Parteien, die in der Übergangsperiode entstanden seien.. Emil Tsenkow führt dies auf die Politikverdrossenheit im Lande zurück, auf die Armut in der Bevölkerung, die für Bestechungsgelder anfällig sei. Für nur zehn Leva, würden Stimmen gekauft, in London sei das der Preis einer U-Bahn-Fahrkarte.