Samstag, 21. Mai 2022

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Vom Rhein bis an den Nil

Forschungspolitik. - 2007 ist nicht nur das Jahr der Geisteswissenschaften, sondern auch das deutsch-ägyptische Jahr der Wissenschaft und Technologie, so zumindest haben es der ägyptische Forschungsminister und seine deutsche Kollegin Annette Schavan vereinbart. Den feierlichen Auftakt dazu machte am Montag ein Symposium an der Universität Kairo.

Gerd Pasch im Gespräch mit Mirko Smiljanic | 15.01.2007

Gerd Pasch: Was ist denn alles geplant für das deutsch-ägyptische Wissenschaftsjahr?

Mirko Smiljanic: Geplant ist eine ganz breite Palette ganz unterschiedlicher Veranstaltungen und Aktivitäten. Zum Beispiel gibt es jede Menge wissenschaftlicher Tagungen und Konferenzen in Ägypten und in Deutschland. Es gibt einen Austausch von Forschern und Studenten, der Deutsche Akademische Austauschdienst DAAD ist dabei sehr aktiv. Es gibt wechselseitige Ausstellungen, zum Beispiel eine digitale Reise ins ewige Ägypten, die im März in Berlin gestartet wird. Und im Herbst, sozusagen ein kleiner Höhepunkt, wird das Forschungsschiff Meteor durch den Suezkanal fahren. Also eine ganz breite Palette unterschiedlicher Veranstaltungen, von der harten Forschung bis hin zu mehr "weichen", kulturellen Themen.

Pasch: Welche Themen werden im Rahmen des deutsch-ägyptischen Jahres den genau angesprochen?

Smiljanic: Den Kern des Wissenschaftsjahres bilden sechs Forschungsnetzwerke in folgenden Fachgebieten: Materialwissenschaften, Wasser, erneuerbare Energien, Biotechnologie, Gesundheitsforschung und Geistes- und Sozialwissenschaften. Sie haben es bereits angesprochen, das ist in diesem Jahr auf jeden Fall ganz wichtig. Zum Beispiel das Thema Wasser, da steht natürlich die Situation des Nils im Vordergrund. Hier engagieren sich Wissenschaftler der Universität Halle-Wittenberg gemeinsam mit Kollegen der Universität Kairo. Erneuerbare Energien, also Solartechnik ist ein ganz wesentlicher Punkt. Dabei werden übrigens nicht nur zwingend neue Kooperationen aufgebaut, sondern es geht auch um die Stärkung und Fortführung bestehender Verbindungen.

Pasch: Welche Rolle spielt denn die deutsche Universität in Kairo, die vor drei Jahren eingeweiht worden ist?

Smiljanic: Sicherlich eine ganz zentrale Rolle, dabei stehen zwei Punkte im Zentrum: einmal geht es um den Export deutscher Studienangebote, so heißt ja ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die deutsche Universität hat zurzeit 5000 Studenten, Deutsche und Ägypter, und es geht - darauf legt Annette Schavan großen Wert, um ein Zukunftsmodell für das Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft. An der deutschen Universität ist ja vor wenigen Monaten erst ein Institut für Metallurgie eröffnet worden, wo deutsche und ägyptische Studenten, aber auch Firmen beider Länder an gemeinsamen Projekten arbeiten. Am Rande bemerkt, an dieser deutschen Universität wird es in diesem Jahr einen Media-Campus geben, der sich zum Ziel gesetzt hat, zum Beispiel den digitalen Hörfunk zu aktivieren. Also das, was der Deutschlandfunk an deutschen Universitäten zum Teil schon forciert, jetzt auch in Ägypten.

Pasch: Was will denn Annette Schavan mit dem gemeinsamen Forschungsjahr eigentlich erreichen?

Smiljanic: Sicherlich eine bessere Vernetzung deutscher und ägyptischer Forscher, Universitäten und Firmen, zunächst einmal vordergründig. Bohrt man etwas tiefer, werden auch andere Motive sichtbar, Ägypten zählt zu den wichtigsten Ländern im nahen Osten und ist genau genommen das Tor zur arabischen Welt. Wer also politisch im Nah-Ost-Konflikt Einfluss üben möchte, und die aktuelle Bundesregierung will das erklärtermaßen, der kommt an Ägypten nicht vorbei. Es gibt also eine klare politische Ausrichtung des deutsch-ägyptischen Jahres der Wissenschaft und Technologie in der Hoffnung auf mehr Stabilität in der Region insgesamt, wobei es allerdings keine multilateralen Projekte gibt etwa zwischen Ägypten, Israel und Deutschland - das wäre dann der nächste Schritt.