Der Fischer Marius Pitic hat den Bootsmotor abgestellt. Hier auf dem engen Kanal mitten im Schilfmeer ist das Wasser manchmal nur kniehoch, der Propeller würde sich im Schlamm und im Kraut verfangen. Also rudert Marius Pitic. Er sieht nicht angestrengt aus dabei, sondern entspannt.
"Viele Leute behaupten, es sei schwer, hier im Delta zu leben. Ich finde das nicht. Ich bin gern in der Wildnis des Deltas. Hier kann ich mich mit meinen fast 40 Jahren wie ein Kind fühlen, und es kommt mir vor, als sei ich die ganze Zeit im Urlaub."
Es ist tatsächlich wild hier, ein Dschungel aus schwimmenden Schilfinseln, Dutzenden größeren Seen und ungezählten Teichen, zwei Stunden Bootsfahrt entfernt von dem Ort Sulina. Dort, in dem 5000-Einwohner-Städtchen an der Donau-Mündung ins Schwarze Meer, wohnt Marius Pitic. Er war schon vieles in seinem Leben: Grenzsoldat, Schlosser, Kiosk- und Cafébetreiber. Nebenbei hat er immer gefischt, vor sieben Jahren machte er das Handwerk zu seinem Beruf. Mehrmals in der Woche fährt er seine Reusen ab. An diesem Tag allerdings ist kaum etwas darin, ein paar kleine Welse, ein Hecht, Rotaugen. Marius Pitic nimmt es gelassen.
"Von der Fischerei kann man einigermaßen leben. Ich fische auf traditionelle Weise mit Reusen. Man fängt wenig, aber genug, um auszukommen, man darf bloß keine großen Ansprüche stellen. Mir gefällt diese Art Fischerei sehr, ich glaube, sie ist meine Bestimmung. Mit meiner Frau habe ich manchmal Diskussion deswegen. Sie meint, ich wäre zu viel im Delta, und wirft mir vor, es würde mir hier besser gefallen als zuhause."
Zuhause bei den Pitics: Halb verschämt, halb scherzend gesteht Marius' Frau, Veronica ein, was sie stört.
"Ich werfe ihm nichts vor. Er sagt nur immer, dass es ihm dort draußen besser gefällt. Na hör mal! Gefällt es dir zuhause etwa nicht? Doch, doch, sagt er, aber dort bin ich frei. Das regt mich dann auf. Naja, er ist ja nicht zum Vergnügen dort, er arbeitet und verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen. Es ist eben seine Welt, da draußen, das Schilf, die Teiche."
Die Pitics sind fröhliche Menschen, Eltern einer 15-jährigen Tochter, die manchmal wirken, als seien sie selbst noch verliebte Jugendliche. Sie leben bescheiden am Stadtrand von Sulina in einem Haus mit zwei kleinen Schlafzimmern und einer Wohnküche. Auch sonst bietet der Ort nicht gerade komfortable Lebensverhältnisse, im Gegenteil: Oft fällt der Strom aus, im Frühjahr und Herbst stehen manchmal Teile der Stadt unter Wasser, es gibt kein Krankenhaus. Vor allem aber fehlen Arbeitsplätze - für viele ein Grund, das Delta zu verlassen. Veronica Pitic aber würde das nie tun.
"Wir kommen gut klar, sehr gut. Wir können unsere Steuern zahlen, haben Sachen zum Anziehen und Essen auf dem Tisch. Manchmal können wir uns sogar kleine Freuden leisten. Solange das so ist, ist alles in Ordnung. Natürlich machen wir auch Pläne, um uns für die Zukunft abzusichern. Wir haben ein Stück Land gekauft und wollen eine kleine Pension bauen. Wir denken dabei vor allem an die Zukunft unserer Tochter. Sie wird studieren, und wir müssen das finanzieren. Ansonsten haben wir keine großen Ansprüche. Ich denke nicht, dass materieller Reichtum wirklich wichtig ist."
Tags darauf: Marius Pitic ist wieder im Delta. Mitten zwischen Schilf, Morast und Wasser trifft er zwei Fischerkollegen. Zusammen manövrieren sie ihre Boote durch das Gestrüpp und haben großen Spaß dabei. Wird Marius Pitic dieses Leben in der Wildnis nicht aufgeben müssen, wenn er mit seiner Frau ins Tourismusgeschäft einsteigt? Er lacht.
"Die Idee ist ja gerade, dass ich hier bleibe und meine Frau in der Pension arbeitet. Aber mal im Ernst: Wir machen das, um ein wenig mehr Einkommen haben. Außerdem gibt es ja diese Gerüchte, wonach der kommerzielle Fischfang im Delta bald ganz verboten wird. Wenn wir vom Fischen nicht mehr leben können, versuchen wir es eben mit dem Tourismus."
"Viele Leute behaupten, es sei schwer, hier im Delta zu leben. Ich finde das nicht. Ich bin gern in der Wildnis des Deltas. Hier kann ich mich mit meinen fast 40 Jahren wie ein Kind fühlen, und es kommt mir vor, als sei ich die ganze Zeit im Urlaub."
Es ist tatsächlich wild hier, ein Dschungel aus schwimmenden Schilfinseln, Dutzenden größeren Seen und ungezählten Teichen, zwei Stunden Bootsfahrt entfernt von dem Ort Sulina. Dort, in dem 5000-Einwohner-Städtchen an der Donau-Mündung ins Schwarze Meer, wohnt Marius Pitic. Er war schon vieles in seinem Leben: Grenzsoldat, Schlosser, Kiosk- und Cafébetreiber. Nebenbei hat er immer gefischt, vor sieben Jahren machte er das Handwerk zu seinem Beruf. Mehrmals in der Woche fährt er seine Reusen ab. An diesem Tag allerdings ist kaum etwas darin, ein paar kleine Welse, ein Hecht, Rotaugen. Marius Pitic nimmt es gelassen.
"Von der Fischerei kann man einigermaßen leben. Ich fische auf traditionelle Weise mit Reusen. Man fängt wenig, aber genug, um auszukommen, man darf bloß keine großen Ansprüche stellen. Mir gefällt diese Art Fischerei sehr, ich glaube, sie ist meine Bestimmung. Mit meiner Frau habe ich manchmal Diskussion deswegen. Sie meint, ich wäre zu viel im Delta, und wirft mir vor, es würde mir hier besser gefallen als zuhause."
Zuhause bei den Pitics: Halb verschämt, halb scherzend gesteht Marius' Frau, Veronica ein, was sie stört.
"Ich werfe ihm nichts vor. Er sagt nur immer, dass es ihm dort draußen besser gefällt. Na hör mal! Gefällt es dir zuhause etwa nicht? Doch, doch, sagt er, aber dort bin ich frei. Das regt mich dann auf. Naja, er ist ja nicht zum Vergnügen dort, er arbeitet und verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen. Es ist eben seine Welt, da draußen, das Schilf, die Teiche."
Die Pitics sind fröhliche Menschen, Eltern einer 15-jährigen Tochter, die manchmal wirken, als seien sie selbst noch verliebte Jugendliche. Sie leben bescheiden am Stadtrand von Sulina in einem Haus mit zwei kleinen Schlafzimmern und einer Wohnküche. Auch sonst bietet der Ort nicht gerade komfortable Lebensverhältnisse, im Gegenteil: Oft fällt der Strom aus, im Frühjahr und Herbst stehen manchmal Teile der Stadt unter Wasser, es gibt kein Krankenhaus. Vor allem aber fehlen Arbeitsplätze - für viele ein Grund, das Delta zu verlassen. Veronica Pitic aber würde das nie tun.
"Wir kommen gut klar, sehr gut. Wir können unsere Steuern zahlen, haben Sachen zum Anziehen und Essen auf dem Tisch. Manchmal können wir uns sogar kleine Freuden leisten. Solange das so ist, ist alles in Ordnung. Natürlich machen wir auch Pläne, um uns für die Zukunft abzusichern. Wir haben ein Stück Land gekauft und wollen eine kleine Pension bauen. Wir denken dabei vor allem an die Zukunft unserer Tochter. Sie wird studieren, und wir müssen das finanzieren. Ansonsten haben wir keine großen Ansprüche. Ich denke nicht, dass materieller Reichtum wirklich wichtig ist."
Tags darauf: Marius Pitic ist wieder im Delta. Mitten zwischen Schilf, Morast und Wasser trifft er zwei Fischerkollegen. Zusammen manövrieren sie ihre Boote durch das Gestrüpp und haben großen Spaß dabei. Wird Marius Pitic dieses Leben in der Wildnis nicht aufgeben müssen, wenn er mit seiner Frau ins Tourismusgeschäft einsteigt? Er lacht.
"Die Idee ist ja gerade, dass ich hier bleibe und meine Frau in der Pension arbeitet. Aber mal im Ernst: Wir machen das, um ein wenig mehr Einkommen haben. Außerdem gibt es ja diese Gerüchte, wonach der kommerzielle Fischfang im Delta bald ganz verboten wird. Wenn wir vom Fischen nicht mehr leben können, versuchen wir es eben mit dem Tourismus."