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Von neuen Apps bis zum Z10

Gleich zum Start der weltgrößten Mobilfunkmesse präsentieren mehrere Hersteller ihre neuen Smartphones mit rasend schneller Datenübertragung und Bezahlfunktion onboard. Ein einstiger Handyriese setzt im Gegenzug auf Billighandys - der Riesenmarkt der Schwellenländer winkt.

Christian Bremkamp im Gespräch mit Benjamin Hammer |
    Christian Bremkamp: Benjamin Hammer in Barcelona, immer größer, immer schneller – so war der Trend in der Vergangenheit - geht das auch in diesem Jahr so weiter?

    Benjamin Hammer: Also ich habe hier gerade eine Ankündigung gelesen, dass in Barcelona das schnellste Smartphone der Welt gezeigt wird. Aber das ändert nichts an einer Tendenz: Die Zeit der technischen Aufrüstung, die ist bei vielen Herstellern erst einmal vorbei. Schon im letzten Jahr gab es hier Handys, die waren so groß, dass man sie kaum am Ohr halten konnte und schon im letzten Jahr gab es Smartphones mit Prozessoren, die waren fast so schnell wie von einem normalen Computer. Also: Es gibt natürlich noch Hersteller, die neue technische Höchstleistungen vorstellen – zum Beispiel Smartphones, die eine Auflösung bieten, die so hoch ist wie von großen Fernsehern. Aber das sind nicht gerade die Dinge, die Beobachter hier besonders überraschen.


    Bremkamp: Dann nehmen Sie uns doch kurz mit auf einen Rundgang über die Messe. Was sind denn die Dinge, auf die wir in diesem Jahr achten sollten?

    Hammer: Drei Buchstaben sind hier weit verbreitet – NFC – das steht für Near Field Communication, also Nahfeldkommunikation. Das ist ein Standard, mit dem man mit dem Handy zum Beispiel sehr leicht seinen Kaffee bezahlen oder Eintritt zu einem Konzert bekommen kann. Der Standard ist nicht neu, aber jetzt versuchen fast alle Handyhersteller und auch Kreditkartenanbieter, das durchzusetzen. Die Kunden sollen dann auf ihrem Handy eine mobile Brieftasche haben – damit können sie dann an der Supermarktkasse bezahlen, über einen NFC-Chip, sie können aber zum Beispiel auch abends an der Bar schnell Geld an ein anderes Handy überweisen, wenn der Freund keines mehr hat. Dass so viele Hersteller dieses Thema auf der Messe auf die Tagesordnung setzen, zeigt aber auch eines: Bisher sind die Kunden bei dieser Technologie noch recht träge.
    Dann gibt's noch mal drei Buchstaben – LTE – der alte neue Standard für Mobilfunkdaten. Immer mehr Smartphones unterstützen diesen Standard und vor allem hinter den Kulissen ist das ein großes Thema bei den Mobilfunkanbietern. Im letzten Jahr ist mehr als die Hälfte aller Handynutzer in Deutschland mit dem Smartphone ins Internet gegangen. Da werden dann soziale Netzwerke genutzt oder Videos geschaut. Das verbraucht eine Menge Daten. Und jetzt geht es hier darum, die Handys schneller zu machen und vor allem die Netze. Denen droht nämlich bei den steigenden Nutzerzahlen ein Engpass.

    Bremkamp: NFC, LTE – das klingt alles ziemlich teuer. Müssen wir jetzt alle 700 Euro auf den Tisch legen, um an der neuen Handywelt teilhaben zu können?

    Hammer: Nein, absolut nicht. Das ist vielleicht der wichtigste Trend in Barcelona: Es ist eine Menge in Bewegung, viele kleinere Hersteller drängen auf den Markt und die sind dann günstiger als zum Beispiel Apple, dessen iPhone ja recht teuer ist. Viele chinesische Hersteller sind nach Spanien gekommen, ZTE zum Beispiel oder Huawei - und sie bieten auch Handys an, die für 100-200 Euro schon ziemlich viele Funktionen bieten. Und heute Morgen gab es dann hier eine Präsentation von Nokia aus Finnland. Und die haben dann kein neues Riesenhandy für 600 Euro vorgestellt, sondern ganz bewusst kleinere, günstigere Handys vorgestellt. Wenn die Firmen so was machen, dann denken sie nicht in erster Linie an Kunden in Westeuropa, sondern an Osteuropa oder Schwellenländer wie Indien, wo sich viele Kunden ein teures Handy schlicht nicht leisten können. Aber die neuen Geräte sind dann durchaus auch Kunden in Deutschland interessant.

    Gestern Abend gab es hier eine Pressekonferenz, die für viel Aufsehen gesorgt hat. Mozilla, die Firma, die viele vielleicht von ihrem Internet-Browser kennen, bringt ein eigenes Betriebssystem für Handys raus – Firefox OS heißt das. Und das ist deshalb spannend, weil es da bewusst um einen Gegenentwurf zu den Betriebssystemen von Apple und Google geht. Die dominieren den Markt ja derzeit mit einem Marktanteil von gemeinsam 90 Prozent. Das Problem dabei: In manchen Fällen kontrollieren diese Firmen, was in ihre App-Stores kommt – und diese App-Stores lassen sie sich fürstlich bezahlen, da sind dann schon mal 30 Prozent vom Verkaufserlös für eine App fällig. Den Machern von Firefox, deren Organisation ist übrigens nicht auf Gewinn ausgerichtet – denen schmeckt diese Entwicklung nicht. Sie wollen ein einfaches, günstiges System schaffen, das offen für alle ist. Und das könnte dann auch die Kosten senken. Kosten für die neuen Firefox-Handys: Rund 100 Euro.

    Das sind ja vielleicht nicht die schlechtesten Nachrichten, wenn man bedenkt, dass für Smartphones mit Produktionskosten von 150 Euro durchaus mal 650 Euro verlangt werden.

    Homepage des Mobile World Congress 2013