Fünf Leute mit schwarzen Koffern in der Hand verschwinden in einem Bauernhof. Würde sich die ganze Szenerie nicht inmitten einer bayerischen Landidylle abspielen, wäre sie höchstverdächtig. So aber tritt hier nicht der Verfassungsschutz auf den Plan, die Leute mit den schwarzen Köfferchen sind hier in der Gegend wohlbekannt. Was nicht heißen soll, das sie nicht unheimlich sind - und zwar unheimlich laut.
Die fünf Herren gehören zur Blaskapelle Isen - insgesamt 75 Frauen und Männer, die ihre Freizeit gern mit Pauken und Trompeten verbringen. Im echten Leben gehen sie alle ganz bürgerlichen Berufen nach - sind Landwirte, Kaufleute oder Lkw-Fahrer wie Uli Sperr, der seit 22 Jahren im Orchester die Klarinette spielt. Das Musizieren hat er aber schon früher angefangen:
Der Vater hat zu mir gesagt, ob ich das nicht lernen mag, dann habe ich bei dem Vorgänger ich damals Klarinette gelernt. In der 5. Klasse. Ja, und dann habe ich nicht mehr mögen, dann kommt man in das Teenageralter und dann habe ich mal ausgesetzt. Dann hat unser Vorgänger die Kapelle übernommen und er hat gewusst: Da ist ein Klarinettenspieler, dann ist er zu mir gekommen und seitdem spiel ich.
So wie Uli Speer sind die meisten zum Blasorchester Isen gekommen. Denn der alte Kapellmeister Balthasar Nussrainer war bei der Rekrutierung der Besetzung recht rührig. Gefragt ist allerdings nicht nur musikalisches Talent, sondern auch Zeit. Einmal in der Woche ist Probe. Mal in größerer oder kleinerer Besetzung.
Plötzlich kommt eine junge Frau herein. Alle Blicke richten sich auf sie. Dabei spielt sie nicht einmal die erste Geige - das wäre in einem Blasorchester auch ziemlich überflüssig. Ihr Job ist ein anderer: Regine Gaigl ist die Dirigentin der Blaskapelle Isen. Wie alle anderen ist auch sie keine Profimusikerin, sondern hat einen eher handfesten Beruf gelernt.
Ich habe Schreiner gelernt und das auch neun Jahre gemacht und dann wurde mir das mit Hobby und Beruf zuviel. Dann habe ich eines mal vorerst auf die Seite gelegt und - mal schauen - vielleicht später mal wieder.
Jetzt gibt sie freiberuflich Musikunterricht - wenn sie nicht gerade mit ihrem Orchester probt oder bei Schlosskonzerten, Hochzeiten oder Volksfesten auftritt. Gespielt wird alles, was die Leute hören wollen. Dass sie einmal als Dirigentin auftreten wird, hätte sie sich früher auch nicht träumen lassen. Denn alles hatte ganz anders angefangen:
Ich habe über die Kreismusikschule Hackbrett gelernt und dann hat mich irgendwann der damalige Dirigent von dem Orchester angerufen, ob ich nicht ein Blasinstrument lernen möchte. Dann habe ich gesagt: Ja warum nicht, kann man in einem größeren Haufen mitspielen; das ist okay, dann habe ich Klarinette gelernt und später noch Saxophon und irgendwann sind wir auf Fortbildungskurse gefahren und dann war irgendwann mal ein Dirigentenlehrgang vom Musikbund aus und schaust dir das auch mal an dann war das - das wo ich gemerkt hab, da kann ich mich musikalisch am besten entfalten.
An ihre Premiere als Kapellmeisterin kann sie sich noch gut erinnern. Es war ja auch ein denkwürdiges Datum:
Am 1. April habe ich angefangen. Es ist schon komisch, wenn man 14 Jahre mitspielt, im Orchester sitzend und dann einfach vorn steht - also ein komisches, aber angenehmes Gefühl gewesen.
Vielleicht mag der eine oder andere Zuhörer gestaunt haben, als eine junge Frau mit dem Taktstock vor das Orchester trat, aber eigentlich ist das in Bayern ein gar nicht so seltener Anblick. Schließlich geben beim Musikbund Ober- und Niederbayern immerhin 30 Frauen den Ton an. Auch die Mannsbilder im Blasorchester Isen haben mit ihrer weiblichen Führungskraft nicht das geringste Problem. Sagt Flügelhornist Franz Windshuber.
Regina ist ja nicht vom Himmel gefallen - wir kennen unsere Regina ja schon lange und es hat sich ja abgezeichnet und ich finde, sie macht ihre Sache gut und wir stehen alle dahinter.
Zurzeit absolviert die 27-Jährige ein außerordentliches Musikstudium an der Anton Bruckner Privatuni in Linz und belegt alle Fächer, die mit Orchesterführung zu tun haben. Ins Profilager will sie danach trotzdem nicht wechseln. Dazu macht ihr die Arbeit mit ihrem Blasorchester viel zu viel Vergnügen.
Ich werde jetzt einfach mal mit dem Orchester im Amateurbereich das Beste machen, was möglich ist und immer so machen, das es den Leuten Spaß macht. Und mir soll es Spaß machen, und ich mache es halt, solange es mir Spaß macht und wenn es mir halt keinen Spaß macht, überlege ich mir was anderes.
Aber das steht vorab nicht zu befürchten. Jedenfalls klingt es im Musikantenstadl Isen nicht gerade traurig in Moll:
Links zum Thema
Musikbund Ober- und Niederbayern
Blaskapelle Isen
Die fünf Herren gehören zur Blaskapelle Isen - insgesamt 75 Frauen und Männer, die ihre Freizeit gern mit Pauken und Trompeten verbringen. Im echten Leben gehen sie alle ganz bürgerlichen Berufen nach - sind Landwirte, Kaufleute oder Lkw-Fahrer wie Uli Sperr, der seit 22 Jahren im Orchester die Klarinette spielt. Das Musizieren hat er aber schon früher angefangen:
Der Vater hat zu mir gesagt, ob ich das nicht lernen mag, dann habe ich bei dem Vorgänger ich damals Klarinette gelernt. In der 5. Klasse. Ja, und dann habe ich nicht mehr mögen, dann kommt man in das Teenageralter und dann habe ich mal ausgesetzt. Dann hat unser Vorgänger die Kapelle übernommen und er hat gewusst: Da ist ein Klarinettenspieler, dann ist er zu mir gekommen und seitdem spiel ich.
So wie Uli Speer sind die meisten zum Blasorchester Isen gekommen. Denn der alte Kapellmeister Balthasar Nussrainer war bei der Rekrutierung der Besetzung recht rührig. Gefragt ist allerdings nicht nur musikalisches Talent, sondern auch Zeit. Einmal in der Woche ist Probe. Mal in größerer oder kleinerer Besetzung.
Plötzlich kommt eine junge Frau herein. Alle Blicke richten sich auf sie. Dabei spielt sie nicht einmal die erste Geige - das wäre in einem Blasorchester auch ziemlich überflüssig. Ihr Job ist ein anderer: Regine Gaigl ist die Dirigentin der Blaskapelle Isen. Wie alle anderen ist auch sie keine Profimusikerin, sondern hat einen eher handfesten Beruf gelernt.
Ich habe Schreiner gelernt und das auch neun Jahre gemacht und dann wurde mir das mit Hobby und Beruf zuviel. Dann habe ich eines mal vorerst auf die Seite gelegt und - mal schauen - vielleicht später mal wieder.
Jetzt gibt sie freiberuflich Musikunterricht - wenn sie nicht gerade mit ihrem Orchester probt oder bei Schlosskonzerten, Hochzeiten oder Volksfesten auftritt. Gespielt wird alles, was die Leute hören wollen. Dass sie einmal als Dirigentin auftreten wird, hätte sie sich früher auch nicht träumen lassen. Denn alles hatte ganz anders angefangen:
Ich habe über die Kreismusikschule Hackbrett gelernt und dann hat mich irgendwann der damalige Dirigent von dem Orchester angerufen, ob ich nicht ein Blasinstrument lernen möchte. Dann habe ich gesagt: Ja warum nicht, kann man in einem größeren Haufen mitspielen; das ist okay, dann habe ich Klarinette gelernt und später noch Saxophon und irgendwann sind wir auf Fortbildungskurse gefahren und dann war irgendwann mal ein Dirigentenlehrgang vom Musikbund aus und schaust dir das auch mal an dann war das - das wo ich gemerkt hab, da kann ich mich musikalisch am besten entfalten.
An ihre Premiere als Kapellmeisterin kann sie sich noch gut erinnern. Es war ja auch ein denkwürdiges Datum:
Am 1. April habe ich angefangen. Es ist schon komisch, wenn man 14 Jahre mitspielt, im Orchester sitzend und dann einfach vorn steht - also ein komisches, aber angenehmes Gefühl gewesen.
Vielleicht mag der eine oder andere Zuhörer gestaunt haben, als eine junge Frau mit dem Taktstock vor das Orchester trat, aber eigentlich ist das in Bayern ein gar nicht so seltener Anblick. Schließlich geben beim Musikbund Ober- und Niederbayern immerhin 30 Frauen den Ton an. Auch die Mannsbilder im Blasorchester Isen haben mit ihrer weiblichen Führungskraft nicht das geringste Problem. Sagt Flügelhornist Franz Windshuber.
Regina ist ja nicht vom Himmel gefallen - wir kennen unsere Regina ja schon lange und es hat sich ja abgezeichnet und ich finde, sie macht ihre Sache gut und wir stehen alle dahinter.
Zurzeit absolviert die 27-Jährige ein außerordentliches Musikstudium an der Anton Bruckner Privatuni in Linz und belegt alle Fächer, die mit Orchesterführung zu tun haben. Ins Profilager will sie danach trotzdem nicht wechseln. Dazu macht ihr die Arbeit mit ihrem Blasorchester viel zu viel Vergnügen.
Ich werde jetzt einfach mal mit dem Orchester im Amateurbereich das Beste machen, was möglich ist und immer so machen, das es den Leuten Spaß macht. Und mir soll es Spaß machen, und ich mache es halt, solange es mir Spaß macht und wenn es mir halt keinen Spaß macht, überlege ich mir was anderes.
Aber das steht vorab nicht zu befürchten. Jedenfalls klingt es im Musikantenstadl Isen nicht gerade traurig in Moll:
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Musikbund Ober- und Niederbayern
Blaskapelle Isen