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StartseiteCampus & KarriereRumänische Studierende begeistern sich für Europa24.05.2019

Vor der EuropawahlRumänische Studierende begeistern sich für Europa

Die meisten Studierenden in Rumänien bekennen sich ausdrücklich zu europäischen Werten. Sie erhoffen sich von der Europawahl, dass der Druck auf ihre Regierung erhöht wird. Die versucht mit einer Justizreform, korrupte Politiker reinzuwaschen. Zudem wollen viele einen Job in den europäischen Institutionen.

Von Thomas Wagner

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Reiterstandbild von König Carol I. von Rumänien vor der Zentralen Universitätsbibliothek in Bukarest (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
Reiterstandbild von König Carol I. von Rumänien vor der Zentralen Universitätsbibliothek in Bukarest (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
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Ein modern eingerichteter Seminarraum in der West-Universität Timisoara: Professor Radu Nikosevici gilt als erfahrener Lobby-Forscher - und spricht zu den Studierenden über die unterschiedlichen Interessensgruppen, die Einfluss nehmen auf die Institutionen der Europäischen Union. Denn genau das ist das Kernthema des Master-Studiengangs "Politici, Publice si Advocati".

"Es geht global um Politik, aber auch, wie man Politik beinflussen kann."

erklärt Beatrix Andrei, die diesen rumänienweit einzigartigen Masterstudiengang belegt hat. Wie Lobbyarbeit funktioniert, das sei eine zentrale Frage und die Europäische Union dafür ein gutes Beispiel.

"Wir lernen, welche die wichtigsten Institutionen aus Europa sind. Und wie können wir bei den Entscheidungsträgern dort ankommen?"

Aktiv für die Europawahl

Richard Dietrich, Student mit rumäniendeutschen Wurzeln, sitzt direkt daneben - und erzählt, wie ihn und seine Kommilitonen abseits der fachlichen Inhalte das Europa-Fieber gepackt hat. Sie haben sich aktiv an dem EU-weiten Projekt "This Time I'm voting" beteiligt. Das Ziel: Möglichst viele junge Studierende zu motivieren, bei der anstehenden Europawahl ihre Stimme abzugeben.

"Wir waren auf dem Studentencampus, haben Flyer ausgegeben, Armbänder ausgegeben, Plakate geklebt, aber nicht nur auf dem Campus, nicht nur in diesem Kreis, sondern auch im Hundeoara-Kreis, im Westen-Rumäniens."

Die Resonanz sei sehr gut gewesen, berichten die Studierenden, möglicherweise habe das auch mit der aktuellen politischen Situation im Land zu tun. Die Partei "PSD" stellt derzeit den Großteil der Regierung - und versucht mit einer Justizreform korrupte Politiker aus den eigenen Reihen im Nachhinein vor einer Strafverfolgung zu bewahren. Widerstand gegen das Vorhaben kommt vor allem von jungen Rumäninnen und Rumänen. Und ihre Hoffnungen setzen sie - auf Europa, so Ardelean Sebastian, ebenfalls Mitglied im Studiengang "Politici, Publice si Advocacy":

"Wir müssen uns stärker als bisher die Europäischen Werte zueigen machen. Wir sind hier in Temeswar, im Westen Rumäniens. Das war immer schon eine kosmopolitisch und multikulturell ausgerichtete Stadt. Und unsere Zukunft sehen wir fest eingebunden in der Europäischen Union."

85 Prozent bekennen sich ausdrücklich zur EU

Diese Europabegeisterung unter Studierenden lässt sich mit Umfrageergebnissen untermauern: 85 Prozent aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen Rumäniens bekennen sich ausdrücklich zur EU – das ergab kürzlich eine Studie der SPD-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung. Dass Teile der Regierung derzeit antieuropäische Töne anschlagen mag ein Motiv für die Studierenden sein, sich für Europa und die Europawahl stark zu machen. Aber es gibt auch noch ein weiteres:

"Also ich glaube, dass die Studenten mit am begeistertsten über Europa sind, weil sie auch die größten Vorteile haben. Sie können überall studieren in Europa durch das Programm Erasmus zum Beispiel, sie können auch Arbeitsplätze finden nach Beendigung des Studiums. Gerade Studenten, die Europastudien folgen, können auch verschiedene Jobs an den europäischen Institutionen finden. Deswegen, glaube ich, sind sie begeistert."

so Professor Vasile Docea, der sich als Historiker an der Universität Temeswar in seinen Vorlesungen mit der Geschichte der europäischen Institutionen beschäftigt. Und tatsächlich haben viele Studierende Lust auf einen Job in den europäischen Institutionen, wie zum Beispiel Paula Ardelean, Master-Studentin im Fach "Politici, Publice si Advocacy":

"Mir würde es wahnsinnig gut gefallen, wenn ich beruflich irgendetwas machen könnte, was mit der Außenpolitik der EU zu tun hat. Ich habe den Studiengang 'Internationale Beziehungen und Europastudien' bereits abgeschlossen, bin jetzt im Master - und da wäre diese berufliche Richtung ja genau das Richtige. Ich folge meinem Traum."


 

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