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StartseiteKultur heute"Vieles liegt nach der Wende noch immer im Argen"21.08.2019

Vor der Landtagswahl in Brandenburg"Vieles liegt nach der Wende noch immer im Argen"

Die Politisierung der Kulturszene habe vor den kommenden Wahlen in ihrer Heimat Brandenburg stark zugenommen, sagt die Autorin Antje Rávik Strubel. Dabei gehe es keinesfalls nur um den Rechtsruck in der westlichen Welt - und schon gar nicht nur um Brandenburg.

Antje Rávik Strubel im Gespräch mit Anja Reinhardt

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Geboren in Brandenburg: die Schriftstellerin Antje Rávik Strubel, Jahrgang 1974 (picture alliance / Erwin Elsner)
Geboren in Brandenburg: die Schriftstellerin Antje Rávik Strubel, Jahrgang 1974 (picture alliance / Erwin Elsner)
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"Dieses Rückwärtsgewandte, Nationalistische, Frauenfeindliche, Sexistische: Was kommt da eigentlich hoch? Darüber setzen wir uns in letzter Zeit intensiver auseinander", beschreibt Antje Rávik Strubel eine zentrale Frage, die sich Schriftstellerinnen, Künstler und Intellektuelle zurzeit stellten. "Da gibt es ja ganz unterschiedliche Begründungen, und trotzdem ist das Phänomen so ähnlich. Das ist das, was mich beschäftigt."

Eine eindeutige Antwort auf diese Frage nach der Ursache für die große Unzufriedenheit gerade in Ostdeutschland habe auch sie nicht, so die 45-Jährige im Dlf. Der Umgang mit den Menschen in der ehemaligen DDR spiele aber sicher eine Rolle:

"Es gibt vieles, was nach der Wende immer noch im Argen liegt – vor allem in Bezug auf Abwertung von Lebensläufen und Lebensgeschichten, von Nicht-Wahrgenommenwerden. Viele Lebensleistungen wurden nicht anerkannt. Man wurde eingemeindet, und letztendlich wurde das westdeutsche System dem ostdeutschen mehr oder weniger übergeworfen. Das ist so ein wenig der Schlüssel für diese Unzufriedenheit oder den Glauben, dass man sowieso nichts ausrichten kann und dass ‚die da oben‘, wie es immer so heißt, ‚sowieso machen, was sie wollen‘."

"Spezifisch ostdeutsche Leben"

Auch die hohen Wahlprognosen für die AfD sieht die Autorin in einem "Mangel in der Wahrnehmung für das spezifisch ostdeutsche Leben" begründet. Dass die Partei in ihrem Wahlprogramm beispielsweise den Einsatz ausländischer Instrumentalisten in deutschen Orchestern als "Armutszeugnis für unsere eigene Musikerziehung und –ausbildung" diffamiert, sei aber auf keinen Fall hinnehmbar:

"Wenn wir nur noch eine rassistisch gedachte deutsche Kultur für zulässig und förderwürdig halten, ist das absolut unhaltbar." Sie sei froh, so Rávik Strubel, dass alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen hätten.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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