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Vortrag über Langeweile und Ambient MusicBoring Angel

Für manche gibt es nichts Langweiligeres als Hintergrundmusiken, wie man sie in Fahrstühlen oder Supermärkten zwangsweise zu hören bekommt. Die Medienwissenschaftlerin Maren Haffke hat sich mit dem Phänomen beschäftigt, wie Gefühle durch Ambient Music hervorgerufen werden.

Maren Haffke im Corsogespräch mit Achim Hahn

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gelangweilte Frau guckt auf ihr Smartphone (imago stock&people (Frédéric Cirou))
Langeweile und Musik: "An der Peripherie der Wahrnehmung" (imago stock&people (Frédéric Cirou))
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"Boring Angel" nennt die Bochumer Medienwissenschaftlerin Maren Haffke ihren Vortrag, mit dem sie sich am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen an einer Vortragsreihe über "Kleine Gefühle" beteiligt. Sie hat sich dazu mediengeschichtlich mit dem sehr ambivalentem Phänomen der Ambient Music beschäftigt, das sowohl Langeweile ausstrahlen kann, aber auch dazu eingesetzt wurde, positive Gefühle hervorzurufen.

"Langeweile ist ja eine Erfahrung von einem Langwerden der Zeit und wie Musik sich mit diesen Erfahrungen auseinandersetzt, das interessiert mich," erklärt Maren Haffke im Corsogespräch.

Mediengeschichtlich betrachtet habe sich das gesamte 20. Jahrhundert mit der Hintergrundmusik befasst - von Debussy bis zur kommerziellen Hintergrundmusik. Als ein Pionier auf diesem Gebiet war die US-amerikanische Firma Muzak verantwortlich. Sie prägte auch den Begriff "Muzak" für derartige Klangtepppiche.

"Sie hat in den 1930ern angefangen, gezielt solche Musik aufzunehmen und Kriterien entwickelt, wie diese Musik aufgebaut sein soll, damit sie an die Peripherie der Wahrnehmung wandern kann. Denn das war das Ziel. Es ging darum Stimmungen zu modulieren."

Backgroundmusik als "Mood Management"

"Boring work made less boring by boring music" versprach die Firma Muzak in den 1970er-Jahren. Das Unternehmen versorgte Hotelfoyers, Supermärkte und U-Boote, Busse, Aufzüge und Schachtanlagen, unzählige Wohnzimmer und auch das Weiße Haus mit Hintergrundmusik.

"Es gab aber schon sehr früh auch starke Gegenbewegungen, vor allem als sie angefangen haben, Muzak auch im Straßenverkehr und in öffentlichen Verkehrsmittel einzusetzen, wo sich Fahrgäste sehr gestört gefühlt haben und sagten, sie hätten ein Recht auf Ruhe."

Sehr ähnlich wie die Firma Muzak, die spezielle Hördaten erhob und auswertete, arbeite heute Spotify und generiere Playlisten, die nach Moodmanagment-Kriterien benannt werden.

An der Peripherie der Wahrnehmung

Bei der Ambient- und der Backgroundmusik gehe es um Atmosphärisches, das in der Peripherie der Wahrnehmung arbeite. Das musikalische Genre Vaporwave zum Beispiel schaffe eine Klangwelt, die scheinbar so leicht wie Dampf um uns herumfließt. In ihr scheint sich jede Schwere des Lebens in quasi gasförmige Leichtigkeit aufzulösen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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