Wolfsburg
VW-Aufsichtsratssitzung hat begonnen - Proteste gegen Sparpläne und Werksschließungen

In Wolfsburg hat die VW-Aufsichtsratssitzung zu möglichen weiteren Einschnitten bei dem Autohersteller begonnen. Zuvor hatte bereits das Aufsichtsratspräsidium beraten. Beschäftigte demonstrieren an mehr als einem Dutzend Standorten gegen Sparpläne und die mögliche Schließung von Werken.

    Niedersachsen, Wolfsburg: Mitarbeiter des Automobilherstellers Volkswagen AG und Mitglieder der Gewerkschaft IG Metall demonstrieren am Tag der Aufsichtsratssitzung auf dem Gelände der Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg.
    Proteste am Volkswagen-Standort Wolfsburg (Lisi Niesner/Reuters/Pool/dpa)
    In Wolfsburg zogen hunderte Mitarbeiter mit Tröten und Sirenen vor das Vorstandshochhaus, wo das Gremium tagt. Angeführt wurde der Demonstrationszug von der IG-Metall-Vorsitzenden Christiane Benner und Betriebsratschefin Daniela Cavallo, die beide dem Kontrollgremium angehören.
    "Dass vier Werke in Deutschland geschlossen werden, das dürfen wir als IG Metall nicht mitmachen", sagte Benner. Die Gewerkschaft habe im Tarifstreit 2024 gezeigt, dass sie zu Kompromissen bereit sei. Deshalb halte sie es "für absolut unverantwortlich, wie im Moment mit der Zukunft der Menschen gespielt wird, wie Angst geschürt wird". Sie forderte vom Vorstand "intelligente Lösungen". Dies beinhalte nicht, dass eine Sanierung nur mit Personalabbau und Standortschließungen möglich sei.

    IG Metall: Es handelt sich nicht um einen Arbeitskampf

    Die IG Metall zählte rund 500 Teilnehmer der Protestaktion in Wolfsburg. Weitere Aktionen gebe es auch an anderen Konzernstandorten in Deutschland, einschließlich Standorten der Konzerntöchter Audi, Porsche und MAN. Laut IG Metall handelt es sich nicht um einen Arbeitskampf, sondern um Informations- oder Protestveranstaltungen. Die Versammlungen fallen deswegen kleiner aus als bei den Warnstreiks 2024. Damals kamen laut Gewerkschaft mehr als 30.000 Teilnehmer zur Kundgebung in Wolfsburg.

    Es drohen Stellenabbau und Werksschließungen

    Laut "Manager Magazin" könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen - doppelt so viele wie bisher geplant. Dem "Spiegel" zufolge soll die Produktion in den Werken in Zwickau und Emden in fünf Jahren auslaufen. Der Standort in Hannover soll 2032 folgen, 2034 dann das Werk der VW-Tochter Audi in Neckarsulm. Zudem plant die VW-Führung dem Bericht zufolge, 50.000 weitere Stellen bis 2030 zu streichen. Auch eine Senkung der Investitionen des Autobauers um 45 Milliarden Euro sei geplant. VW selbst hat sich bisher nicht zu Details geäußert. Nach der Aufsichtsratssitzung will Volkswagen zügig über mögliche Entscheidungen informieren, wie ein Sprecher mitteilte.

    Gesunkene Rendite

    Die Rendite des Konzerns ist zuletzt deutlich gesunken. Hauptgründe sind der Absatzeinbruch in China und die Sonderzölle der USA. Den deutschen Autobauern wird zudem fehlende Innovationsbereitschaft vorgeworfen.

    Aus dem Dlf-Programm:

    VW-Aufsichtsrat berät über Sparpläne – Stimmung vor Ort (Audio)
    Wie Volkswagen sich in China neu erfinden will (Audio)
    Börse Frankfurt: Autobranche unter Druck. Im Gespräch mit Analyst Jürgen Pieper (Audio)
    Diese Nachricht wurde am 09.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.