Mittwoch, 30. November 2022

Archiv

Währungsreform vor 70 Jahren
D-Mark als "geschichtsbeladenes Erfolgsprodukt"

Die Währungsreform von 1948, bei der die D-Mark eingeführt wurde, habe mit dazu geführt, dass die Deutschen ihr Selbstbewusstsein und ihre Selbstachtung nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erlangt hätten, sagte der Ökonom Thomas Mayer im Dlf. Der Euro wäre daher bei einer Volksabstimmung im Vorfeld wohl gescheitert.

Thomas Mayer im Gespräch mit Anja Reinhardt | 17.06.2018

    Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank
    Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank (dpa/Karlheinz Schindler)
    Nach dem Zweiten Weltkrieg sei das Selbstbewusstsein und die Selbstachtung der Deutschen auf dem Nullpunkt gewesen, so Thomas Mayer, ehemals Chefvolkswirt der Deutschen Bank. "Mit der D-Mark kam die Wirtschaft zurück, Waren zirkulierten wieder. Die Arbeitsplätze entwickelten sich wieder. Das gab einem ein erstes Stück Selbstachtung zurück". Im weiteren Verlauf der Zeit sei es zum sogenannten Wirtschaftswunder gekommen, weil sich der positive Anschubeffekt durch die Einführung einer harten Währung mit freien Preisen in enorm hohes Wirtschaftswachstum verwandelte.
    "Und dann kam nochmals 1954 der Sieg bei der Fußballweltmeisterschaft. Diese zwei Komponenten seien ganz wichtig gewesen in der Wiedergewinnung der Selbstachtung der Deutschen: D-Mark und der Fußball".
    Die Wirkung großer Geldscheine
    Geld sei ein Mittel zur Aufbewahrung von Eigentum, ergänzte Mayer, der heute unter anderem Teil einer Denkfabrik in Köln ist. Und da sei der 1.000-D-Mark-Schein ein Mittel dazu, Geldvermögen aufzubewahren. "Der Bürger muss ja Vertrauen haben, das dieses Geld mit der Zeit nicht weniger wert wird. Insofern ist die Nachfrage nach der 1.000-D-Mark-Scheinen ein Zeichen dafür, dass der Bürger daran glaubt und vertraut, dass dieses Geld werthaltig bleibt".
    Es gebe nur noch wenige solcher großen Scheine, zum Beispiel den schweizer 1.000-Franken-Schein, wohingegen der 500-Euro-Schein ja auslaufen solle. "Große Geldscheine sind in gewisser Weise auch eine Reflexion dessen, dass der Bürger Geld als Mittel zur Aufbewahrung für wert hält".
    Euro wäre bei Abstimmung abgelehnt worden
    Die Einführung des Euro in Deutschland wäre nach Ansicht Mayers gescheitert, hätte man eine Abstimmung über den Euro im Vorfeld zugelassen. "Der Euro wäre mit Pauken und Trompeten von den Leuten abgelehnt worden". Nicht unbedingt, weil man dachte der Euro würde nicht funktionieren, "sondern weil die Deutschen mit der D-Mark ein Stück extrem erfolgreiche Geschichte aufgeben würden". Die D-Mark sei nicht nur für die Deutschen enorm erfolgreich gewesen, sondern auch international. "Die D-Mark hat sich zur zweitwichtigsten internationalen Reservewährung heraufgearbeitet, das heißt, globale Anleger wollten die D-Mark haben".
    Man habe dieses "geschichtsbeladene Erfolgsprodukt", das auch noch handfeste Wirtschafts- und Finanzvorteile brachte, die ähnlich waren wie sie der US-Dollar heute habe, "dieses Produkt gab man auf für die europäische Vereinigung".