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Wärme und Wartung ohne eigenes Geld

Heizen ist teuer - eine gute Wärmedämmung kann den Heizbedarf reduzieren. Dafür sind Anfangsinvestitionen erforderlich. Unternehmen können bei Energiespar-Investitionen auf externe Erfahrungen und Geld zurückgreifen - Contracting heißt das Stichwort.

Von Dieter Nürnberger | 22.09.2010

    "Das ist der alte Kessel. man sieht es - er war sehr groß dimensioniert. Das daneben ist der neue Kessel - nur noch ein Bruchteil dessen. Zudem wurde die komplette Verteilung neu gemacht, isoliert, alles."

    Seit 2004 hat der Glasverarbeitungsbetrieb Bartelt und Sohn eine neue Heizungsanlage. Das Unternehmen ist ein typischer mittelständischer Betrieb in Berlin mit rund 100 Mitarbeitern. Auf einer Gesamtfläche von 10.000 Quadratmetern wird Flachglas hergestellt und weiterverarbeitet - das ist sehr energieintensiv - hohe Temperaturen und Druckluft müssen gewährleistet sein, sagt Robert Horn, der Junior-Chef des Unternehmens.

    "In unserem Fall war es so, dass wir 2004 begonnen haben, nach Einsparungen zu suchen. Große Krise damals. Wir sind sehr schnell auf die Berliner Energieagentur gekommen, und haben mit denen zusammen ein Modell konzipiert. Dieses sah vier Contracting-Verträge vor: in den Bereichen Strom, Wärme, Abwasser und Druckluft. Wir hatten vorher einen Öl-Heizkessel mit 800 Kilowatt-Leistung. Durch einfache Umrüstung auf Gas sind wir nun auf einen 200 KW-Gaskessel gekommen. Allein hier sparen wir somit 600 Kilowatt pro Jahr ein - und das macht schon eine Menge aus."

    Vor 2004 verbrauchte das Unternehmen rund 2,5 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Heute sind es trotz höherer Produktion nur noch zwei Millionen Kilowattstunden. Der Contracting-Partner des Unternehmens, die Berliner Energieagentur, hat hier ein Energiemanagement installiert, für den Strom- und auch den Wärmebedarf. Sie war und ist verantwortlich für Planung, Bau, Wartung und Finanzierung beispielsweise der neuen Erdgas-Kesselanlage. Rund 80.000 Euro wurden 2004 investiert, der Vertrag läuft für zehn Jahre, die Refinanzierung erfolgt durch die Einsparungen. Energie-contracting sei deshalb besonders für kleinere und mittlere Unternehmen ein Weg, um teure Energie einzusparen, sagt Stefan Kohler, er ist Geschäftsführer der Deutschen-Energie-Agentur (Dena).

    "Großbetriebe wie BASF oder andere haben ja eigene Abteilungen, die sich um die Optimierung des Energieverbrauchs kümmern. Bei mittelständischen Unternehmen gibt es solche Abteilungen ja meist nicht. Und für die ist Energie-Contracting hoch spannend."

    Im Falle des Glasverarbeitungsbetriebs Bartelt und Sohn kam der Kontakt mit dem Contractor eher zufällig zustande. Juniorchef Robert Horn wirbt seitdem gern mit seinem Contracting-Modell - er hat sogar schon einen kleinen Vortrag darüber gehalten. Doch warum sich diese Idee nicht längst mehr durchgesetzt hat - Spekulation:

    "Wir hatten da anfangs auch Probleme, weil es sehr kompliziert ist. Wie wird das alles berechnet, da fällt es schwer durchzusteigen. Es hat dann sehr viel mit Vertrauen zu tun, dass man an den Richtigen gerät. Es ist halt nicht Jedermanns Sache, sich im Hauptgeschäftsfeld mit Energie zu beschäftigen. Es ist ja eher ein Nebenprodukt, was man halt so einkauft."

    Doch Contracting ist nicht nur ein Modell für viele Unternehmen, ein weiteres Betätigungsfeld liegt im Gebäudebestand, sagt Dena-Chef Stephan Kohler.

    "Die Kommunen bezahlen heute ungefähr 3,5 Milliarden Euro für die Beheizung ihrer Gebäude. Wir sehen hier ein contracting-fähiges Volumen von rund einer Milliarde Euro. Hier haben wir die nächsten zehn Jahre in Betracht gezogen. Also rund ein Drittel der Gebäude sind contracting-fähig."

    Inzwischen wurden in über 50 Bundes-Liegenschaften Contracting-Maßnahmen durchgeführt. Innovative Energiekonzepte, der Einbau effizienter Technik, Wärmedämmung und so weiter. Stephan Kohler spricht von einer Win-Win-Situation - alle Beteiligten profitieren langfristig.

    Im Falle des Berliner Glasverarbeitungsbetriebes lässt sich dies recht anschaulich beziffern. Jährlich würden rund 20.000 Euro an Strom eingespart, hinzu kommen noch 10 bis 15.000 Euro bei der Wärme. Die Anfangsinvestition von rund 80.000 Euro hat sich somit amortisiert, sagt Juniorchef Robert Horn.

    "Für uns hat es sich auf jeden Fall gelohnt."


    Serie "Energieeffizienz - die unterschätzte Größe"

    Heizen, Strom verbrauchen, Autofahren - im Alltag gibt es eine Menge Möglichkeiten, Energie besser auszunutzen als bisher. In unserer Serie Energieeffizienz - die unterschätzte Größe wollen wir Ihnen in dieser Woche jeden Tag ein Beispiel dafür geben.