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StartseiteUmwelt und VerbraucherWärmeschutz: Es fehlt nicht an Technik15.12.2006

Wärmeschutz: Es fehlt nicht an Technik

Projekt des Bundesforschungsministeriums zur Wohngebäudesanierung

Ein Drittel der gesamten in Deutschland verfügbaren Endenergie wird in die Wärmeversorgung von Gebäuden gesteckt. Mit entsprechenden Maßnahmen könnte der Verbrauch um fast die Hälfte gesenkt werden, schätzt die Bundesregierung. Die Technik dafür ist da, es hapert an der Umsetzung. Wie sich das ändern lässt, dieser Fragen widmet sich ein Projekt des Bundesforschungsministeriums am Beispiel der niedersächsischen Stadt Oldenburg.

Von Folkert Lenz

Häuserfront (AP)
Häuserfront (AP)

Drei Bereiche gibt es, in denen der Hauptteil des Treibhausgases Kohlendioxid erzeugt wird. Ein Drittel geht auf das Konto von Gebäuden, ein weiteres Drittel CO2 entsteht durch Mobilität, das letzte Drittel produziert die Industrie. So rechnet es der Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech von der Universität Oldenburg vor.

" Wenn man jetzt die Frage stellt: Wo sind die größten Einsparpotenziale? Dann stellt man fest, dass im Bereich der Mobilität nicht viel zu holen ist. Das sagen nicht nur Ökonomen, das sagen nicht nur Techniker, das sagen vor allem Sozialwissenschaftler, die feststellen, dass die kulturellen Barrieren, die man überwinden muss, kaum zu überwinden sind. Und im Bereich der Produktion wird es sofort ein Politikum. "

Bleibt noch das Bauen. Hier existieren hohe Energie- und CO2-Einsparpotenziale, glaubt nicht nur der Nachhaltigkeitsexperte Paech. Doch warum haben private Bauherren, aber auch Wohnungsgesellschaften, Gewerbebetriebe und Kommunen so wenig Interesse an Niedrigenergiehäusern und Co., obwohl es sich für sie rechnen würde? Diese Frage wollen Oldenburger Forscher nun klären - und bekommen dafür vom Bundesbildungsministerium 400.000 Euro. Dass das Projekt gerade in der niedersächsischen Kleinstadt stattfindet, ist kein Zufall, sagt Stadtbaurat Frank-Egon Pantel, denn Oldenburger sind Energieverschwender.

" Nicht willentlich natürlich. Aber es hat sich über eine historische Entwicklung so ergeben, dass hier ein großer Anteil von freistehenden Einfamilienhäusern gebaut wurde. Die haben einerseits große Nutzungsvorteile - gerade für Familien. Andererseits sind sie tatsächlich Energieverschwender im Vergleich zu anderen Bauformen, die eben dichter, kompakter und innenstadtnah sind. "

Deswegen liegt in Oldenburg der Wärmeenergieverbrauch in Wohngebäuden um fast ein Drittel über dem Bundesdurchschnitt. Jetzt sind die Kommunikationstheoretiker der Universität Oldenburg sind jetzt am Zug. Sie wollen herausfinden, wie man Bauherren und Wohnungseignern Umbaumaßnahmen schmackhaft machen kann, die dem Klimaschutz dienen. Universitätspräsident Uwe Schneidewind.

" Der Engpass sind heute nicht mehr die technischen Lösungen. Sondern dass wir zu wenig davon verstehen: Wie ticken Menschen, wie bauen wir Institutionen, wie machen wir einen Mix aus Anreizen und auch Druck. Da können wir viel lernen, wie wir die Instrumente, die wir heute haben, mit den technischen Lösungen intelligent zusammenbringen. "

Bei den Gebäudebesitzern scheitert die Umsetzung von Energiesparmaßnahmen meist nicht an Unwillen, sondern an mangelndem Interesse und Wissen. So die Annahme der Forscher. Auch Beratungsstellen oder Energieagenturen, die seit vielen Jahren Informationsveranstaltungen, Workshops oder Spezialberatungen anbieten, haben daran offenbar nichts ändern können. Obwohl in den meisten Fällen sogar ein ökonomischer Vorteil bei einer Sanierung herauskäme. Nun will man potenzielle Klimaschützer durch andere Maßnahmen gewinnen, zum Beispiel eine "gläserne Baustelle", bei der ein Haus klimafreundlich umgebaut wird. Niko Paech:

" Wir wollen diese Baustelle begehbar machen. Das heißt, wir werden dann bestimmte Besuchszeiten haben. Die werden von Experten. Und die werden jegliche Fragen, die die Endnutzer so haben könnten, dann direkt beantworten. So dass man wirklich mal erleben kann, wie so etwas vonstatten geht. Und das nimmt dann auch Schwellenängste. "

Außerdem sollen in Oldenburg 20 Energiespargutachten unter interessierten Hausbesitzern ausgelobt werden, die nach einer eingehenden Beratung dann ihre Gebäude umbauen. Jeder Schritt soll dabei für die Forschung dokumentiert werden, vor allem Fragen nach den Motiven stehen dabei im Vordergrund.

" Das heißt also: Zeigen, aha, da ist ein Gebäude, dem hätte man gar nicht zugetraut, dass es möglich ist - nehmen wir mal an - 30 oder 40 Prozent an Energie, an Heizenergie zu sparen. Das öffnet auf eine Art und Weise die Augen, wie wir das über andere Formen der Kommunikation gar nicht hinkriegen. "

Das Oldenburger Klimaschutzprojekt ist auf zwei Jahre angelegt. Dann sollen Strategien vorgelegt werden, wie mehr Hausbesitzer zum Energiesparen angeregt werden können.

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