Es waren die glücklichsten Jahre seines Lebens: als Richard Wagner im April 1866 die Villa Tribschen bezieht, da liegen sechs fruchtbare und erfüllte Jahre vor ihm.
In diesem Patrizierhaus am Vierwaldstätter See, zu Füßen des Pilatus-Berges, kann sich Wagner ohne äußere Bedrängnis ganz auf sich selbst konzentrieren. Die wirtschaftliche Notlage der Vergangenheit ist vergessen. Sein Fan und Förderer Ludwig der Zweite von Bayern schaffte ihm in dieser Zeit alle Geldsorgen vom Hals. Anlässlich der Geburt seines Sohnes Siegried komponiert Wagner das berühmte Siegfried-Idyll, das ursprünglich einmal "Tribschener Idyll" hieß.
Dank Wagner wird Tribschen auch ein geistiges Zentrum der Schweiz. Hierher reisen Liszt, Wagners Schwiegervater, und Gottfried Semper. König Ludwig kommt heimlich aus München und übernachtet in Tribschen. Hier diskutiert Wagner auch mit einem jungen Philologieprofessor aus Basel – dem damals 24-jährigen Friedrich Nietzsche.
" Es kam Friedrich Nietzsche sehr oft hierher, Basel – Luzern, die Entfernung war dann nicht mehr allzu weit. Er hat Wagner sehr verehrt, hat ja selber komponiert, Nietzsche, war also der Musik zugänglich. Die beiden haben hier oft gesessen und philosophiert, eine sehr enge Freundschaft gepflegt. "
(Nietzsche hatte sein festes Zimmer im zweiten Obergeschoss.)
Katja Fischer ist Museologin und Leiterin des Wagner-Museums in Tribschen. Die junge Frau führt mit sächsischem Charme durch die Kleinode des Hauses.
"Dann haben wir hier in der Sammlung dieses Prachtstück. Das ist tatsächlich sein Flügel, auf dem er spielte und komponierte. Ein Errat-Flügel. Auf allen seinen Touren durch Europa war das Instrument dabei. "
In diesem Sommer ist Richard Wagner an den Ort seines Schaffens zurückgekehrt. Hansjörg Schneider, Träger des deutschen Krimipreises, hat Wagners Schweizer Jahre zu einem Bühnenstück verdichtet, das an Sommerabenden im Park vor der Villa Tribschen aufgeführt wird. Das Stück schlachtet auch die lustigen, ja grotesken Seiten der Schweizer Jahre aus – zum Beispiel wenn der notorisch geizige und zahlungsunwillige Wagner sich mit seinen Handwerkern herumstreitet und hier zwei Welten überhaupt nicht zueinander finden.
"So was nennt sich Eidgenosse! Lug und Trug! Ich bin anders organisiert. Ich habe reizbare Nerven. Schönheit, Glanz, Licht muss ich haben. Die Welt ist mir schuldig, was ich brauche. Ich kann nicht leben auf einem elenden Organistenstuhl wie Meister Bach. "
Wagners Psyche mit ihren bekannten Reizbarkeiten und Irritationen macht den Komponisten zu einer dankbaren Bühnenfigur. Dass das nicht zur Posse verkommt, ist dem wunderbaren Schauspieler Pierre Siegenthaler zu verdanken – selbst ein Schweizer, der Wagner geradezu unheimlich ähnlich sieht. Ein charismatischer Wiedergänger, der dem Spiel manchmal eine fast gespenstische Note gibt.
"Wagner war ein ganz egomanischer Kerl, ganz auf sich bezogen. Hat alles instrumentalisiert drum herum, auch Cosima musste ihm zuarbeite. "
"Das hat viel mit Schauspielerei zu tun. Dass er zuerst den Text macht, dann die Musik, das vertont, da merke ich, das ist auch ein Schauspieler irgendwie. "
Wagner in Luzern – das ist die Mischung aus Genie und Banalität, die entsteht, wenn ein deutscher Weltbürger den Clash mit der biederen Schweizer Provinzbevölkerung sucht. Den meisten Schweizern sind übrigens Wagners Luzerner Jahre eher unbekannt, der touristische Mehrwert von Tribschen ist noch ganz und gar unausgeschöpft.
Der Autor Hansjörg Schneider:
"Ich war sehr skeptisch und habe diese Figur nicht gemocht. Aber je mehr ich gelesen habe, desto sympathischer ist dieser Wahnsinnige mir geworden. Weil der hat etwas unheimlich Kindliches an sich, etwas Spielerisches, und das hat mir gefallen. "
Das Stück bietet einen pathosfreien und humorvollen Blick auf den Komponisten – ein Sommerspektakel, das einfach gute Laune macht.
Wagner wird Tribschen übrigens zeit seines Lebens verbunden bleiben. Auf der Rückreise von Italien will er Tribschen noch einmal besuchen. Doch er stirbt in Venedig. Tribschen bleibt für ihn ein goldener Ort in einem wilden, zerrissenen Leben.
Das Gedenken an Wagner aber wird fortgesetzt. So dirigierte Arturo Toscanini 1938 in Tribschen das Siegfried-Idyll, woran heute noch ein Gedenkstein im Garten erinnert. Dieses Konzert war der Ursprung des Luzern Festivals, das alljährlich im August stattfindet - heute eines der angesehensten Orchesterfestivals der Welt.
In diesem Patrizierhaus am Vierwaldstätter See, zu Füßen des Pilatus-Berges, kann sich Wagner ohne äußere Bedrängnis ganz auf sich selbst konzentrieren. Die wirtschaftliche Notlage der Vergangenheit ist vergessen. Sein Fan und Förderer Ludwig der Zweite von Bayern schaffte ihm in dieser Zeit alle Geldsorgen vom Hals. Anlässlich der Geburt seines Sohnes Siegried komponiert Wagner das berühmte Siegfried-Idyll, das ursprünglich einmal "Tribschener Idyll" hieß.
Dank Wagner wird Tribschen auch ein geistiges Zentrum der Schweiz. Hierher reisen Liszt, Wagners Schwiegervater, und Gottfried Semper. König Ludwig kommt heimlich aus München und übernachtet in Tribschen. Hier diskutiert Wagner auch mit einem jungen Philologieprofessor aus Basel – dem damals 24-jährigen Friedrich Nietzsche.
" Es kam Friedrich Nietzsche sehr oft hierher, Basel – Luzern, die Entfernung war dann nicht mehr allzu weit. Er hat Wagner sehr verehrt, hat ja selber komponiert, Nietzsche, war also der Musik zugänglich. Die beiden haben hier oft gesessen und philosophiert, eine sehr enge Freundschaft gepflegt. "
(Nietzsche hatte sein festes Zimmer im zweiten Obergeschoss.)
Katja Fischer ist Museologin und Leiterin des Wagner-Museums in Tribschen. Die junge Frau führt mit sächsischem Charme durch die Kleinode des Hauses.
"Dann haben wir hier in der Sammlung dieses Prachtstück. Das ist tatsächlich sein Flügel, auf dem er spielte und komponierte. Ein Errat-Flügel. Auf allen seinen Touren durch Europa war das Instrument dabei. "
In diesem Sommer ist Richard Wagner an den Ort seines Schaffens zurückgekehrt. Hansjörg Schneider, Träger des deutschen Krimipreises, hat Wagners Schweizer Jahre zu einem Bühnenstück verdichtet, das an Sommerabenden im Park vor der Villa Tribschen aufgeführt wird. Das Stück schlachtet auch die lustigen, ja grotesken Seiten der Schweizer Jahre aus – zum Beispiel wenn der notorisch geizige und zahlungsunwillige Wagner sich mit seinen Handwerkern herumstreitet und hier zwei Welten überhaupt nicht zueinander finden.
"So was nennt sich Eidgenosse! Lug und Trug! Ich bin anders organisiert. Ich habe reizbare Nerven. Schönheit, Glanz, Licht muss ich haben. Die Welt ist mir schuldig, was ich brauche. Ich kann nicht leben auf einem elenden Organistenstuhl wie Meister Bach. "
Wagners Psyche mit ihren bekannten Reizbarkeiten und Irritationen macht den Komponisten zu einer dankbaren Bühnenfigur. Dass das nicht zur Posse verkommt, ist dem wunderbaren Schauspieler Pierre Siegenthaler zu verdanken – selbst ein Schweizer, der Wagner geradezu unheimlich ähnlich sieht. Ein charismatischer Wiedergänger, der dem Spiel manchmal eine fast gespenstische Note gibt.
"Wagner war ein ganz egomanischer Kerl, ganz auf sich bezogen. Hat alles instrumentalisiert drum herum, auch Cosima musste ihm zuarbeite. "
"Das hat viel mit Schauspielerei zu tun. Dass er zuerst den Text macht, dann die Musik, das vertont, da merke ich, das ist auch ein Schauspieler irgendwie. "
Wagner in Luzern – das ist die Mischung aus Genie und Banalität, die entsteht, wenn ein deutscher Weltbürger den Clash mit der biederen Schweizer Provinzbevölkerung sucht. Den meisten Schweizern sind übrigens Wagners Luzerner Jahre eher unbekannt, der touristische Mehrwert von Tribschen ist noch ganz und gar unausgeschöpft.
Der Autor Hansjörg Schneider:
"Ich war sehr skeptisch und habe diese Figur nicht gemocht. Aber je mehr ich gelesen habe, desto sympathischer ist dieser Wahnsinnige mir geworden. Weil der hat etwas unheimlich Kindliches an sich, etwas Spielerisches, und das hat mir gefallen. "
Das Stück bietet einen pathosfreien und humorvollen Blick auf den Komponisten – ein Sommerspektakel, das einfach gute Laune macht.
Wagner wird Tribschen übrigens zeit seines Lebens verbunden bleiben. Auf der Rückreise von Italien will er Tribschen noch einmal besuchen. Doch er stirbt in Venedig. Tribschen bleibt für ihn ein goldener Ort in einem wilden, zerrissenen Leben.
Das Gedenken an Wagner aber wird fortgesetzt. So dirigierte Arturo Toscanini 1938 in Tribschen das Siegfried-Idyll, woran heute noch ein Gedenkstein im Garten erinnert. Dieses Konzert war der Ursprung des Luzern Festivals, das alljährlich im August stattfindet - heute eines der angesehensten Orchesterfestivals der Welt.