Samstag, 28. Mai 2022

Wahlkampf beim DFB
Vergütungsreform setzt ein brisantes Signal

Auf dem DFB-Bundestag wird Mitte März ein neuer Präsident gewählt - und nicht nur das. Es geht für einige auch darum, Macht und Privilegien zu erhalten. Dazu gehört auch DFB-Interimschef Rainer Koch.

Von Thomas Kistner | 21.01.2022

Rainer Koch sitzt vor einer Grafik eines verschwommenen DFB-Wappens.
Die Amateure um DFB-Interimschef Rainer Koch wollen, dass künftig wieder der DFB-Vorstand über Entgelte befindet. (IMAGO / Martin Hoffmann)
Der Wahlkampf tobt im Deutschen Fußball-Bund. Die Amateur-Fraktion um ihren Chef Rainer Koch und Kandidat Bernd Neuendorf steht gegen den Liga-Vertreter Peter Peters, der aktuell als Doppelspitze mit Koch den krisengeschüttelten DFB führt. Beim Bundestag im März wollen Peters und die Liga endlich die Ära des Strippenziehers Kochs beenden. Der aber würde unter einem Präsidenten Neuendorf weiter an der Spitze mitmischen. Nun zeigt der Blick in die internen Satzungsanträge für den Wahlkongress, dass das Amateurlager offenbar mit Wahlgeschenken geködert werden soll.
Bernd Neuendorf steht zur Wahl als neuer Präsident des DFB.
Bernd Neuendorf steht zur Wahl als neuer Präsident des DFB. (imago/photothek)
Möglicher DFB-Präsident: Neuendorf will Neustart beim DFB – ohne Skandal-Aufarbeitung

Mehr Amateurvertreter sollen Entgelte bekommen

Das von Koch und Co. dominierte Präsidium beantragt, den Kreis von Amateurvertretern, die Entgelte erhalten dürfen, stark zu erweitern. Zudem sollen die Verbandsfürsten ihre Vergütungen künftig wieder selbst regeln. Das tat bisher ein unabhängiger Ausschuss mit Finanzexperten um den früheren Wolfsburger VW-Manager Wolfgang Hotze, aber die externen Aufpasser hatten sich wenig flexibel gezeigt. Sie empfanden die DFB-Saläre als ausgereizt, die sich zwischen satten 51.600 Euro (plus Verdienstausfall) für normale Präsidiumsmitglieder bis hinauf zu 246.000 Euro für den Präsidenten bewegen. Die Amateure wollen, dass künftig der DFB-Vorstand über Entgelte oder Sachzuwendungen befindet, die Details soll eine neue Finanzordnung festlegen. Dieses Papier kennt pikanterweise niemand: Es soll erst beim Bundestag als Dringlichkeitsantrag eingehen.

Mehr Geld, kaum externe Kontrolle

Besonders irritierend, auch für das Profilager: Das Gros des DFB-Vorstandes, der künftig über Zahlungen entscheiden soll, bilden die 26 Präsidenten der Landes- und Regionalverbände – und damit jene Landesfürsten, die Nutznießer der großzügigen Vergütungsreform sein sollen. Anders als bisher.
Mehr Geld, kaum externe Kontrolle – nicht genug. Das Amateurlager um Koch und Neuendorf will zudem das Präsidium um eine weitere Stelle aufblähen, was noch mehr Versorgungsaufwand bedeutet. Auch dagegen wehrt sich die Liga per Satzungsantrag. Und tatsächlich hat der DFB seit Anfang 2022 zentrale Aufgaben an seine neue GmbH und Co KG ausgelagert, es bleibt weniger Arbeit für die Funktionäre.

Das Ziel: bei den Amateuren punkten

Klar ist: Mit dem geplanten Finanz-Coup könnten Koch und Co. massiv beim Stimmvolk der Amateure punkten. Die Frage ist aber, ob die Liga ihre Sperr-Minorität aktiviert – und wie die Fußballbasis auf das Versorgungsprogramm reagiert. Corona-bedingt ringen manche der 25 000 Klubs um ihre Existenz. Viele kämpfen darum, Spieler und Teams im Betrieb zu halten, groß sind die Geldsorgen. Die flotte Vergütungsreform setzt ein brisantes Signal.