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StartseiteKonzertdokument der WocheJäger und Gejagte in der Musik17.03.2019

Waidmansheil und -unheilJäger und Gejagte in der Musik

Jagdmotive signalisieren nicht nur Mut, Kraft und Glück, sondern auch Bedrohung. Auch Jörg Widmann ließ sich für sein „Jagdquartett“ von 2003 nicht nur von Waldseligkeit inspirieren. Echte Hörner treten in diesem Konzert aber erst in einem Sextett von Beethoven auf.

Am Mikrofon: Uwe Friedrich

Streicher des Rundfunk- Sinfonieorchesters Berlin bei einem Konzert im silent green. (Kai Bienert)
Kammermusik im Kulturquartier silent green in Berlin. (Kai Bienert)

Mit dem Thema Jagd begibt sich dieses Konzert in ein dichtes kulturhistorisches Geflecht. Wenn ein so traditionsbewusster Komponist wie Jörg Widmann sich mit seiner Komposition "Jagdquartett" einen klassischen Titel bei Wolfgang Amadeus Mozart leiht, zeugt das allerdings auch von großem Selbstbewusstsein. Das schmetternde Jagdmotiv der aufsteigenden Quinte zeugte in der Musikgeschichte schon immer von Kraft und Mut, kann aber auch Bedrohung und Untergang symbolisieren. Schon Pieter Bruegels "Heimkehr der Jäger", eines der berühmtesten und rätselhaftesten Bilder der Kunstgeschichte, zeugt von Qual und Untergang. Auch in Carl Maria von Webers "Freischütz" stehen die Jäger für ungezügelte Gewalt. Überall hier knüpft Jörg Widmann an, der dem Unheimlichen hinter den scheinbar Fröhlichen nachhorcht. Sein musikalisches Thema allerdings hat er in Robert Schumann Zyklus "Papillons" gefunden, doch bei ihm werden die Jäger schnell zu Gejagten, zersplittern die nur scheinbar heiteren Melodien, bis sie zu tödlicher Konsequenz geführt werden. Während in den Streichquartetten von Mozart und Widmann der Hörnerklang lediglich zitiert und imitiert wird, hat Ludwig van Beethoven das Streichquartett um zwei Hörner erweitert, die in einen regen Wettstreit mit der klassischen Kammermusikformation treten. Auch in dieser Komposition ist durchaus nicht ausgemacht, wer Jäger und wer Gejagter ist, wer sich schließlich gegen die Kontrahenten durchsetzen kann

Wolfgang Amadeus Mozart
Streichquartett B-Dur KV 458 ("Jagdquartett")

Jörg Widmann
Streichquartett Nr. 3 ("Jagdquartett")

Ludwig van Beethoven
Sextett für zwei Hörner und Streichquartett Es-Dur, op. 81b

Mitglieder des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin:
Dániel Erber, Horn
Anne Mentzen, Horn
Kosuke Yoshikawa, Violine
Richard Polle, Violine
Lydia Rinecker, Viola
Hans-Jakob Eschenburg, Violoncello

Aufnahme vom 7.3.2019 im silent green Kulturquartier, Berlin

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