Sonntagsspaziergang 12.07.2020

Walchsee, ÖsterreichWanderung im See- und BergparadiesVon Rita und Rudi Schneider

Beitrag hören Berge spiegeln sich im Walchsee, Oesterreich. (imago)Rund um den Walchsee gibt es perfekte Wanderidylle (imago)

Rund um den Walchsee gibt es für Wanderer traumhafte Ausblicke und für Kletterer waghalsige Steige. Wer auf den Wegen aufmerksam beobachtet, kann zahlreiche seltene Pflanzen und Tiere entdecken. Das gilt insbesondere für die Schwemm, das größte Moor von Nordtirol.

Wenn sich am frühen Morgen Wolkenteppiche über der ruhigen Oberfläche des Walchsees erheben, und die über 2000 Meter hohen Alpengipfel grandiose Spiegelbilder auf die Wasseroberfläche zaubern, dann ist das wie ein Gemälde, das sich jede Minute verändert. Der See ist etwa einen Quadratkilometer groß und liegt in der Traumkullisse des Kaisergebirges im Süden und den Chiemgauer Alpen im Norden. Am Nordufer des Sees liegt das gleichnamige Dorf Walchsee. Peter Widmann gesellt sich zu uns, er ist in Sachen Natur ein sehr engagierter Lehrer an der Mittelschule des Ortes.

"Ich finde, dass diese Gegend hier in Walchsee eine der schönsten, wenn nicht überhaupt die schönste in ganz Tirol ist. Aus einfachem Grund. Wenn du jetzt schaust, siehst Du eine wunderschöne Weite. Du hast ein relativ weites Tal. Der See ist einfach ein wunderbares Juwel in der Gegend, der Flora und Fauna beinhaltet, die man sonst in Tirol fast nirgends findet."

Badestrand und seltene Uferpflanzen

Den Walchsee kann man in einer guten Stunde gemütlich umwandern und an jeder Ecke Neues entdecken, seien es malerische Badestrände, kleine Bootsanleger, oder seltene Uferpflanzen und Bäume. Selbst die Hunde haben einen eigenen Strandabschnitt. Und im Land des Walzers ist es nicht verwunderlich, dass es selbstverständlich auch den Walchsee-Walzer gibt.

Kühe stehen auf einem Wanderweg. (Rita und Rudi Schneider)Kühe auf dem Wanderweg, keine Seltenheit rund um den Walchsee (Rita und Rudi Schneider)

Vom Dorf her klingen die Glocken der äußerlich eher unscheinbaren Kirche und laden zu einem Besuch ein. Die alte gotische Kirche aus dem Jahr 1399 wurde 1702 im Barockstil vergrößert. Der Innenraum ist allerdings ein wahres Kleinod. Der Hochaltar des Kitzbüheler Bildhauers Josef Martin Lengauer stammt aus dem Jahre 1760. Das Altarbild und die drei Gemälde am Gewölbe, die Zyklen aus dem Leben Johannes des Täufers darstellen, stammen von Franz Nikolaus Streicher aus Salzburg.

Typisch für die Einheimischen rund um den Walchsee ist auch ihre Liebe zur Musik. Zum jährlichen Bezirksmusikfest treffen sich Musikgruppen des ganzen Kaiserwinkels und zeigen die traditionellen Trachten in bunter Vielfalt.

Klettertouren und Koteletts

Vom Walchsee aus gibt es eine große Auswahl wunderbarer Wander- und Klettertouren. Wir brechen auf, um die Edernalm zu besuchen. Der Weg führt unter anderem auch über Almwiesen, wo wir auf mehrere Herden von Kühen treffen, die mitunter auch neugierig nahe an die Wanderer herankommen. Einige der Kühe gehören auch zur Edernalm, so erfahren wir von Johann Schlechter, der die Alm schon seit mehr als 45 Jahren bewirtschaftet. Auf der Terasse zeigt er mit einer weit ausholenden Geste, wo wir uns genau befinden.

"Sie befinden sich im Kaiserwinkel, das ist ganz grenznahe. Also Schleching, Reit im Winkel sind unsere Grenzorte. Und dann geht’s über das kleine deutsche Eck nach Salzburg."

Was die Besucher der Alm neben dem unglaublichen Fernblick besonders lieben, erzählt Johann, das zaubert seine Tochter in der Küche.

"Das Grillkotelett wird am meisten gegessen. Das wird in einer schweren Eisenpfanne mit echtem Schweineschmalz gebraten. Dazu gibts dann die Bratkartoffeln, eine Kräuterbutter drauf und einen Salat dazu, ein altes Rezept."

Eine Wandergruppe hört Zdravko Haderlaps Erklärungen zu   (Deutschlandradio / Benjamin Breitegge) (Deutschlandradio / Benjamin Breitegge)Österreichisch-slowenische Grenzregion - Von geografischen Grenzen und denen im Kopf
Jeden Sommer wandert Zdravko Haderlap mit Interessierten durch das zweisprachige Kärnten und erzählt dabei von der bewegten Geschichte: den konfliktträchtigen Grenzziehungen des 20. Jahrhunderts.

Wer allerdings so richtig in die Felswände möchte, der kann unter anderem auch auf sehr anspruchsvollen Routen in der Nähe der Ottenalm starten, auf deren Parkplatz gerade zwei Besucher ein Horn und eine Trompete aus dem Kofferraum holen. Wolfgang Buchauer ist der Wirt der Ottenalm, und er kennt die Klettersteige sehr genau.

"Wir haben einen Klettersteig hier. Dann kann man hier vorne gleich einsteigen vor der Hütte und drei verschiedene Schwierigkeiten rauf klettern. Die erste Runde ist die Walchseerunde für die Anfänger, eine ganz leichte. Die zweite ist die "Bergkameraden", die ist schon etwas schwieriger. Und dann gibt’s noch die schwierigste, die Direttissima, die ist äußerst schwierig, extrem schwer, sagen wir einfach."

Ein Moor, das überlebt hat

Die Wand ist nahezu senkrecht, das ist Klettern für Erfahrene in Reinkultur. Wer es dann bis zum Gipfelkamm geschafft hat, der kann einen atemberaubenden Blick zum Walchsee im Südenwesten genießen. Blickt man direkt nach Westen, dann fällt unten im Tal eine braune Fläche auf, die sich vom Umgebungsgrün deutlich abhebt, das ist die Schwemm. Das Wort verrät schon ein wenig, was die Schwemm sein könnte. Manuela Kalkhauser klärt uns auf.

"Das ist ein ursprüngliches Moor. Wobei ich sagen muss, es hat auch hier einen Menschen gegeben, der wollte das aufschütten und alles bebauen, und zwar war das der Adolf Hitler. Das ist ihm nicht mehr gelungen, Gott sei Dank. Dadurch haben wir auch heute noch eines der schönsten Moore weit und breit. Es ist nicht nur in Nordtirol das größte, sondern wir haben auch sehr viele Besonderheiten."

Die Römer, so erzählt Manuela, wollten das Hochmoor auch schon brandroden, aber auch das ist gescheitert. Dieses einzigartige Hochmoor hat heute ein Fläche von 66 Hektar. Manuela, so sagen alle hier, ist der Moorgeist, weil sie Groß und Klein mit viel Hintergrundwissen rund um das Moor führt.

"Es sind sehr viele Pflanzen wie zum Beispiel alle drei Arten vom Sonnentau. Wir haben sehr viele Orchideen-Arten. Schmetterlinge natürlich. Von über 70 Libellenarten, die es in Nordtirol gibt, leben 33 in der Schwemm. Sie steht an oberster Stelle international gesehen im Bereich der Zieralgen. Wir haben natürlich sehr viele sonstige Tiere wie Schlangen, Frösche natürlich, die da drinnen sind."

Fridays-for-Future- Kinder lernen hier von Manuela die Schatztruhe der Natur kennen, und das ist für die "Future", also die Zukunft sehr wichtig.

"Hinterher stehen sie da, streicheln alle einen Frosch, wollen alle einen Frosch selbst halten. Bei uns gibt’s auch viele Kröten und Bergmolche, Teichmolche. Die werden ja speziell im Frühling bei der Amphibienwanderung gesammelt und zu den Wasserstellen getragen. Und da haben wir es eben auch schon gehabt, dass wir Besuch von den Grundschulen gehabt haben, wo uns dann die Kinder helfen."

Wo wir über Frösche reden, Peter Widmann betreibt dazu schon seit Jahren ein Projekt:

"Ich habe jetzt 20 Jahre mit meinen Schülern, aber auch privat, ein Umweltprojekt gemacht, indem wir einfach versucht haben, die Froschpopulation zu retten. Die ganzen Umwelteinflüsse, die wir momentan haben, auch die Erwärmung, spürt man in den Alpen besonders stark. Das wird auch einen großen Anteil für diese Reduktion an Amphibien haben, die wir auch in der Schwemm immer spärlicher vorfinden."

Meditieren und schwitzen

Während wir noch den Fröschen im Moor zuschauen, kommt Manuela auf eine spontane Idee und schlägt vor, Sebastian Schrödl, den Waldpädagogen zu besuchen, der die Natur rund den Walchsee wie kein anderer kennt. Der Weg führt uns in steilen Serpentinen den Berg nördlich der Schwemm hinauf, bis wir an Sebastians Meditationshütte mitten im Wald ankommen. In dem hölzernen Rundbau brennt in der Mitte ein gemütliches Feuer und über dem Eingang hängt eine gewaltige, zwei Meter durchmessende Trommel. Der tiefe Klang der Trommel, soll die Menschen zur Ruhe bringen, sagt Sebastian, der hier seinen Besuchern hilft, den Wald und seine Seele in besonderer Tiefe zu erfahren.

"Man geht durch den Wald ohne Weg, nur auf einem Pfad. Man findet Kontakt zu den Bäumen, den Sträuchern, aber auch zu den Steinen und zur Erde, den Wurzeln der Bäume. Auch zu der Luft des Waldes, man atmet die Luft und entspannt sich."

Neben der Meditationshütte hat Sebastian eine Schwitzhütte gebaut, in der seine Gäste den Alltagsstress regelrecht ausschwitzen können. Rundherum, so erzählt Sebastian, hat er ein wahres Baumparadies.

"Auf dem Platz, wo wir uns befinden, um die Hütte herum, sind 30 bis 32 verschiedene Baumarten im Umkreis von 100 bis 150 Meter. Das ist einzigartig in Tirol im Unterland."

Wolfgang Buchhauer spielt mit anderen Musikern zusammen auf der Ottenalm. (Rudi und Rita Schneider)Wolfgang Buchhauer lieferte auf der Ottenalm Musik zum Tagesausklang (Rudi und Rita Schneider)

Draußen vor der Hütte hat sich die Sonne zur Horizontline gesenkt und wir wollen einen Tag voller Naturerlebnisse am Walchsee wiederum in der Ottenalm bei Wolfgang Buchhauer ausklingen lassen. Spontan, wie die Leute hier sind, holt Wolfgang sein Akkordeon aus der Kommode. Es gibt zum Abschluss dieses erlebnisreichen Tages bei Wolfgang nicht nur Musik, sondern natürlich auch etwas für den Gaumen.

"Seit kurzem haben wir unseren Kaiserschmarren. Das Rezept ist streng geheim, es ist von der Urgroßmutter vielleicht noch ein bisschen."

Mehr zum Thema

Empfehlungen