Donnerstag, 26. Mai 2022

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Waldecker Land
Landschaft wie im Märchenfilm

Wanderer, Mountainbiker und Wintersportler kommen im Waldecker Land gleichermaßen auf ihre Kosten. Die Landschaft in Nordhessen besticht durch atemberaubende Schönheit. Mittendrin befindet sich die Hansestadt Korbach. Und die ist eine Reise wert: Im Museum der Stadt erfahren Besucher, welche zwei Entdeckungen der Stadt zu Weltruhm verhalfen.

Von Heike Braun | 16.10.2016

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Willinger Hochheide im Nebel (Tourismus Willingen)
Wanderschäfer Steffen Schierholz:

"Rex! Komm mal her. Rex! Geh mal die Furche weiter. Geh mal weit rum."
Steffen Schierholz steht in der Herbstsonne auf einem Wanderweg zwischen der Hansestadt Korbach und dem Ort Willingen. Bei Skifans ist Willingen bekannt als Austragungsort für ein Weltcup-Skispringen. Radsportfans kennen wohl eher die Weltcup-Downhill-Strecke. Nordic-Walker denken vielleicht zuerst an den Wander-Marathon in dieser Region.
Was sich sehr sportlich anhört, ist aber auch ein riesiger Naturpark und der Arbeitsplatz von Steffen Schierholz. Der schlanke dunkelhaarige Enddreißiger, mit dem Strohhut und der sonnengebräunten Haut ist zwar längst nicht so bekannt, wie zum Beispiel die Skisprungschanze. Aber wo er auftaucht, ist er ein Hingucker. Wegen seiner vielen, lautstarken Begleiterinnen.
Mehrere Wanderer: "Guck mal dahinten. Siehst Du die Schafherde? So viele!"
"Ja guck mal. Die Kleinen"
Steffen Schierholz steht lächelnd neben seiner Herde. Er ist 37 Jahre alt und macht seinen Job schon seit 22 Jahren. Wer näher nachfragt, erfährt seine Geschichte.
"Mit acht Jahren wurde das Interesse für die Schafe bei mir immer größer. Da bei uns immer ein Wanderschäfer durchzog, zog es mich da immer hin. Und dem half ich schon als Kind. Und dann bekam ich die ersten drei Schafe geschenkt."
Schafherde hilft beim Naturschutz
Seitdem wandert er mit seinen Tieren von Frühjahr bis weit in den Spät-Herbst rund um Willingen und Korbach. Er ist unter anderem für ein Naturschutzprojekt eingeteilt. Seine Herde hilft dabei, die Hochheide und die Magerwiesen in dieser Mittelgebirgsregion zu erhalten. Auffällig ist, dass Schafe und Ziegen tatsächlich in eigenen, voneinander getrennten Gruppen laufen.
"Wir führen hier in dem Projekt Naturschutzpark Diemelsee mindestens 20 Prozent Ziegen mit. Das hier sind 69 Ziegen und circa 300 Schafe. Wir versuchen hier Flächen, die nicht maschinell bewirtschaftet werden können, mit Schafen und Ziegen zu beweiden. Und vor allem die Verbuschung mit den Ziegen zurückzuhalten. "
Die Ziegen haben alle Glocken um. Allerdings nicht, damit man sie leichter wieder findet, wie in Heidi-Filmen gerne behauptet wird. Der Grund, warum Steffen Schierholz seinen Ziegen Glocken umhängt, ist ganz unspektakulär.
"Weil es mir gefällt!"
"Indian Summer" im Sauerland
Irgendjemandem scheint es auch gefallen zu haben, der Region ganz viele unterschiedliche Namen zu geben. Sie ist bekannt als Waldecker Land, als hessisches Sauerland und als Upland. Es gibt noch ein paar Bezeichnungen mehr. Aber die führen nur zur weiteren Verwirrung.

Upland heißt übersetzt so viel wie Hochland. Genau dort verläuft –teilweise 840 Meter hoch- der Upland-Steig. Er ist 66 Kilometer lang, mit weiten Ausblicken und vielen Laubbäumen, die sich im Hebst bunt verfärben. Der Vergleich mit dem kanadischen "Indian Summer" ist durchaus vertretbar. Der Uplansteig führt ein kurzes Stück entlang des Rothaarsteiges und durch den Naturpark Diemelsee. Ganz in der Nähe liegt der flächenmäßig zweitgrößter Stausee Deutschlands: der Edersee, mit dem dazugehörigen UNESCO- Welterbe- Naturpark. Wenn Wanderschäfer, Steffen Schierholz über seine Arbeit in dieser Region spricht, formuliert er es so:
"Das hier ist Urlaub für mich. In dem Beruf, da muss man seine Erfüllung finden. Sonst kann man den Beruf nicht machen. Du musst Ausgleich, Freizeit und Hobby in dem Berufszweig finden. Mein Hobby ist Leistungshüten mit altdeutschen Hütehunden.
Rex, komm hierher!"
"So, wir gehen mal weiter. Rex holt jetzt die Ziegen erst mal dahinten raus. Da raschelt es schon."
Steffen Schierholz will jetzt weiter in Richtung Diemelsee ziehen. Dafür muss er durch den dazugehörigen Naturpark. Vorbei an Magerwiesen und Hochheiden und einer Staumauer im Viaduktstil. Wenn im morgendlichen Herbst die Nebelschwaden über den See und entlang der Staumauer ziehen, könnte man glauben, in einem Märchenfilm gelandet zu sein.
In dieser Kulisse ist auch Kapitän Stefan Koch, mit seinem Schiff MS Muffert unterwegs. Von April bis Oktober fährt er Gäste über den Diemelsee. Stefan Koch fing genau wie der Wanderschäfer schon als kleiner Junge mit seinem Job an.
"Ich mache das in der elften Saison. Ich habe als Schüler angefangen am Bootsverleih auszuhelfen, und so bin ich zu dem Betrieb gekommen. Nach meiner Ausbildung zum Gaswasserinstallateur hat mein Vorgänger einen Nachfolger gesucht, der den Betrieb übernimmt, und da hat sich das so angeboten." Seitdem ist er Diemelsee-Schiffahrts-Kapitän
Stefan Koch: "2 Euro 60"
Ein Paradies für Vogelliebhaber
Die Wandergruppe, die von Bord geht, will sich von Hans-Jürgen Figge und Rudolf Horstmann über den Uplandsteig führen lassen
Hans Jürgen Figge wird von allen nur "Hansi" genannt, ist 72 Jahre alt und zertifizierter Natur- und Landschaftsführer. Besonders Vogelliebhaber bekommen bei seinen Wanderungen einiges zu sehen und zu hören.
"Es ist alles da: Nachtigall, Zaunkönig, sogar der Seeadler zieht durch. Der Eisvogel am Waldsee. Der ist den ganzen Sommer schon da."
"Wir müssten dem lieben Gott die Füße küssen, dass wir hier wohnen dürfen. Ich habe drei Jahre gelernt, in Hannover. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel geweint wie da. Vor Heimweh. Oh was war ich froh, wo ich wieder zuhause war."
Im flachen Hannover sehnte er sich nach den nordhessischen Bergen und Seen. Nach der Sommersonne, die blutrot hinter den Bergen verschwindet, und nach den Nebelschwaden, die am Morgen über die Seen ziehen. Ihm fehlten die typische Verfärbung des Laubes im Herbst und der Schnee im Winter. Aber vor allem sehnte er sich nach der Art der hessischen Sauerländer, die er so beschreibt:
"Weltoffen, charmant, kann mit Menschen umgehen, heimatliebend. Alle. Da können Sie nehmen, wen Sie wollen. Wer hier geboren ist, will nicht weg."
Störende Windkrafträder
Auch Rudolf Hartmann hat seine Heimat nie länger als für zwei Wochen Urlaub verlassen. Er geht mit seinen Wandergruppen am liebsten auf die Höhenzüge. Dort, wo kilometerweit Wälder und intakte Natur zu sehen sind. Wie jemand auf die Idee kommen kann, genau dort Windräder aufzustellen, kann er nicht begreifen.
"Ausgewiesen von Kassel sind sie, ringsherum. Man kann das nicht verstehen. Wenn man sich das überlegt: da welche hin, wo der Turm ist. Da hinten, hinter dem Ohrenberg sollen welche hin, die über 200 Meter sein sollen. Die würden wir alle hier sehen. Ringsherum, um Willingen."
Hans-Jürgen Figge: "Guck mal da oben, das obere Schild: da fehlt U1, zwei und drei. Das muss ganz erneuert werden. Was sie da abgebrochen haben. Wer macht eigentlich so ein Mist?"
Wer am Uplansteig wandert, ist dringend auf eine genaue Beschilderung angewiesen. Die Wege führen zur Hessischen Hansestadt Korbach, zum Wintersportort Willingen, zum Edersee, oder zum Nautpark Diemelsee. Fehlende oder unleserliche Wanderbeschilderung kann hier niemand gebrauchen. Das wissen auch die Wanderführer.
"Das muss immer wieder kontrolliert werden und dann auch wieder neu angebracht werden."
Merkwürdigerweise fehlt fast bei jedem Kontrollgang irgendetwas. Es gibt nämlich nicht nur Zaunkönig, Nachtigall und Eisvögel in dieser Gegend. Sondern auch diebische Elstern auf zwei Beinen, die Wanderbeschilderungen stehlen und es dann für ein Kavaliersdelikt oder für witzig halten.
Rudolf Hartmann: "Anfangs haben sie uns einen ganzen Pfahl geklaut. Den haben sie wahrscheinlich in eine Hausbar gestellt."
Wanderer: "Entschuldigung bitte? Zur Seilbahn?"
Antwort: "Bei der nächsten ganz runter gehen, dann der nächste linke Abzweig."
Uplandsteig mit "fantastischer Heidelandschaft"
Elisabeth Schilling, Willingen, Tourist-Info: "Wenn man hier weiter geht, trifft man auf den Uplandsteig und hat eine ganz fantastische Heidelandschaft."
Auch Elisabeth Schilling macht gerade eine Führung und ist auf dem Weg zum Ettelsberg. Sie will mit ihrer Wandergruppe die Kabinenbahn nehmen. Zum einen, weil der Ettelsberg 837 Meter hoch liegt und der Weg dorthin nur für ausdauernde Wanderer geeignet ist. Zum anderen, weil aus der Kabinenbahn die Hochheide am besten zu überblicken ist.
Elisabeth Schilling: "So, jetzt geht die Tür zu, jetzt sind wir drin."
"Jetzt gehen wir hoch und kriegen endlich einen schönen Blick. Das heißt, der Ettelsberg ist ja mehr ein Plato. Wir sehen die Spitze noch gar nicht. Wenn wir uns aber umdrehen, dann haben wir Willingen im Blick, und dann haben wir eine ganz fantastische Heidelandschaft."
"Dann haben wir immer die Schäfchen hier. Also der Schäfer, mit seinen Schafen und den Hunden, der kommt hier hin und kann seinen Beruf traditionell ausüben. Denn anders ist es gar nicht möglich, diese Heidelandschaft zu pflegen".
"Rex! Komm her."
Wanderschäfer Steffen Schierholz ist inzwischen mit seinen rund 400 Schafen und Ziegen in der Hochheide am Ettelsberg angekommen und erklärt ein paar staunenden Mountainbikern, warum kein anderes Tier und kein Mensch auf Rädern, die Hochheide betreten oder befahren darf.
"Bei der Hochheide ist es wichtig, dass die Schafe das Untergras rausfressen. Und die jungen Triebe werden von den Ziegen abgefressen und der Hauptbusch bleibt bestehen. Und die haben einen ganz minimalen Vertritt auf dem Boden. Die zertreten also nicht wie das Großvieh die Pflanzen, dass sie kaputt gehen."
Mit der Kabinenbahn über die Hochheide
Wer mit der Kabinenbahn über die Hochheide auf den Ettelsberg gefahren ist, kann mit seiner Fahrkarte auch noch auf den Hochheideturm gehen. Außen am Turm ist eine der größten Outdoor-Kletterwände Europas angebracht. Am Ettelsberg gibt es auch eine Mountainbike Downhill Strecke. Allerdings wirklich nur für eingefleischte Profis. Nichts für Anfänger oder Sonntagsfahrer.
Aber auch für Gelegenheitssportler – ob auf zwei Rädern, zwei Beinen oder zwei Brettern - gibt es jede Menge gut ausgebaute Wegenetze und Wettbewerbsangebote. Eine der wohl anspruchsvollsten Wander-Strecken ist die so genannte Extremtour von Willingen bis an den Edersee. Im Jahr 2017 wird sie auch an der Hansestadt Korbach vorbei führen.
Korbach ist die Kreisstadt im Waldecker Land. Hier sollte man unbedingt einen ganzen Tag einplanen. Denn Korbach birgt einige Überraschungen. Für eilige Gemüter gibt es eine interaktive App, die auf Smartphone oder IPod geladen werden kann.
"Die Geschichte des Roland"
Eine smarte Stadtführung, die kurzweilig ist und historisch wichtige Orte und Personen erklärt.
Interaktiver Stadtrundgang: "Der Korbacher Roland stand ursprünglich auf dem Marktplatz. In der rechten Hand trägt er die Blutfahne. Das bedeutet, dass die Korbacher Richter im Mittelalter über Leben und Tod entscheiden durften."
Dass sich Korbach "Hansestadt" nennen darf, dass es hier einen doppelten Stadtmauerring gibt, zwei gotische Kirchen, Goldfunde gemacht wurden, die einen regelrechten Goldrausch auslösten, und dass Korbach vor 250 Millionen Jahren auch schon eine Reise wert war: all das erfährt man natürlich ebenfalls von dem Stadtführer Kurt Osterhold. Auch bei seinen Stadtführungen gibt es interaktiv agierende Elemente. Dann nämlich, wenn alle Glocken und Glockenspiele gemeinsam einsetzten.
"Und zwar im Jahre 1188 hat der Bischof von Paderborn, den Korbachern das so genannte Soester Stadtrecht verliehen. Das heißt, Korbach durfte eigenes Geld prägen. Ist es nun der Schutzpatron der Kirche – der Killian - auf dem Korbacher Stadtwappen, oder ist es ein Bischof von Paderborn?"
"Ich wollte nicht auf das Geläut warten - sondern ich wollte auf DAS Geläut warten!"
"Eine Standardfrage bei jeder Führung."
"Dass sie beides geboten kriegen, das war nicht abgesprochen."
Warum ist Korbach eine Hansestadt?
Tatsächlich gibt es in Korbach eine Standardfrage, die Touristen bei beinahe allen Führungen stellen: "Warum ist Korbach ein Mitglied der Hanse?"
"Die Heidenstrasse die von Köln nach Leipzig lief und die Wagenstrasse oder Weinstrasse, die von Bremen in Richtung Frankfurt lief, die kreuzten sich genau im Korbacher Marktplatz, und klar war, dass genau hier dann auch relativ schnell eine Siedlung entstand, die dann auch Marktrecht erhielt und Stadtrecht erhalten hatte und dementsprechend mit dem Handel dann auch Geld verdient hat. Auch das ist ein Grund, warum Korbach dann irgendwann einmal zum Städtebund der Hanse gehörte. Nicht nur in Küstenstädte, die natürlich die großen Handelsbeziehungen hatten, sondern auch ins Binnenland mussten Waren transportiert werden. Und da boten sich solche Städte, die eben an wichtigen Handelsstraßen lagen, Korbach noch mal viel mehr, an einem Kreuzungspunkt, boten sich eben auch an, dort wichtige Stationen zu sein."
Erklärt Marc Müllenhoff, der Chef von allen Stadtführern in Korbach. Er führt eine Gruppe Touristen zum Korbacher Museum.
Dort erfahren sie: in Korbach gab es zwei Entdeckungen von Weltruhm. Das eine waren die Goldfunde.
"Eigentlich fast in jedem Bach hier in der Umgebung könnte man das Sediment durchwaschen und würde wenig, aber doch Gold finden. Es gibt halt gewisse Gesteinsschichten hier bei uns in der Region, die aufgrund ihrer geologischen Entstehungsgeschichte fein verteilt Gold enthalten."
Der Museumsdirektor Wilhelm Völcker-Janssen fügt hinzu: "Es gibt ganz einzelne Stufen, wo man dort Gold sichtbar sieht."
Obwohl überschaubar, blieben die Goldfunde nicht geheim. Kurz nach dem 1. Weltkrieg packten hunderte Glücksritter ihre Schaufel und Hacke ein und wollten in Korbach reich werden.
Von Gold und mysteriösen Skeletten
Wilhelm Völcker Janssen (Museum): " Man hatte sogar geglaubt, man könnte die Reparationszahlungen von Versailles jetzt schnell begleichen. Das ist halt mit dem Gold so, dass es sehr schnell zum Realitätsverlust beiführt, und so war das in den Dreißiger Jahren auch."
Doch manchmal ist nicht alles Gold, was glänzt - und was wirklich Gold wert ist, glänzt nicht immer.
Im Jahr 1964 fand ein Geologe in Korbach Teile eines Skelettes. Er hielt es für ein Reptil aus der Eiszeit. Mehr als 20 Jahre später warf ein Paläoontologe einen genaueren Blick auf den fossilen Fund und entdeckte eine echte Sensation. Eine Audioführung im Korbacher Museum nimmt den Besucher mit auf eine geheimnisvolle Zeitreise.
Audio aus dem Museum Korbach: "Wie die Geschichte weiter verlaufen ist und welche Rolle die Fossilien aus der Korbacher Spalte dabei spielen, erfahren sie in unserer Ausstellung im Dachgeschoss."
Das Reptil aus der Korbacher Spalte war in Wirklichkeit gar kein Reptil. Sondern ein Übergang vom Reptil zum Säugetier. Die Knochenfunde waren auch nicht aus der Eiszeit, sondern aus der Permzeit. Man hatte sich um rund 250 Millionen Jahre vertan. Immerhin hatte man dem Fund inzwischen einen Namen gegeben.
Wilhelm Völcker-Janssen: "Körpergröße, ist etwa dackelförmig. Procynozuchus ist ein schwieriges Wort. Deshalb wird er in Korbach immer nur der "Korbacher Dackel" genannt. Das trägt natürlich auch so ein bisschen zu seiner Popularität bei."
Procynosuchus - so die wissenschaftliche Bezeichnung des Tieres - ist so etwas wie ein "Missing-Link" zwischen Reptil und Säugetier. Frühere Funde, die im Museum in Oxford ausgestellt wurden, waren ebenfalls als Reptilien bezeichnet worden. Erst die Entdeckung von Korbach machte eine eindeutige Zuordnung möglich, erklärt Museumsleiter Wilhelm Völcker-Janssen.
"Erst durch den Vergleich mit den Korbacher Funden konnte dieses Skelett in Oxford neu zusammen gesetzt werden, und man hat jetzt ein Tier, das die Hinter-Extremitäten schon relativ senkrecht vom Boden abstreckt. Das ist eben auch ein Merkmal von Säugetieren: Hunden, Katzen, Pferden, die haben immer die Beine unter dem Körper stehen. Während die Reptilien die Beine seitlich abgestemmt haben. Und bei diesem Procenosuchus ist es eben so, dass die Vorderextremität noch seitlich abgestemmt sind, während die Hinter-Extremitäten deutlich unter dem Körper stehen. Und das ist eben wieder ein Hinweis auf die Entwicklung zu den Säugetieren."
Sensationeller Fund mit Goldwert
Mit anderen Worten: In den 60er Jahre ist in einer Felsspalte im hessischen Korbach wirklich etwas gefunden worden, das Goldwert hat. Dieser Sensationsfund hat dann aber rund 20 Jahre in einer Schublade gelegen.
"Man muss natürlich auch wissen, dass es für diese Zeit nur sehr wenige Spezialisten gibt, nur sehr wenige Paläoontologen, die sich überhaupt mit diesen Fossilien auskennen. Deshalb hat das wahrscheinlich auch so lange gedauert, bis die überhaupt in ihrer Bedeutung erkannt worden sind."
Nachdem der tatsächliche Wert des "Korbacher Dackels" bekannt war, wurde die Fundstelle erst einmal gesperrt. Inzwischen ist sie aber wieder für die Öffentlichkeit begehbar. Und zwar über eine gläserne Aussichtsterrasse. Die "Korbacher Spalte" ist so eine Art Grand-Canyon-Plattform im Taschenformat. Was man hier zu sehen bekommt, übersteigt die Möglichkeiten menschlicher Vorstellungskraft bei weitem.
Wilhelm Völcker Janssen, Museumsleiter: "Unter uns ist halt 250 Millionen Jahre alte Spaltenfüllung mit darin eingeschlossenen Fossilien."
Schäfer: "Rex, komm her."
Steffen Schierholz und seine Upländer Naturschutzschafe sind inzwischen auf einer Weide oberhalb von Korbach angekommen. Er hat angefangen, eine Umzäunung für die Nacht zu bauen. Wer aber glaubt, er kann im Schutze der Dunkelheit ein Schaf stehlen, wird schnell feststellen: die Herde wird nicht von Korbacher Dackeln bewacht, sondern von altdeutschen Hütehunden. Selbst wenn der Schäfer nicht in unmittelbarer Nähe ist: seine Hunde wissen, dass sie 400 mähende und meckernde Mädels zu beschützen haben.
"Das ist ein Hund, wie ein Wolf, der geprägt ist nur auf die Schafe."
Solange kein Schnee fällt oder der Boden dauerhaft friert, bleiben die Schafe nachts auf der Weide. Rex – oder einer der vier anderen Hunde - hält Wache, während der Schäfer nach Hause fährt und ein paar Stunden schläft. Am nächsten Morgen kommt Steffen Schierholz mit ausgeruhten Hunden zurück.
"Ich kann mir aber nicht vorstellen, morgens aufzustehen und mal nicht zu den Schafen zu gehen. So Schafe, wir gehen mal weiter."
Und so gehören sie schon beinahe zum Landschaftsbild im Waldecker Land, am Uplandsteig, bei Willingen und Korbach. Und wer genau hinhört, der wird sie auch finden.
"Komm, auf geht’s! Rex! Furche."