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StartseiteUmwelt und VerbraucherWalfang-Auftakt in Norwegen07.07.2004

Walfang-Auftakt in Norwegen

Start der Walfangsaison ruft Tierschützer auf den Plan

<strong> Die Walfangsaison ist angelaufen. Insgesamt 670 Zwergwale sollen bis Ende August in Norwegen den Harpunen der Walfänger zum Opfer fallen. So sieht es die Fangquote der Regierung vor. Die Population der Zwergwale sei nicht gefährdet, dafür aber der Bestand der Fische, so die Argumentation. Deshalb will das norwegische Parlament die Fangquote in den kommenden Jahren sogar noch deutlich erhöhen. Norwegen ist das einzige Land, das kommerziellen Walfang betreibt und sich damit nicht an das Verbot der Internationalen Walfangkommission aus dem Jahr 1982 hält. Auch in Japan und Island werden Wale gejagt - hier unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Die Welttierschutzgesellschaft will dies ändern und hat nun eine Kampagne gestartet zum Schutz der Wale.</strong>

Autor: Andreas Baum

Mit einem aufblasbaren Wal protestierten Tierschützer 2003 für den Schutz der Wale. (AP)
Mit einem aufblasbaren Wal protestierten Tierschützer 2003 für den Schutz der Wale. (AP)
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Die Forderungen nach dem Ende des Walfangs sind ja nicht gerade neu. Dass die Tierschutzorganisation WSPA und Verbraucherschutzministerin Renate Künast den sonnigen Tag genutzt haben, um in der Berliner Innenstadt, vor dem Reichstag noch mal an diese Forderung zu erinnern, hat vor allem damit zu tun, dass sich in diesem Monat, am 19. Juli, in Italien die Internationale Walfangkommission trifft. Wieder einmal soll über das Ende des Walfangmoratoriums beraten werden. Das heißt, dass verschiedene Länder mit unterschiedlichen Argumenten dafür eintreten, dass auf den Weltmeeren wieder Wale gejagt werden dürfen. Bisher geschieht dies zwar auch in erheblichem Umfang. Seit 1986 ist das Moratorium in Kraft, dennoch wurden seitdem mehr als 20.000 große Wale getötet. Teilweise geschieht dies unter dem Vorwand wissenschaftlicher Forschung. Oder weil behauptet wird, dies gehöre zur Tradition bestimmter Völker, oder aber einfach illegal. Ministerin Renate Künast will mit einem ganzen Bündel an Aufgaben ihre Delegation zur Internationalen Walfangkommission schicken:

Punkt eins ist, dass einige Staaten versuchen, das Walfangmoratorium aufzuheben, so dass einer der Punkte immer ist, dass wir Mehrheiten haben, die das Walfangmoratorium halten. Da sind richtige Aktivitäten im Gange, gibt's auch Länder, die versuchen, andere dazu zu bewegen. Ich habe gerade davon gehört, dass es auch Länder gibt, die andere Staaten, die da rein wollen, dezent drauf hinweisen, dass sie vielleicht eine Autoproduktion aus dem Land abziehen könnten, wenn sie eine falsche Produktion bei der IWC einnehmen könnten. Also Sie sehen, da wird mit allen Werkzeugen gearbeitet.

Die Bundesregierung hat eine Strategie entwickelt, um diejenigen Länder, die noch schwankend sind, auf ihre Seite zu ziehen. Es sollen Anreize geschaffen werden dafür, dass das Vorkommen von Walen wirtschaftlich genutzt wird, ohne dass diese Tiere bejagt werden. Zum Beispiel durch den Tourismus:

Ich glaube, dass die schönste Art, Wale zu nützen, die ist, sie zu schützen und zu beobachten. Und deshalb ist es besonders ärgerlich gewesen, dass nach Norwegen und Japan auch Island unter dem Deckmäntelchen des wissenschaftlichen Walfangs, weil sie Informationen über Ernährung der Tiere erhalten wollten, angeblich, dass die da angefangen haben, wieder in den so genannten wissenschaftlichen Walfang einzusteigen.

Whale-Watching, dagegen könnte auch für Island zu einer Einkommensquelle werden, die nachhaltig ist, an der viele andere Wirtschaftszweige im Land profitieren, dies ist eine Alternative, die in lateinamerikanischen Ländern bereits genutzt wird. Beispielsweise an der Pazifikküste Mexikos, wo das Beobachten von Walen ein eigener Tourismuszweig geworden ist.

Ein weiteres Argument gegen den Walfang ist der Tierschutz. Die Fangmethoden haben sich seit 100 Jahren nicht verändert. Sie sind, verglichen mit der Art und Weise, wie andere Wildtiere auf der Jagd getötet werden, brutal und grausam. Der Geschäftsführer der Tierschutzorganisation WSPA, Martin Riebe, will deshalb, dass bei der internationalen Walfangkommission nicht nur um Fangquoten gerungen wird:

Es geht im Moment nur um Zahlen, Zahlen, Zahlen und Leid der Tiere, was vor allen Dingen dahinter steckt, darüber wird überhaupt nicht mehr gesprochen. Denn die Qualen der Tiere sind tatsächlich groß. Man muss sich vorstellen, dass eine Sprengharpune benutzt wird, um einen Wal zu töten, wenn diese Sprengharpune nicht tief genug eindringt, in das Tier, kann der Todeskampf bis zu einer Stunde dauern. Und wir haben einen Bericht gerade erstellt, und dabei ist herausgekommen, dass zum Beispiel die Norweger 60 Prozent der Tiere nicht mit dem ersten Schuss erlegen.

Wale sind sehr bewegliche Tiere, viele entkommen nach dem ersten Schuss und verenden irgendwo auf dem Meer.
Verschärfend kommt hinzu, dass Wale in der Regel aus schierem Überfluss gejagt werden, niemand auf der Welt braucht Walfleisch, um satt zu werden:

Walfleisch wird in Japan als Delikatesse verkauft. Man braucht es nicht zur Nahrungsaufnahme. Das ist etwas bei den eingeborenen Völkern. Da kann ich das akzeptieren, dass ein paar Wale getötet werden auf eine möglichst humane und schnelle Art und Weise, aber für die Ernährung der Bevölkerung braucht man das Walfleisch nicht.

Es ist allerdings wenig wahrscheinlich, dass diese Argumente des Tierschutzes bei der Internationalen Walfangkommission überhaupt auf Gehör stoßen werden. Wer die Wale auf den Weltmeeren schützen will, wird auch künftig 1. ökonomisch argumentieren müssen und 2. politischen Druck auf die Walfangnationen ausüben müssen.

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