
Was sind "Mythos 5" und "Fable 5" für KI-Modelle?
Beide Modelle gehören zu der von Anthropic genannten "Mythos"-Klasse des KI-Chatbots Claude, die besonders leistungsstark ist. Prinzipiell sind "Mythos 5" und "Fable 5" gleich, sie haben jedoch unterschiedliche Schutzmechanismen eingebaut. Die Modelle können zum Beispiel Programmieraufgaben übernehmen oder Dokumente etwa für das Finanzcontrolling analysieren.
Welche Risiken gibt es?
Anthropic hatte selbst im Frühjahr bei der Vorstellung der "Mythos"-Klasse vor einem Ausnutzen der Fähigkeiten gewarnt - beispielsweise bei der Suche von Sicherheitslücken in Software-Programmen. Dies könnte von Akteuren mit schlechten Absichten etwa für Cyberangriffe missbraucht werden. Institutionen wie der Internationale Währungsfonds äußerten Bedenken. Auch die Anwendung etwa im wirtschaftlichen oder militärischen Bereich wird kritisch betrachtet.
Warum hat die US-Regierung den Zugang sperren lassen?
Die US-Regierung hatte Anthropic angewiesen, seine neueste Software für Ausländer zu blockieren. Weil sich dies nur schwer kurzfristig umsetzen lässt, kappte Anthropic den Zugang zunächst für alle Nutzer weltweit.
Begründet wurde der Schritt der US-Regierung mit Sicherheitsbedenken, ohne nähere Details zu nennen. Es gibt offenbar die Befürchtung, dass die eingebauten Schutzmechanismen umgangen werden können, und so "Mythos 5" und "Fable 5" für illegale Aktivitäten eingesetzt werden könnten. Berichten zufolge hat sich der CEO von Amazon, Andy Jassy, mit entsprechenden Bedenken bei der Regierung für eine Sperre eingesetzt. Millionen Nutzer hatten allerdings bereits Zugang erhalten. Es ist der erste Eingriff in dieser Größenordnung durch Washington. Zwischen der US-Regierung und Anthropic gibt es seit längerer Zeit Streit über die militärische Nutzung der KI-Technologie.
Warum ist die Sperre für Europa relevant?
Die Frage der technologischen Souveränität rückt in den Fokus. In Europa gibt es keinen KI-Anbieter auf vergleichbarem Niveau. Daher ist der Zugang zu den leistungsstarken Modellen aus den USA wichtig. Entsprechend wird auch ein stärkerer Einsatz für die Entwicklung in Deutschland und Europa gefordert, um selbst leistungsstarke KI-Systeme mit entsprechendem Zugang zu erhalten. Es gab auch schon Forderungen, Unternehmen wie Anthropic, die sich über einen Eingriff der US-Regierung beschweren, nach Europa zu holen.
Was sagen Fachleute?
Der KI-Experte vom Zentrum für Digitalrechte und Demokratie, Markus Beckedahl, sieht einen gefährlichen Präzedenzfall. Die US-Regierung agiere nicht transparent und könnte willkürlich aus einer Laune heraus handeln, sagte Beckedahl der ARD. Der Experte des Beratungsunternehmens Neurawork, Christoph Knöll, erklärte, ein weltweites Abkommen zur Regulierung von KI sei zwar wünschenswert, aber wenig realistisch. Etwa gebe es zu wenig Kontrollmöglichkeiten.
Hörtipp
Diese Nachricht wurde am 15.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
